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«Besser kastrieren als töten»
  • Gesellschaft
Die Tiere sind fürs Mäusefangen da. Es sind alles andere als Schmusekatzen. (Bild: bra)

Auf Katzenjagd «Besser kastrieren als töten»

3 min Lesezeit 28.11.2014, 16:37 Uhr

Markus Brechbühl fängt im Auftrag des Luzerner Tierschutzvereins (TSVL) Katzen. In diesen Tagen war er im Entlebuch unterwegs und hat dutzende Fallen aufgestellt. Was da hineingerät, ist alles andere als ein Schmusetier. Und morgen wird es kastriert.

Unterwegs mit Markus Brechbühl, Betriebsleiter des Luzerner Tierheims an der Ron: Im Transporter geht es vom Bahnhof Entlebuch her auf einer Feldstrasse durch eine dicke Nebelsuppe nach oben. «30 Katzen haben wir schon», sagt er. Seit gestern fängt Brechbühl im Auftrag des Luzerner Tierschutzvereins dutzende Tiere ein. Sie sollen kastriert, sterilisiert und wieder ausgesetzt werden. Es gibt noch viel zu tun. «Bei mir sind sind 54 Tiere gemeldet.» Beim Hof von Toni Bieri wird das erste Mal Halt gemacht. Gestern Abend hat Brechbühl hier acht Fallen platziert. Insgesamt soll es im Kanton Luzern mehrere tausend Bauernhofkatzen geben.

Die landesweite Aktion findet im Entlebuch das erste Mal statt. «Besser kastrieren, statt töten», lautet das Motto des Schweizer Tierschutzes (STS). Eine neuere Studie des STS zeigt, dass eine sehr grosse Verbreitung und eine unkontrollierte Vermehrung von Katzen in der Schweiz stattfindet. Landwirt Toni Bieri öffnet das Scheunentor. Leise faucht es aus den dunklen Ecken. 

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«Stress für die Tiere»

Sechs von den acht gestellten Fallen haben zugeschlagen. Die Katzen in den Boxen sind wild – alles andere als niedliche Schmusetiere. Sie sind auf dem Hof, um Mäuse zu jagen. Ihre nervösen Augen reflektieren. Fünf Tiere toben in ihren Kisten hin und hier. Das Blech schellt. Nur eine Katze sitzt ausnahmsweise still da und miaut verlegen. Lange wollen Bauer Bieri und Tierheimleiter Brechbühl die Tiere nicht eingesperrt lassen. «Das ist Stress für die Tiere», sagen sie. 

Noch sind die Katzen für den Bauern keine Plage. In der Scheune finden sie trockene Schlafplätze und etwas zu fressen. Jeden Morgen stellt Bieri frische Milch für sie bereit. «Ein halbes Dutzend verträgt mein Hof», sagt Bieri. «Aber heuer sind es bereits dreizehn. Da habe ich mich bei Markus gemeldet.»

«Si geu drus»

Eine Katze wirft in der Regel zweimal pro Jahr Junge, im Durchschnitt sind es drei Welpen pro Wurf. Tierheimleiter Brechbühl sagt: «Jede Katze hat ihr Revier. Wenn es ihnen zu eng wird, wandern sie weiter. Sie bevölkern Campingplätze oder Fabrikgelände und vermehren sich explosionsartig.»

Bei einer zu grossen Population sterben viele Katzen infolge Inzucht, weil sie mit jeder Generation anfälliger für Krankheiten werden. Oder sie geraten in die Maschinen der Landwirte. Wenn sie sterben, «geu si drus», wie man hier oben sagt. Der STS unterstützt die Aktion mit über 300’000 Franken jährlich. Nach dessen Angaben werden schweizweit bis zu 12’000 Kätzinnen und Kater kastriert.

Brechbühl hat bei verschiedenen Höfen insgesamt 20 Fallen verteilt. «Ich sorge dafür, dass jeder Bauer am Schluss wieder seine Katze hat.» Das Ziel des Tierheimleiters ist es, in diesen Tagen möglichst alle gemeldeten Katzen sorgfältig einzufangen, in sein Tierheim zu bringen und sie dort gut organisiert kastrieren zu lassen. Morgen Samstag werden Tierärzte im Auftrag des STS rund 50 Tiere operieren. 

Nachher geht es für Brechbühl noch zu sechs anderen Höfen. Zusammen mit Bieri schreiben sie die Kisten an und verladen sie ins Fahrzeug. Die Hände sind durch die Gitterstäbe gut geschützt. «Ich lasse sie genau hier wieder raus. Damit sie ihre gewohnte Umgebung wieder finden», sagt Brechbühl. Es geht weiter zum nächsten Hof. Bauer Bieri winkt hinterher. 

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