Beruf & Bildung
In der Gastronomie sieht es düster aus

Darum gibt es weniger Lehrlinge im Kanton Luzern

Gastro-Lehrlinge wie Alexander Widmer vom Schweizerhof Luzern werden immer weniger. (Bild: cbu)

Im Kanton Luzern sind dieses Jahr 4691 Lehrverträge bewilligt worden. Das sind weniger als im letzten Schuljahr. Auch die Anmeldungen zur Berufsmatura sind zurückgegangen. Woran liegt's?

Es ist ein grosser Schritt nach der obligatorischen Schulzeit: der erste Lehrvertrag und somit der erste Schritt in die Arbeitswelt. Diesen direkten Weg treten gut drei Viertel der jungen Luzernerinnen an. In diesem Jahr sind es mit 4691 Lehrverträgen aber etwas weniger (etwa 1,8 Prozent) als im Vorjahr. Christof Spöring, der Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, erklärt am Telefon, dass der Kanton Luzern trotzdem zufrieden ist.

Kanton erntet die Früchte... Äh die Informatiker

Der Rückgang der Lehrlinge habe nicht damit zu tun, dass immer mehr Jugendliche ans Gymnasium gehen, wie der Gewerbeverband gerne kritisiert (zentralplus berichtete). Der Rückgang sei heuer demografiebedingt. In diesem Jahr hat es allgemein weniger Volksschulabgängerinnen gegeben. Schweizweit sei die Lehrstellensituation stabil.

Deshalb sei der Kanton Luzern mit den diesjährigen Zahlen der Lehrlinge zufrieden. Insbesondere mit der Anzahl Lehrverträge in der IT-Branche. Denn diese leidet unter grossem Fachkräftemangel (zentralplus berichtete). «In den letzten Jahren haben der Kanton Luzern und die Branche viele Anstrengungen unternommen, um in der IT-Branche mehr Lehrstellen zu finden. Nun sind die Früchte davon zum ersten Mal sichtbar», so Spöring. In diesem Jahr gibt es 171 angehende Informatikerinnen – also 25 mehr als im Vorjahr.

Bei anderen Branchen mit Fachkräftemangel sieht es weniger rosig aus. Die Zahl der Lehrlinge in Pflegeberufen stagniert (zentralplus berichtete). In der Gastronomie gibt es ebenfalls weniger Lehrlinge. Dabei gibt es Verschiebungen innerhalb der Branche: So gebe es deutlich weniger Köche, dafür immer mehr Hotel-Kommunikationsfachleute, so Spöring. Überraschend kommt das nicht: «Im Gastgewerbe nahm die Anzahl der Lehrverträge in den letzten Jahren sukzessive ab.»

In der Gastro sieht die Zukunft düster aus

Wenig zufrieden über diese Zahlen ist Gaudenz Zemp, der Direktor des Luzerner KMU- und Gewerbeverbands. «Es ist unglücklich fürs Gewerbe, wenn es weniger Lehrlinge gibt. Wir wären froh um mehr gewesen», sagt er am Telefon. Da der Rückgang auf fehlende Schulabgänger zurückzuführen ist, könne man niemandem einen Vorwurf machen. Aber auch nicht wirklich etwas dagegen tun.

Am Horizont sieht er jedoch Besserung: «Gemäss Prognosen rechnet man in der nächsten Zeit mit viel mehr Volksschülern. Künftig soll es gar mehr Lehrlinge als Lehrstellen geben.»

«Die Zahlen der Berufsmatura sind enttäuschend, der Kanton hat da ganz andere Ambitionen.»

Gaudenz Zemp, Direktor des Luzerner KMU- und Gewerbeverbands

Dass es für einzelne Branchen, wie etwa der IT, etwas besser aussieht, ist für Zemp zwar «sehr erfreulich». Er mahnt jedoch: «Die Branche hat immer noch einen gewaltigen Fachkräftemangel. Das ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein.» 

Weniger Anmeldungen bei Berufsmatura

Was den Kanton Luzern und Gaudenz Zemp weniger freut, ist der Rückgang der Schülerinnenzahlen bei der Berufsmatura. Mitte August haben 875 Personen die Berufsmatura angefangen. Gegenüber dem Vorjahr sind das 94 Studenten weniger. Insbesondere bei der Vollzeit-Berufsmatura, die Jugendliche nach der abgeschlossenen Lehre antreten, ist ein Rückgang spürbar.

«Eigentlich stagniert diese Zahl auf dem Niveau des Vor-vor-Jahres. Das ist nicht dramatisch, aber wir hoffen, dass sich das nicht fortsetzt», so Spöring. 2021 haben sich massiv mehr Jugendliche für die Berufsmatura angemeldet. Der Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung setzt diesen Anstieg jedoch in den Kontext der Corona-Pandemie: «Wir gehen davon aus, dass dieser Boom wegen Covid war. Viele konnten nicht ins Zwischenjahr oder haben keine Stelle gefunden.» Nach diesem Boom sei das Interesse an der Berufsmatura wieder auf das «Normalniveau» gesunken.

Kanton behält Berufsmatura im Auge

Trotzdem beobachtet das Bildungsdepartement die Situation ganz genau. Mit mehreren Massnahmen versucht der Kanton Luzern, die Berufsmatura-Quote zu steigern. So etwa mittels Austausch mit Betrieben, damit sie eine berufsbegleitende Berufsmatura ermöglichen. An Übertrittveranstaltungen werden Vorteile der Berufsmatura aufgezeigt. Zudem ist kürzlich die Aufnahmeprüfung für die Berufsmatura nach Lehrabschluss abgeschafft worden (zentralplus berichtete).

Gaudenz Zemp will diese Entwicklung genauer unter die Lupe nehmen. «Die Zahlen der Berufsmatura sind enttäuschend, der Kanton hat da ganz andere Ambitionen.» Zwar sei der Kanton bereits mit verschiedenen Massnahmen aktiv. Doch die Gründe für die tiefe Berufsmatura-Quote seien vielfältig. Dies werde man nun im Beirat Berufsmatura genauer anschauen.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Gaudenz Zemp, Direktor des Luzerner KMU- und Gewerbeverbands
  • Telefonat mit Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung
  • Medienmitteilung Kanton Luzern
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