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Bericht zeigt: Theaterneubau am jetzigen Ort ist möglich
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Das Ensemble des Luzerner Theaters auf dem Theaterplatz. (Bild: zvg)

Testplanung für Luzerner Theaterneubau Bericht zeigt: Theaterneubau am jetzigen Ort ist möglich

4 min Lesezeit 11.09.2018, 09:05 Uhr

Es kommt wieder Bewegung in die Luzerner Theaterzukunft: Die Stadt hat Ende 2017 eine Testplanung gestartet, um herauszufinden, ob ein Neubau am jetzigen Standort möglich wäre. Die Fachleute sagen Ja, aber ein Standortentscheid ist das noch nicht.

Die Stadt hat Ende 2017 eine Testplanung gestartet, um herauszufinden, wie ein Neubau am jetzigen Theater-Standort aussehen könnte. Drei Teams aus Architekten haben Ideen ausgearbeitet. Parallel wurde ein geologisches Gutachten über den Untergrund erstellt.

Nun liegt der Bericht vor – das Fazit: «Aus städtebaulicher Sicht kann auf dem heutigen Theaterplatz ein Neubau oder ein Umbau des bestehenden Theaters mit einem Ergänzungsbau realisiert werden», teilt die Stadt am Dienstag mit. Der Stadtrat hat allerdings zum Ergebnis noch nicht Stellung bezogen, zuerst müsse eine breite Diskussion dazu lanciert werden.

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Sicherheit für weitere Planung

Mit der Testplanung hat man aber Gewissheit, dass ein neues Theater an diesem städtebaulich sensiblen Uferbereich überhaupt machbar ist und dass es sich mit der historischen Umgebung verträgt – insbesondere mit der angrenzenden Jesuitenkirche (zentralplus berichtete).

Stadtpräsident Beat Züsli sagt zum Ergebnis: «Mit dem Schlussbericht zur Testplanung verfügen wir über eine umfassende, fachlich gut abgestützte Grundlage für einen Standort-Vorentscheid. Dieser schafft Sicherheit und Klarheit für die weitere Planung.»

Der Bericht zeigt aber auch, «dass der städtebauliche Spielraum gering ist und die Realisation des vollen Raumprogramms den Standort in städtebaulicher Hinsicht stark beansprucht». Trotzdem sei sowohl ein Neubau als auch ein Umbau mit Ergänzungsbau des jetzigen Theaters möglich. Allerdings gewährleiste nur ein Neubau einen «optimal funktionierenden Betrieb, welcher genügend Spielraum für künstlerische Entwicklung zulässt».

Die Bahnhofstrasse heute: wenig einladend.

Bahnhofstrasse und Luzerner Theater heute. Wie würde sich ein Neubau auf das Gebiet auswirken?

(Bild: zvg/Stefano Schröter)

Die Zeit drängt

Ein Umbau mit Ergänzung erhalte hingegen die heutige Identität des Standortes mit dem bestehenden Gebäude teilweise. «Das heutige Theater ist stark im Kollektivgedächtnis der Luzerner Bevölkerung verankert, diesem Aspekt wird mit einem Umbau Rechnung getragen», so die Stadt.

Die Zeit drängt, und die Planung eines neuen Theaters dauert bekanntlich sehr lange. Das alte Theatergebäude ist an seinem Lebensende angelangt und genügt heutigen Ansprüchen nicht mehr. Seit dem Absturz der Salle Modulable, in der auch das Luzerner Theater untergekommen wäre, bekannten sich sowohl Behörden wie auch die geeinte Theaterszene immer wieder zu einem neuen Theater.

Noch kein Standortentscheid

Trotz Testplanung: Die Frage, ob Abriss und Neubau oder doch eine Erweiterung des bestehenden Gebäudes sinnvoller wäre, ist noch nicht abschliessend beantwortet. Alles spricht zwar dafür, dass das neue Luzerner Theater – in welcher Form auch immer – am heutigen Standort stehen wird. Aber: «Ein definitiver Standortentscheid ist das noch nicht», hält der Stadtrat fest. Dieser werde erst auf Basis eines konkreten Projekts fallen, für welches Anpassungen der Bau- und Zonenordnung (BZO) und ein neuer Baurechtsvertrag zwischen Theaterträgerschaft und Stadt notwendig sind.

Auch das Luzerner Theater war in die Testplanung involviert und freut sich über die Ergebnisse: «Sie zeigen, dass es sinnvoll und möglich ist, auf den Theaterplatz im Herzen Luzerns ein vernünftiges und innovatives Theatergebäude zu bauen.» Ob Neubau oder Umbau mit Erweiterung, stehe nicht im Vordergrund, sagt Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck Sieber.

Es gehe um effiziente Produktionsabläufe und niedrige Produktionskosten. «Unserem Publikum wollen wir attraktive Räume bieten und unseren Mitarbeitenden wie unserem Orchester angemessene Arbeitsstätten», so Aufterbeck Sieber. «Vor allem sollen alle drei Kulturpartner, Lucerne Festival, Luzerner Theater und Luzerner Sinfonieorchester, wichtige neue künstlerische Perspektiven erhalten.»

Möglichst flexibles Theater

Das künftige Theatergebäude soll möglichst flexibel nutzbar sein und viel Gestaltungsspielraum offen lassen, heisst es bei der Stadt Luzern. «Das Theater soll immer auch als gesellschaftlicher Ort verstanden werden. Das Gebäude soll in diesem Sinne entwickelt und genutzt werden.»

So oder so: Mit der Erneuerung der Theaterinfrastruktur am Standort Theaterplatz verändere sich das städtebauliche Gefüge. «Öffentlicher Raum kann durch eine platzartige Aufweitung des Strassenraums und ein durchlässiges Erdgeschoss geschaffen werden.» Für die Umgestaltung dieses wichtigen öffentlichen Raums im Umfeld des Theaters sei eine breite öffentliche Diskussion notwendig.

Nun fängt die Diskussion von Neuem an

Die Kosten für die Testplanung beliefen sich auf rund 300’000 Franken, die Stadt hat diese Sonderleistung bezahlt, aber in Absprache mit dem Kanton Luzern vorgenommen, mit dem man im Zweckverband den Theaterneubau plant. Das Projekt ist zudem auf die Neugestaltung der Bahnhofstrasse abgestimmt, die in den nächsten Jahren startet (zentralplus berichtete).

Die Testplanung wurde durch ein Begleitgremium geführt, in dem externe Architekten und Landschaftsarchitekten sowie Fachleute der Stadt und des Kantons vertreten waren. Das Begleitgremium unter dem Vorsitz des Architekten Marc Angélil hat dafür drei Architektenteams eingeladen: Bosshard & Luchsinger Architekten (Luzern), ARGE Büro Konstrukt mit TGS Architekten (Luzern) und HHF Architekten (Basel).

Das alte Stadttheater ist im kantonalen Inventar zwar als «erhaltenswert» eingestuft, hat aber durch die massiven Eingriffe in die Originalsubstanz die schwächste Schutzstufe – ein Abbruch ist also möglich. Das lässt weiterhin verschiedene Optionen offen.

Nun kommt, gestützt auf die Ergebnisse, ein Planungsbericht ins Parlament – dann geht die Debatte über die Theaterzukunft erst wieder richtig los.

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