Nach umstrittenem Stelleninserat

Uni Luzern: Dieser Katholik wird Judaistik-Professor

Christian Rutishauser übernimmt die Stelle per 1. August 2024. (Bild: zvg/Emanuel Ammon)

Die Universität Luzern hat Christian Rutishauser per 1. August zum Professor für Judaistik und Theologie berufen. Die Stellenausschreibung stand zuvor in Kritik.

Nun ist klar, wer der neue Professor für Judaistik und Theologie an der Universität Luzern wird: Christian Rutishauser. Er ist 1965 geboren, studierte Theologie an der Universität Fribourg und wurde 1998 zum Priester geweiht. Er doktorierte an der Universität Luzern im Fachbereich Judaistik und hat seit 2002 diverse Lehraufträge an Hochschulen inne.

Die Ausschreibung der Stelle wurde zuvor stark diskutiert. Gesucht hat die Universität eine Person für eine ordentliche Professur in Judaistik und Theologie mit 75 Stellenprozent. Unter anderem soll sie Judaistik unterrichten und das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) leiten (zentralplus berichtete).

Die Bewerberin muss dafür eine Habilitation und Promotion, eine Verankerung im jüdisch-christlichen Dialog und Erfahrung, Drittmittel zu besorgen, vorweisen. Ausserdem muss die Bewerberin katholisch sein und ein kanonisches Doktorat haben. Das Jüdisch-Christliche Institut darf also nur ein Katholik leiten.

Kommission gegen Rassismus war erstaunt über Ausschreibung

Die jüdische Zeitung «Tacheles» kritisierte die Ausschreibung. Auch Martine Brunschwig, die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR), meldete sich zu Wort: «Die EKR ist erstaunt über diese besonders enge Anforderung an die römisch-katholische Konfession für die ausgeschriebene Stelle, zumal diese auf die jüdische Kultur ausgerichtet ist. Wir fragen uns daher, warum Personen jüdischen Glaubens in diesem Zusammenhang ausgeschlossen werden.»

Die Dekanin der Theologischen Fakultät, Margit Wasmaier-Sailer, konterte damals gegenüber zentralplus. Sowohl kirchenrechtliche als auch fachliche Gründe seien für die Ausschreibung verantwortlich (zentralplus berichtete). «Eine katholisch-theologische Fakultät bewegt sich nicht nur im Rahmen des kantonalen Rechts, sondern auch im Rahmen des kirchlichen Rechts», erklärte sie. Konkret gehe es um die Apostolische Konstitution «Veritatis Gaudium». Im Fall der ausgeschriebenen Professur sei deshalb ein kanonisches Doktorat notwendig.

Dazu würden fachlichen Gründe kommen. Neben der Leitung des IJCF soll der Professor auch im Zentrum für Theologie und Philosophie der Religionen mitarbeiten. «Es geht bei dieser Professur also ganz wesentlich um einen christlichen Beitrag im Dialog mit Jüdinnen und Juden – hierzu gehört selbstverständlich auch das Engagement in entsprechenden kirchlichen Kommissionen und katholischen Delegationen.»

War Christian Rutishauser der einzige Kandidat?

«kath.ch» rechnete schon länger damit, dass Christian Rutishauser die Position übernehmen wird. Er sei der einzige Kandidat gewesen, schrieb das katholische Onlinemagazin in einem Artikel vom vergangenen Januar. «Wie ein Insider berichtet, soll es durchaus mehrere Bewerbungen gegeben haben. Allerdings vor allem von jüdischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen», berichtete das Magazin. Die Universität Luzern nahm damals keine Stellung dazu.

Universität plant neue Professur für «Jewish Studies»

Die Uni Luzern verkündet in ihrer Mitteilung vom Montag eine weitere Neuigkeit. Ein Stück weit scheint sie auf die Kritik einzugehen: Die Universität will neu eine Professur für «Jewish Studies» an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät schaffen. Für deren Besetzung werden keine konfessionellen Voraussetzungen gelten. Die Ausschreibung soll unter Vorbehalt der Zustimmung durch die universitären Gremien im Herbst 2024 erfolgen.

Verwendete Quellen
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