Beruf & Bildung
Finanzielles Loch wegen Corona

Seniorenuni bangt um ihre Jubiläumsfeier und ihre Zukunft

Seit 25 Jahren können sich Menschen über 60 an der Seniorenuni Luzern zu verschiedenen Themen bilden. (Bild: zvg)

Dieses Jahr feiert die Universität für Seniorinnen ihren 25. Geburtstag. Ein Jubiläum, das unter hohem Kostendruck steht. Denn die Folgen der Pandemie hat die Seniorenuniversität Luzern besonders lange gespürt.

Im Grunde hätte die Seniorenuniversität Luzern dieses Jahr allen Grund, gross zu feiern. Sie feiert 2023 nämlich ihr 25-jähriges Bestehen und ist heute die grösste Seniorenuniversität der Deutschschweiz.

Seit sie 1998 auf der Grundlage der Volkshochschule entstanden ist, konnte sie ein breites Angebot aufbauen, um Menschen über 60 einen niederschwelligen Zugang zu Bildung und Kultur zu bieten.

Doch die Planung der Jubiläumsfeier steht derzeit noch im Schatten der Pandemie. Die Einschränkungen der letzten Jahre haben grosse finanzielle Lücken und einen deutlichen Mitgliederschwund hinterlassen, welche den Jubiläumsvorbereitungen einen bitteren Beigeschmack verleihen. Mit einer Spendenaktion und mit dem bewussten Einsatz von digitalen Alternativen will die Universität ihre Finanzierung und die Feier sicherstellen.

Die digitalen Vorlesungen ersetzen nicht alles

Während für die meisten Studierenden in der Zentralschweiz schon seit einem guten Jahr wieder Normalbetrieb herrscht, konnten die Studentinnen der Seniorenuniversität Luzern erst seit Herbst 2021 wieder wie gewohnt an den Seminaren und Kursen vor Ort teilnehmen.

Denn bis im Sommer letzten Jahres wurden die Veranstaltungen zum Schutz der älteren Teilnehmer noch stark reduziert und entweder in die Räumlichkeiten am Schweizerhofquai 2 oder ins Netz verlegt (zentralplus berichtete). So wurden drei Vorträge pro Woche live übertragen und standen den Mitgliedern auch für eine spätere Nutzung zur Verfügung.

«Da die Seniorenuni eine Non-Profit-Organisation ohne reguläre öffentliche Subventionen ist, fielen grosse Teile der üblichen Einnahmen aus.»

Michel Hubli, Präsident und Geschäftsleiter Seniorenuniversität Luzern

Für die Senioren war das allerdings besonders bitter, da die Universität für sie auch eine wichtige soziale Aufgabe erfüllt. Viele schätzten besonders den Kontakt und den Austausch mit Kommilitoninnen und Dozenten. Das zeigte sich auch am Interesse am digitalen Vortragsprogramm, sagt der Präsident und Geschäftsführer, Michel Hubli: «Beim Start und bis heute müssen wir jedoch feststellen, dass das Interesse bescheiden ist, d. h. wir haben uns vorgestellt, dass etwa doppelt so viele Leute sich dafür anmelden.»

Ein langsamer Weg zurück zur Normalität

Als Konsequenz hatten sich viele Mitglieder während der Pandemie abgemeldet. Die Mitgliederzahl fiel so von 4200 auf 3500. Das hatte vor allem finanzielle Auswirkungen, da ein wesentlicher Teil der Finanzierung durch Mitgliedschafts- und Unkostenbeiträge gedeckt wurde. «Da die Seniorenuni eine Non-Profit-Organisation ohne reguläre öffentliche Subventionen ist, fielen grosse Teile der üblichen Einnahmen aus», erklärt Hubli.

Das letzte Jahr brachte eine erste Erholung. «Die Teilnahme an unseren Anlässen hat sich im letzten halben Jahr zunehmend verbessert», sagt Michel Hubli. Das zeige sich besonders bei den Sprachkursen und bei einigen mehrteiligen Veranstaltungen. Bei den Vorträgen sei die Teilnehmerzahl allerdings noch sehr bescheiden im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie, so Hubli.

«Wir dürfen diesbezüglich auf eine grössere Anzahl von Gönnerinnen und Gönnern zählen als vor der Pandemie.»

Um die Finanzierung der Seniorenuniversität Luzern für die nächsten Jahre sicherzustellen, hat die Uni im November einen Spendenaufruf lanciert. 100'000 Franken will sie bis im Sommer sammeln, derzeit steht sie bei knapp 25'000 Franken.

Für den Präsidenten Hubli wäre damit ein grosser Schritt getan, um die Universität am Leben zu halten. «Wenn uns nicht weitere Pandemiewellen einen Strich durch die Rechnung machen, werden die Mittel ausreichen, um wieder zuversichtlich weiter planen zu können.»

Das Bangen um die Jubiläumsfeier

Michel Hubli ist jedoch zuversichtlich, dass sie das Ziel erreichen können. «Wir dürfen diesbezüglich auf eine grössere Anzahl von Gönnerinnen und Gönnern zählen als vor der Pandemie», fügt er hinzu.

Mit der Spende soll auch die Jubiläumsfeier sichergestellt werden, die der Geschäftsleitung letztes Jahr noch grosse Sorgen bereitet hatte. «Die speziellen Anlässe am 26. und 28. August 2023 belasten unser Budget zusätzlich», schrieb die Universität in einer Mitteilung auf ihrer Webseite.

Im Zentrum der Feierlichkeiten steht der Tag der offenen Tür am 26. August, der einer interessierten Öffentlichkeit einen Einblick in das Angebot der Seniorenuni gibt. Zum Start des Studienjahrs am 28. August werde zusätzlich mit Gästen gefeiert, verrät Michel Hubli.

Stärker auf die individuellen Bedürfnisse eingehen

In Zukunft will die Leitung das Angebot der Seniorenuniversität Luzern noch zugänglicher machen. Denn einen Vorteil habe die Pandemie gehabt: Das digitale Vorlesungsangebot hat Leute erreicht, für die ein Besuch der Universität mit zu grossen Hürden verbunden gewesen war.

Diese Leute, die in ihrer Mobilität eingeschränkt seien oder einen langen Weg hätten, will die Seniorenuni nun bewusst angehen, um die Mitgliederzahl zu erhöhen. «Wir senden weiterhin live, mit der Möglichkeit der Teilnahme von zuhause aus oder der Präsenz im Hörsaal», erklärt Hubli.

Auch für die Aktiv-Teilnehmerinnen habe die Erweiterung mit der digitalen Aufzeichnung einen Vorteil. «Geschätzt wird, dass sie danach die Möglichkeit haben, zuhause Sequenzen nochmals anschauen oder anhören zu können», sagt Michel Hubli.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Michel Hubli, Präsident und Geschäftsleiter Seniorenuniversität Luzern
  • Website der Seniorenuniversität Luzern
  • Medienmitteilung der Seniorenuniversität
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