Bessere Verbindungen in Zug: Menzinger und Neuheimerinnen dürfen sich freuen
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Die Busse der ZVB transportierten 2019 mehr als eine Millionen Passagiere. (Bild: zvg)

So soll der Zuger Fahrplan 2021 aussehen Bessere Verbindungen in Zug: Menzinger und Neuheimerinnen dürfen sich freuen

6 min Lesezeit 08.06.2020, 12:30 Uhr

Am 12. Dezember wechselt der Fahrplan. In Zug wird einiges neu. Da plötzlich 1,3 Millionen mehr als geplant zur Verfügung stehen, sollen einige Linien ausgebaut und höher getaktet werden. Zudem ist die Regierung zuversichtlich, dass der Ausbau des Zugersee-Ostufers fristgerecht auf den Fahrplanwechsel fertig wird.

Im Dezember wird sich einiges ändern in der Zuger ÖV-Landschaft. Nicht nur, weil im Dezember die Zugersee-Ost-Zugstrecke wieder befahrbar sein wird und damit der Umweg über Rotkreuz entfällt. Sondern auch, weil der Kanton unverhofft 1,3 Millionen Franken mehr hat, die er für den öffentlichen Verkehr verwenden kann und will.

Wie kommt das? Jährlich stehen dem Kanton Zug 30,2 Millionen Franken für den ÖV zur Verfügung. Wie Patrick Stöcklin, der Projektverantwortliche des Fahrplanentwurfs erklärt: «Wir haben von den verschiedenen Verkehrsunternehmen bessere Angebote erhalten als erwartet. Entsprechend haben wir das Budget nicht ganz ausgeschöpft.»

Das Jahr 2019 war betreffend ÖV ein sehr gutes. Noch nie nützten im Kanton Zug mehr Menschen Busse und Züge wie im letzten Jahr (zentralplus berichtete). Und je mehr das Angebot genutzt werde, desto günstigere Preise würden dem Kanton verrechnet.

Sonntagsangebot ins Ägerital, nach Baar und Gimenen

Doch nun zum Eingemachten. Was ändert sich konkret?

Für den wachsenden Freizeitverkehr sollen an Sonn- und Feiertagen die Busse der Linien 1 Zug–Oberägeri und 3 Oberwil–Lättich neu im 15-Minutentakt verkehren.

Zwischen Inwil und Baar wird neu ein 30-Minutentakt mit der Buslinie 4 angeboten. Die Buslinie 14 verkehrt nun auch sonntags, wie heute von Montag bis Samstag zwischen Inwil–Zug–Gimenen. Damit erhält das Gebiet Gimenen auch an Sonntagen ein ÖV-Angebot.

Einige neue Angebote kommen zum Zuger ÖV hinzu. (Bild: zvg)

Mehr Abendfahrten in Baar, Steinhausen und Zug

Auf den nachfragestarken Linien 3 Oberwil–Lättich, 6 Zug–Steinhausen und 11 St. Johannes–Schönegg wird der 15-Minutentakt bis 22 Uhr angeboten. Damit entfallen bis 22 Uhr die langen Wartezeiten an der Bushaltestelle Metalli/Bahnhof in der Stadt Zug.

Im Rahmen des Zuger Sparpakets war der Fahrplan im Jahr 2016 ausgedünnt worden.

Die Buslinie 31 Baar–Sihlbrugg–(Neuheim) wird neu immer in Sihlbrugg gewendet. Dadurch kann das Angebot für den Entwicklungsschwerpunkt Walterswil von Montag bis Freitag zum 15-Minutentakt verdichtet werden. Zwischen Sihlbrugg und Neuheim Tal verkehren keine Busse mehr.

Das arme Neuheim. Wird es nun abgesägt? Nicht doch, wie die Verantwortlichen beteuern. Und: ganz im Gegenteil.

Neuheim ist ein grosser Profiteur

Um das Einzugsgebiet der Linie 32 Baar–Neuheim zu vergrössern, werde diese Linie über Neuheim hinaus verlängert. Zwischen Baar–Neuheim verkehren alle 30-Minuten Kurse über den Baarburgrank. «Damit sparen ÖV-Nutzer 11 Minuten Zeit im Vergleich zur Route über Sihlbrugg», erklärt Stöcklin.

In Neuheim Dorf hört die Fahrt jedoch nicht auf. Einmal stündlich fährt der Bus ins Neuheimer Gewerbegebiet Sarbach und Tal. Ebenfalls stündlich verkehrt die Linie 32 zwischen Neuheim und Menzingen. «Dank dieser Schnellverbindung können am Bahnhof Baar mehr Anschlüsse erreicht werden, so auch der IR75 von und nach Luzern und Zürich», so die Baudirektion.

Ab Baar gibts bald halbstündliche Verbindungen direkt nach Neuheim. Und von da weiter.

Neuheim und Menzingen werden verbunden

Es ist das erste Mal, dass die Zuger Berggemeinden Neuheim und Menzigen mittels ÖV direkt verbunden werden. Im Moment dauert die ÖV-Reise von Neuheim in die nächstgelegene Gemeinde Menzingen sage und schreibe 40 Minuten und führt zuerst hinunter nach Baar. Zudem muss man zweimal umsteigen. Künftig dürfte der Weg also nicht einmal mehr ein Drittel der Zeit benötigen.

Für Menzingen soll neu die schnellste Verbindung nach Zürich mit der Linie 32 via Baar führen. Die drei Gemeinden Menzingen, Neuheim und Baar sind künftig direkt miteinander verbunden. Das sei insbesondere für die Schüler der Kanti Menzingen ein grosser Vorteil: «Auszubildende aus diesem Raum erhalten eine umsteigefreie Busverbindung zur Kantonsschule Menzingen und entlasten so auch die stark besetzten Kurse der Buslinie 2», so Stöcklin.

Rotkreuz als neuer Hotspot

Die Buslinie 53 Küssnacht am Rigi–Rotkreuz soll zur Hauptverkehrszeit im 15-Minutentakt verkehren, wovon Buonas und Risch direkt profitieren. Mit den neuen Buslinien 525 Immensee–Rotkreuz und 526 Brunnen–Goldau–Rotkreuz werden neue Direktverbindungen aus dem Schwyzer Talkessel zum Entwicklungsschwerpunkt der Gemeinde Risch angeboten. Die bestehende Buslinie 528 Vitznau–Rotkreuz bedient neu auch die Bushaltestelle Birkenstrasse im Gebiet Suurstoffi.

Verbessertes Angebot Walchwil–Zug

Zur ursprünglich geplanten Buslinie 5 Walchwil–Oberwil wurden diverse Konsultationen durchgeführt. Neu wird die Linie 5 stündlich nach Zug verlängert. Die Busse verkehren mit einer neuen Linienführung (Zug Bahnhofplatz–Walchwil St. Adrian–Walchwil Bahnhof –Walchwil Oberdorf–Walchwil Hörndli–Zug Bahnhofplatz). Damit werde eine bessere innerörtliche Erschliessung von Walchwil ermöglicht, so die Regierung.

Reisende von St. Adrian bis Räbmatt werden stündlich umsteigefrei zum Bahnhof Zug gebracht, wo direkte Anschlüsse an den Fernverkehr bestehen.

Mit dem überarbeiteten Fahrplanangebot erhalte Walchwil an Werktagen pro Stunde drei Verbindungen zwischen der Innenstadt von Zug und Walchwil.

An Sonntagen und zu Randstunden bilden die Stadtbahnlinie S2 und die Buslinie 5 zusammen einen Halbstundentakt zwischen Zug und Walchwil. Keine neuen Erkenntnisse brachten die Gespräche für die Verbindung Walchwil–Arth, die eingestellt wird.

Mehr Fahrplanstabiliät von Cham nach Zürich

Der Fahrplan der Buslinie 42 Cham–Knonau soll so angepasst werden, dass die Anschlüsse in Knonau an die S5 gesichert werden und für die Reisenden eine robuste Transportkette von und nach Zürich angeboten werden kann. Derzeit zwingt diese Verbindung die ÖV-Nutzer regelmässig zu Sprints. Und verärgert offenbar auch nicht selten die Pendler, die ihren Zug verpassen.

Auch das Freiamt soll besser angebunden werden an die Region Ennetsee. Unter der Federführung des Kantons Aargau und in Zusammenarbeit mit dem Bund und dem Kanton Schwyz will der Kanton Zug probeweise ein Angebot mitbestellen.

«Wir sind guter Hoffnung, dass die Linie Zugersee-Ost Ende Dezember eröffnet werden kann.»

Patrick Stöcklin, Projektverantwortlicher Fahrplanentwurf

Während dreier Jahre seien einzelne Wochenendverbindungen für die Strecke Aarau–Rotkreuz–Arth-Goldau geplant. Diese Züge sollen direktere Anschlüsse an den Gotthardverkehr vermitteln, wodurch für Reisende aus dem Raum Rotkreuz in den Süden der Umweg via Zug entfalle.

Nochmals zurück zur Strecke Zugersee Ost: Wird diese fristgerecht fertig? «Wir sind guter Hoffnung, dass die Linie Zugersee-Ost Ende Dezember eröffnet werden kann», sagt Stöcklin. Auch wenn Unwetter oder eine allfällige zweite Corona-Welle zu weiteren Verzögerungen führen könnten.

Kritik aus der Bevölkerung ist erwünscht

«Das ÖV-Angebot sorgt häufig für negative Resonanz in der Bevölkerung. Das ist schade, denn offenbar sind sich die Leute nicht bewusst, dass man bereits vor dem Fahrplanwechsel Stellung nehmen kann zu den geplanten Änderungen», sagt der Zuger Projektverantwortliche Patrick Stöcklin.

Unter www.fahrplanentwurf.ch können die Bahn- und Buslinien für das Jahr 2021 eingesehen werden. Die Vernehmlassungsphase des Bundesamts für Verkehr (BAV) dauert von Mittwoch, 10. Juni 2020, bis Sonntag, 28. Juni 2020.

Wer nicht einverstanden ist mit den Neuerungen, Anregungen hat und dem Kanton Zug oder dem Bund in Sachen ÖV sowieso mal die Meinung geigen will, kann dies direkt per [email protected] tun.

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