«Bernard Challandes kommuniziert auch mit Geräuschen»
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10.11.2018; Lugano; FUSSBALL SUPER LEAGUE - FC Lugano - FC Luzern; Oliver Custodio und Idriz Voca (Luzern) jubeln nach dem Spiel (Martin Meienberger/freshfocus) (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FCL-Spieler Idriz Voca erklärt Kosovos Höhenflug «Bernard Challandes kommuniziert auch mit Geräuschen»

4 min Lesezeit 15.11.2018, 15:42 Uhr

Offiziell gibt es die kosovarische Nationalmannschaft erst seit Mai 2016. Nun macht sie sich mit viel Schweizer Power daran, ein Euro-Ticket über die Nations League abzuholen. Mittendrin ist FCL-Spieler Idriz Voca. Der 21-Jährige erzählt vor dem Abflug nach Pristina am Montag, was die Kosovaren beflügelt.

Seit März dieses Jahres ist der Westschweizer Bernard Challandes der Übungsleiter der Kosovaren. Im gleichen Monat hat Voca beim Test gegen Magadaskar debütiert. Einen Begriff haben sie seit ihrer gemeinsamen Reise nicht buchstabieren gelernt: Niederlage. Sieben Spiele, vier davon in der Gruppe 3 der D-Liga im Rahmen der Nations League, hat der Kosovo 2018 bestritten. Fünf Siege und zwei Remis resultierten.

Der Kosovo ist mit zwei Siegen und zwei Unentschieden Gruppenerster. Ihn erwartet am Samstag Malta, drei Tage später in Pristina kann es zum Showdown gegen Aserbaidschan kommen. Vor mindestens 12’500 Zuschauern (offizielles Fassungsvermögen des Stadions). Dann, wenn der zwei Punkte zurückliegende Verfolger in der nächsten Runde mit den Kosovaren zumindest Schritt hält.

Fans liefern sich Schlägereien um Tickets

Sechs Spieler, die den Schweizer Pass besitzen oder zumindest in der Super League gespielt haben, spielen für Kosovo. Neben Voca sind dies Hekuran Kryeziu (25/FC Zürich) und Fidan Aliti (25/KF Skënderbeu), die beide auch schon für den FC Luzern aufliefen, Benjamim Kololli (26/FC Zürich), Jetmir Krasniqi (23/Lugano) als auch Arbenit Xhemajli (20/Xamax). Und sie erleben Zeiten, wonach wohl jeder Nationalspieler strebt. Sie sind die umjubelten Lieblinge ihrer euphorisierten Landsleute.

Mit einem Lächeln im Gesicht sagt Voca: «Es ist extrem, wie unsere Fans mitfiebern. Sie haben sich schon Schlägereien um Tickets geliefert. Und sie sorgen im Stadion für eine Stimmung, die bombastischer nicht sein könnte.» Vor Ort dabei ist oft auch Naser Voca, der Papa. «Für mich ist es auch ein Herzensentscheid, für den Kosovo aufzulaufen», sagt der Junior, der nie für eine Schweizer Nachwuchsauswahl aufgeboten worden ist. Viermal kam er bislang für den Kosovo zum Zug.

Die Erfolgswelle, auf der die Kosovaren surfen, bewirkt auch in der Mannschaft eine gute Stimmung. Vedat Muriqi und Atdhe Nuhiu sind zwar Konkurrenten um einen Platz im Sturm, aber «sie sind beste Kollegen und dauernd am Herumblödeln», wie Voca erzählt. «Wir haben alle ein wirklich gutes Verhältnis untereinander.» Die Stars im Team sind neben Nuhiu (Sheffield) der Regisseur Valon Berisha (Lazio Rom) und Goalie Samir Ujkani (Caykur Rizespor).

Wie Challandes Kosovo aufblühen liess

Mit der fachmännischen Unterstützung des 67-jährigen Bernard Challandes sind sie daran, sich zu den ersten Helden im kosovarischen Fussball zu machen. Nachdem die allererste Qualifikationsphase zu einem grossen Turnier (WM 2018 in Russland) mit nur einem Punkt aus zehn Spielen, 24 Gegentoren und dem letzten Platz in der Gruppe 1 geendet hatte, setzte Challandes den Hebel am richtigen Ort an. «Offensiv sind wir sehr gut, haben Spieler, die einen Match alleine entscheiden können. Aber defensiv hatten wir Mühe. Das hat Herr Challandes gerichtet», sagt Voca mit spürbarer Hochachtung.

Idriz Voca (Nummer 14) im Dress der kosovarischen Nationalmannschaft:

 
 
 
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Ein von @ idriz_voca geteilter Beitrag amSep 4, 2017 um 11:55 PDT


 

Vor gut zwei Monaten haben die Kosovaren mit einem 2:0 im Heimspiel gegen die Färöer Inseln den ersten Sieg in einem Pflichtspiel gefeiert. Erst zwei Tore haben sie in der Nations League kassiert, die einzigen in den sieben Spielen 2018. Voca: «Das ist das Verdienst des Trainers. Er bereitet uns immer sehr gut auf den Gegner und die Aufgabe vor. Er schaut auf die Details, vor allem in defensiver Hinsicht. Alle Mannschaftsteile arbeiten im Spiel nun gemeinsam nach hinten.»

Und das war freilich keine simple Herausforderung. Wegen der Sprachbarriere. Englisch ist die Teamsprache. Doch damit tut sich Challandes nicht so einfach. «Er hätte zwar Dolmetscher zur Verfügung, aber er macht die Dinge lieber selber», erzählt Voca lächelnd. So kommt es, dass der emotionale Challandes nicht bloss mit Sprache und Händen versucht, aufzuzeigen, was er auf dem Platz sehen will, vielmehr «macht er auch Geräusche». So verstehen ihn offensichtlich alle problemlos.

Voca: «Abschauen und profitieren»

Schliessen die Kosovaren ihre Gruppe auf Platz 1 ab, haben sie ein erstes Zwischenziel erreicht. Über die Halbfinals und den Final haben sie nach der regulären EM-Qualifikation im März 2020 die Chance, als Sieger der Liga D ein EM-Ticket zu lösen. Voca macht sich nichts vor: «Die Nations League ist unsere Chance, an die EM fahren zu können.» In der EM-Qualifikation werden die Konkurrenten fraglos stärker sein.

Die Chancen darauf, dass er beim Schlussspurt noch eine wichtige Rolle für Kosovo einnehmen kann, sind eher gering. Erst einmal, beim 1:1 auf den Färöer Inseln, hat Voca von allem Anfang an spielen können. Und dies wohl auch nur, weil sein Kumpel Kryeziu gelbgesperrt war. Challandes setzt im defensiven Mittelfeld auf die erfahrenen Kryeziu und Herolind Shala. Er sei mit seinen 21 Jahren für eine A-Nationalmannschaft ja noch relativ jung, zeigt Voca Verständnis für seinen Stellenwert und bemerkt: «Ich kann jetzt von guten Leuten abschauen und profitieren.»

Am 21. November, vier Tage vor dem nächsten Meisterschaftsspiel mit dem FC Luzern gegen den FC Basel, wird Voca wieder in der Innerschweiz sein. Mit einem Hochgefühl, wie er erwartet. Alles andere wäre eine Enttäuschung.

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