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Bergbahnen ringen um Wintersportler
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Das Skifahren in der Zentralschweiz ist vergleichsweise günstig. Im Durchschnitt kostet eine Tageskarte für Erwachsene 48 Franken. (Bild: Screenshot www.tellpass.ch)

Preisentwicklung Zentralschweizer Skigebiete Bergbahnen ringen um Wintersportler

6 min Lesezeit 31.12.2013, 06:01 Uhr

Die Betreiber der Zentralschweizer Bergbahnen freuen sich dieser Tage über die sehr gute Auslastung ihrer Anlagen. Bei manchen ist die Freude dennoch getrübt. Denn nicht alle Bergbahn nehmen mit dem Verkauf von Skipässen genug ein. Trotzdem wird zum Teil massiv in die Infrastruktur investiert.

Viel Sonne und Schnee. Das wünschen sich die Wintersportler während den Festtagen. Das Gleiche gilt auch für die Betreiber der Bergbahnen. An jenen Tagen Ende Dezember entscheidet sich für sie, wie der Saisonabschluss des Winters ausfallen wird.

«Bei den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr handelt es sich um die wichtigste Saisonperiode», sagt Thomas Keiser, Leiter Marketing bei den Sportbahnen Melchsee-Frutt. Und Martin Langenegger, Betriebsleiter der Stoosbahnen, meint, es seien vor allem die arbeitsfreien Feiertage nach Weihnachten, die viele Kunden auf die Piste lockten. «Das Volumen an potentiellen Wintersportgästen ist an diesen Tagen im gesamten Saisonverlauf am grössten. Es kann ein sehr wichtiger Teil des Umsatzes mit sehr hohen Tageserträgen generiert werden», schildert er die wirtschaftliche Bedeutung des späten Dezember-Geschäfts.

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Das Wetter und die Schneeverhältnisse seien dabei ein sehr entscheidender Faktor, sagt Langenegger. In den letzten Tagen schneite es auf dem Stoos, die Schneehöhe beträgt deshalb gut einen halben Meter.

Über die Festtage ist der Grossteil der Wintersportler in der Saison zum ersten Mal auf der Piste. «Dies führt in der Regel zu sehr guten Auslastungen und zu einer tollen Stimmung am Berg», sagt etwa Ueli Hug von den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Die Preise würden bei ihnen über die Festtage jedoch nicht speziell angepasst, so Hug.

Erleichterung dank den Schneefällen

Bei den Betreibern der Zentralschweizer Bergbahnen war die Freude über die Schneefälle der letzten Tage gross. Die Erleichterung ist Karl Lustenberger, Geschäftsführer der Bergbahnen Sörenberg, anzuhören. «Die Verhältnisse waren bei uns nie schlecht. Jetzt sind sie aber gut bis sehr gut. Die Situation hat sich entspannt, absolut.» Mit Hochdruck arbeiteten die Verantwortlichen in der Zentralschweiz an den Skipisten. Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Liftanlagen nun geöffnet.

«Die Situation hat sich entspannt.»

Karl Lustenberger, Geschäftsführer Bergbahnen Sörenberg

Welchen Preis ein Wintersportler für die Benutzung dieser Anlagen bezahlen muss, hängt nicht nur von der angebotenen Anzahl Skilifte und Sesselbahnen sowie den Pistenkilometern ab. In die Preisbestimmung hinein fliessen auch der Komfort der Anlagen, die Schwierigkeitsgrade sowie die Qualität der Pisten, die aktuelle Wirtschaftslage und die Preise von konkurrenzierenden Skigebieten.

Zentralschweiz zieht Wintersportler an

Der Regionalverband Transportunternehmungen Zentralschweiz (TUZ) – 22 der 27 Mitglieder sind Bergbahnbetriebe – registrierte in der letzten Wintersaison 2012/13 rund zwei Millionen Skier-days. Das waren gut 160'000 mehr als in der vorhergehenden Wintersaison und entsprach der stärksten Zunahme in der gesamten Schweiz. Mit dem Schneepass bietet der TUZ ein Abo für 13 Zentralschweizer Skigebiete zusammen an.

Der Preis für den Schneepass wurde auf die Wintersaison 2012/13 mit der Einführung des direkten Zutritts ins Skigebiet um zehn Prozent auf 1'100 Franken erhöht. Der Umsatz mit dem angesprochenen Angebot ging in den letzten beiden Saisons aber zurück. Dieses Jahr soll er gemäss ersten Prognosen wieder leicht höher ausfallen. Der Ertrag der Zentralschweizer Skigebiete belief sich in der letzten Wintersaison auf 46 Millionen Franken.

Die Zahlen basieren auf einem Monitoring des Verbandes Seilbahnen Schweiz (SBS). Diese Zahlen sind nicht vollständig, da gewisse Skigebiete keine Zahlen bieten. Zudem basieren die Daten auf der monatlichen stichprobeartigen Saisonentwicklungs-Erhebung des SBS. Sie bieten gemäss Yves Schmoker, Geschäftsführer der TUZ, aber einen «guten Querschnitt». 

Auch die Nachfrage der Tageskarten und die Gästezahl aus der selben Zeit vom Vorjahr spielen eine Rolle, ergänzt Roger Joss, Leiter Verkauf und Marketing der Rigi Bahnen. Bei ihnen koste eine Tageskarte aktuell 47 Franken. Das Skigebiet umfasst sieben Anlagen und befindet sich mit den Preisen im Zentralschweizer Mittelfeld.

Entscheidend ist die Zahl der Anlagen und Pistenkilometer

Die Preisunterschiede bei einer Tageskarte für Erwachsene sind je nach Zentralschweizer Skigebiet gross. Brunni-Haggenegg Alpthal ist mit 28 Franken am günstigsten. Das Gebiet umfasst lediglich die Skilifte Brunniweid und Nätschberg.

Unter Einbezug der Holzegg umfasst das gesamte Skigebiet sechs Anlagen. Die Verbundskarte kostet 38 Franken. Mit 62 Franken bezahlen Wintersportler auf dem Titlis die höchsten Preise der Zentralschweiz. Angeboten werden dort allerdings 17 Anlagen und deutlich mehr Pistenkilometer.

Diese beiden Angaben sind von zentraler Bedeutung, wenn es um das Anlocken von Wintersportler geht. Dass für Skifahrer und Snowboarder vor allem die Grösse des Skigebiets zählt, zeigte zuletzt eine Umfrage des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs unter 5000 Wintersportlern in 55 Skigebieten der gesamten Alpenregion.

Im Frühjahr deckte dann der deutsche Skiexperte Christoph Schrahe auf, dass auch die Schweizer Skigebiet-Betreiber bei der Angabe der Pistenlänge aufgrund ihrer Bedeutung «masslos» übertreiben würden.

Harter Preiskampf am Limit

Bei der Hälfte der von zentral+ kontaktierten Skigebiete reichen die Billeteinnahmen einer Wintersaison nicht aus, um die Betriebskosten zu decken. Ueli Hug, Leiter Marketing und Verkauf bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg sagt beispielsweise: «Wir erarbeiten den grössten Teil unserer Einnahmen mit der Beförderung von Gästen. Wir haben aber auch Erträge aus der Gastronomie, aus Werbung und aus dem Verkauf von verschiedenen Dienstleistungen.»

Ähnlich sieht es bei den Rigi Bahnen, bei den Sportbahnen Melchsee-Frutt und bei den Stoosbahnen aus. Dessen Betriebsleiter Martin Langenegger meint entsprechend: «Zusätzliche Einnahmen sind für uns äusserst wichtig. Ohne diese könnten wir den Aufwand nicht decken.»

«Zusätzliche Einnahmen sind für uns äusserst wichtig.»

Martin Langenegger, Betriebsleiter Stoosbahnen

Anders sieht es dagegen bei der Ferien- und Sportzentrum Hoch-Ybrig AG (Bergbahnen) und beim Tarifverbund Mythenregion aus. Dort können alle Aufwände über die Billeteinnahmen finanziert werden. Dies ist auch bei den Bergbahnen Sörenberg der Fall. Gut gelaunt weist Geschäftsführer Karl Lustenberger aber darauf hin: «Es muss reichen. Wir müssen jede Saison für ein positives Ergebnis kämpfen.»

Leichte Zunahme bei den Wintersportlern

Die Gesamtsituation im Schweizer Skitourismus präsentiert sich derweil unbeständig. Der Verband Seilbahnen Schweiz verzeichnete in der letzten Wintersaison 25,4 Millionen «Skier-days». Das ist die Anzahl Tage, die Personen zum Ski- oder Snowboardfahren in einem Schweizer Skigebiet insgesamt verbringen (unabhängig vom Tarif). Dies entspricht zwar einer Zunahme im Vergleich zur Vorsaison, wobei der Aufschwung aber zu schwach war, um die vorhergehenden drei Saisons mit jeweils sinkenden Frequentierungszahlen aufzuholen (Siehe Grafik).

(Quelle: Saisonbilanz der Schweizer Skigebiete - Winter 2012/13, Seilbahnen Schweiz)

(Quelle: Saisonbilanz der Schweizer Skigebiete – Winter 2012/13, Seilbahnen Schweiz)

Jahr für Jahr investieren Seilbahnunternehmen in Bahnen, Beschneiungsanlagen und Gasthäuser. Auf diese Saison hin realisierten die Brunni-Bahnen Engelberg ein neues Familienrestaurant. Am Titlis und in Sörenberg wurden neue Angebote für Freestyler geschaffen und im Gebiet Meiringen-Hasliberg eröffneten die Bergbahnen eine neue 6er-Sesselbahn.

«Trotz zum Teil massiven Investitionen und Komfortverbesserungen hat sich preislich in den letzten Jahren nicht allzu viel bewegt», sagt Yves Schmoker vom Regionalverband Transportunternehmungen Zentralschweiz (TUZ). Der Durchschnittspreis für eine Erwachsenen-Tageskarte liegt diese Saison in der Zentralschweiz bei 48 Franken – gleich wie in den vorhergehenden Wintersaisons. Damit liege die Zentralschweiz neun Franken unter dem Schweizer Durchschnittspreis, so Schmoker (Siehe nächste Grafik).

Die Bergbahnen Sörenberg haben den Preis für eine Erwachsenen-Tageskarte vor drei Jahren um einen Franken erhöht. Die Brunni-Bahnen Engelberg lassen ihren Tarif seit Längerem gleich. Es gäbe zwar Tage, an denen man mit dem Preis auch unter der Saison spielen könnte. «Das gibt aber nur Ärger», weiss Geschäftsführer Thomas Küng.

(Quelle: Saisonbilanz der Schweizer Skigebiete - Winter 2012/13, Seilbahnen Schweiz)

(Quelle: Saisonbilanz der Schweizer Skigebiete – Winter 2012/13, Seilbahnen Schweiz)

Preise an der Schmerzgrenze

Trotz grossen Investitionen in die neue Gondelbahn seien die Preise seit der Saison 2011/12 gleich, sagt Thomas Keiser von den Sportbahnen Melchsee-Frutt. «Auf dem Stoos stiegen die Tageskartenpreise für Erwachsene in den letzten zehn Jahren um circa sieben Franken», sagt Betriebsleiter Martin Langenegger. «Der Stoos konnte das Wintersportangebot in dieser Zeit stark ausbauen. Die Preise wurden den neuen Pisten und Anlagen angepasst.» Auf der Rigi blieben die Preise in den letzten Jahren stabil, in der Mythenregion wurden sie den höheren Betriebskosten und Abgaben moderat angepasst.

Die Brunni-Bahnen Engelberg haben ihre Preise für eine Erwachsenen-Tageskarte in der Saison 2012/13 sogar um einen Franken reduziert. Sonst seien die Preise über die letzten Jahre sehr stabil geblieben. Zum Geschäft zwischen Weihnachten und Neujahr sagt Geschäftsleiter Thomas Küng: «Es unterscheidet sich bei uns massiv von der übrigen Saison und hat einen erheblichen Einfluss auf den Jahresabschluss.» Es seien die Tage mit dem höchsten Umsatz. Mit Verlusten müsse man aufgrund schlechter Wetterbedingungen aber immer rechnen.

Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind für die Betreiber der Bergbahnen also von grosser Bedeutung. Aufgrund der sehr guten Auslastung der Seil- und Sesselbahnen, Gondeln und der Skilifte könnten sie theoretisch von einer befristeten Erhöhung bei den Tageskarten-Preisen profitieren. Die Betreiber halten jedoch an ihren gewöhnlichen Tarifen fest. Vermutlich bewegen sie sich bereits jetzt an der oberen Preisgrenze, besonders bei Familien.

Mit kurzfristigen Preisanpassungen würden sie die Kunden verärgern. Yves Schmoker sagt dazu: «Die Preisausgestaltung der Tageskarten ist eine heikle Angelegenheit. Grosse Preissprünge werden von der Kundschaft in der Regel nicht allzu begeistert aufgenommen. So werden die Preise, wenn überhaupt, nur in kleinen Etappen angepasst.»

Das aktuelle Wintersportwetter finden Sie hier.

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