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Bier für eine bessere Welt
  • Gesellschaft
Angeregtes Gespräch zwischen Adriano Mannino (rechts) und Yves Bossart.

Philosophische Gespräche in der Metzgerhalle Bier für eine bessere Welt

4 min Lesezeit 06.11.2015, 14:08 Uhr

Wie kann ich die Welt verbessern und wo fange ich am besten an? Interessierte aus der ganzen Stadt sind in der Metzgerhalle eingetrudelt, um sich beim «Philosobieren» diesem Thema zu widmen. zentral+ war beim philosophischen Biertrinken dabei.

Wer jetzt auf die erlösenden Antworten, eine Checkliste zum Gutmenschen oder ein allgemeingültiges Rezept wartet, liegt falsch. In der Philosophie geht es nicht darum, Antworten zu geben, sondern sich neue Fragen zu stellen, aufzurütteln, alte Denkmuster zu verlassen und vielleicht, eventuell, eine für sich stimmige Argumentation zu finden. Dieser ist sich der heutige Gast Adriano Mannino sicher. Der 27-jährige Philosoph, der nebenbei auch noch Mathematik studierte, stützt sich auf einen zweckrationalen Utilitarismus. Wem dieses Wort nicht geläufig ist, dem sei hier in einer groben Erklärung geholfen: Diese philosophische Strömung richtet sich nach dem grösstmöglichen Nutzen.

Sonderrechte für den Mensch

Im Gespräch ist er mit Yves Bossart, Philosoph und Redaktor bei «Sternstunde Philosophie», der bei der ersten Austragung des Philosobierens der Gast war und den Anlass zusammen mit Philipp Menzinger ins Leben gerufen hat. Ihm sei es wichtig, dass sich auch Junge mit philosophischen Themen auseinandersetzen, und zusammen mit Bier funktioniere das ganz gut.

«Schweine sind intelligenter als Hunde oder auch als Neugeborene.»

Adriano Mannino, Philosoph

Zurück zum Utilitarismus: Dieser lässt sich im Verlauf des Gesprächs immer wieder erkennen. So appelliert Mannino beim Thema Veganismus nicht an die Emotionalität, dass einem die Tiere leid täten, sondern argumentiert mit ethischen Gründen, wie dem Vermeiden von möglichst viel Leid und ökologischen Faktoren, etwa dass die Viehlandwirtschaft die meisten CO2-Emissionen verursacht. Vegan – das Wort fällt an diesem Abend ziemlich oft und nimmt für Mannino anscheinend einen zentralen Aspekt im Weltverbessern ein. Er erklärt, wie wir eine Differenz zwischen Menschen und Tieren generieren, die so nicht vorhanden sei. Bezieht man sich auf das Bewusstsein, seien Menschen mit schweren Graden an geistiger Behinderung oder auch Kleinkinder manchen Tiere gleichgestellt oder gar unterlegen: «Schweine sind intelligenter als Hunde oder auch als Neugeborene», so Mannino. Letztere bekämen aber Sonderrechte, was für Tiere nicht gilt.

Die Metzgerhalle lud zum «Philosobieren» ein.

Die Metzgerhalle lud zum «Philosobieren» ein.

Tierrecht und Menschenrecht verbinden

Der ihm sehr wichtige Faktor des Leidens oder des Vermeidens von Leid ist für ihn ausschlaggebend für Veganismus. «Aus einer risikoethischen Sicht muss man immer annehmen, dass es sein könnte, dass ein Lebewesen Leid empfinden kann, weswegen unnötiges Leid vermieden werden sollte, auch wenn man es nicht weiss», betont der Philosoph. Auch gäbe es Ansätze in der Biologie, die von der Meinung ausgehen, dass Tiere mehr Leid empfinden können als Menschen, da wir mehr Hirnmasse besitzen und so auch ohne Erfahrung lernen können, was Tieren verwehrt bleibt und so ein verstärkter Lernprozess über Schmerz vonnöten sei. Zudem kann man über ökologische Argumente Natur und Menschen, die über Regenwaldabholzung zu Schaden kommen, schützen – Tierrecht und Menschenrecht lassen sich so praktisch verbinden.

«Das Wissen, dass man sein Geld sinnvoll einsetzt, gibt dem Menschen Erfüllung.»

Adrian Mannino, Philosoph

Nun denn, wie lässt sich möglichst viel Leid verhindern? Mannino bleibt in seiner Argumentation konstant und weist auf die Relativität von Leid hin: «Betrachtet man die Opferzahlen von Diktaturen und unterdrückenden Regimes pro Jahr, so sind diese kleiner als die Anzahl Menschen, die pro Tag an Malaria oder Tuberkulose sterben.» Macht das diese weniger wichtig? Dieser Meinung ist Mannino natürlich nicht, erwähnt aber, dass mit Spenden, die für die grössten Leidverursacher eingesetzt werden, absolut viel mehr Menschen geholfen werden kann.

Spenden macht glücklich

Die Idee, die Mannino auch in den Organisationen «Raising for Effective Giving», «Bruno Giordano Stiftung», «Effective Altruism Switzerland» und «Sentience Politics» vertritt, ist die folgende: Spenden macht den Menschen glücklich. Das Wissen, dass man sein Geld sinnvoll einsetzt, gibt dem Menschen Erfüllung. Warum sollte also nicht ein Banker, der mehr Geld verdient, als er je ausgeben kann, ein Teil seines Vermögens spenden? Laut Mannino ist es besser, in einer eventuell kritisierbaren Funktion zu bleiben und durch Spenden anderen Menschen einen Job in einer NGO zu verschaffen, als diesen selbst einzunehmen, da jemand anderes meinen bisherigen Job übernehmen würde, der vielleicht mehr Schaden mit dem Geld anrichten würde.

Hört sich kompliziert an? Ist es auch. Es ist schwierig, richtige Entscheidungen zu treffen, herauszufinden, wie man etwas verändern will, welcher Weg für einen am besten passt. Dabei stehen objektive Überlegungen und eigene Interessen im Konflikt. Mannino appelliert aber an das Betrachten historischer Bedingungen: Einst war Rassismus und Homophobie an der Tagesordnung, heute ist es verwerflich und sogar strafbar. Worüber werden zukünftige Generationen den Kopf schütteln, was bei uns normal war?

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