Beliebte Ferien im Wohnmobil – nun soll halbwildes Campen erleichtert werden
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Einfacher campen: Das will der Luzerner Kantonsrat Daniel Keller möglich machen. (Bild: Unsplash/Kevin Schmid)

Chance für Luzerner Tourismus? Beliebte Ferien im Wohnmobil – nun soll halbwildes Campen erleichtert werden

4 min Lesezeit 17 Kommentare 02.11.2020, 05:00 Uhr

Mit Camper oder «Büssli» durchs eigene Land reisen lag diesen Sommer im Trend. Ein Kantonsrat sieht darin Chancen für den kriselnden Luzerner Tourismus und fordert einheitliche Regeln, damit Private unkompliziert Stellplätze anbieten können.

Ruhe, Natur, Erholung. Das versprechen Ferien abseits der Touristenströme. Ein Trend, der durch die aktuelle Pandemie und das angeordnete Distanzhalten zusätzlich befeuert wurde.

Denn diesen Sommer mussten viele Schweizer auf ihre Auslandferien verzichten. Weder das Hotel am Mittelmeer noch die Airbnb-Wohnung in Barcelona waren eine Option. Umso grösser war der Ansturm auf die Schweizer Campingplätze (zentralplus berichtete).

Gerade jetzt eine Chance

«Touristen mit Wohnmobilen sind heute für viele Städte und Tourismusregionen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden», sagt auch der Luzerner SVP-Kantonsrat Daniel Keller. Er ortet allerdings ein Manko in der Zentralschweiz: «Im Kanton Luzern gibt es heute kaum Wohnmobilstellplätze, obwohl die Nachfrage danach sehr hoch wäre.»

«Es ist effektiv so, dass die Nachfrage nach Ferien im Wohnmobil oder im ‹Büssli› in letzter Zeit stark zugenommen hat.»

Sibylle Gerardi, Luzern Tourismus

Diesen Trend spürt auch Luzern Tourismus. «Es ist effektiv so, dass die Nachfrage nach Ferien im Wohnmobil oder im ‹Büssli› in letzter Zeit stark zugenommen hat und dies in einem gewissen Gästesegment einem Trend entspricht», sagt Mediensprecherin Sibylle Gerardi. Das sei auch der Coronasituation geschuldet. «Einzelne Destinationen in unserer Region hatten deshalb im vergangenen Sommer auch kurzfristig weitere Stellplätze zur Verfügung gestellt, wo dies möglich war.»

Im Unterschied zu Campingplätzen bieten solche Plätze nur eine minimale Infrastruktur, in erster Linie Wasser- und Stromanschluss. In vielen Städten in Deutschland, Frankreich oder Italien seien solche Stellplätze eine Selbstverständlichkeit, sagt Politiker Daniel Keller. «Dieses Angebot hat sich im Ausland bewährt und lockt Menschen in die Regionen.»

Auch hierzulande könnte das denselben Effekt haben, glaubt der Udligenswiler. «Gerade in der jetzigen Zeit, wo der Luzerner Tourismusstandort arg gebeutelt ist, würde eine solche Initiative vielversprechende Chancen bei der Förderung des lokalen Tourismus darstellen.» Der SVP-Kantonsrat fordert deshalb in einem Postulat, dass der Kanton eine rechtliche Grundlage für solche privaten Camperplätze schafft.

Pendant zu Airbnb auf dem Land

Denn wildes Campieren ist im Kanton Luzern heute grundsätzlich verboten. Ob und wo man sein Wohnmobil abstellen darf, ist darüber hinaus teilweise von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich geregelt, und es hängt zudem davon ab, ob man sich in einer speziellen Schutzzone befindet. Sicher ist: Wer auf einem privaten Grundstück übernachten will, braucht eine Einwilligung des Landeigentümers (zentralplus berichtete).

Parkplatz, Wasser und Strom: Stellplätze bieten oft nur ein Minimum an Infrastruktur.

Keller fordert nun eine einheitliche und unbürokratische Regelung, damit Gemeinden und Private mit einem einfachen Bewilligungsverfahren Stellplätze für Camper zur Verfügung stellen können. Sein Vorschlag: Pro Stellplatz sollen höchstens acht Camper erlaubt sein, die maximal fünf Tage am Stück bleiben dürfen. Möglich sein soll dies nur ausserhalb von Wohngebieten, um Konflikte mit Anwohnern zu vermeiden.

Denn die Wohnmobiltouristen, die einen grossen Teil des Tages draussen verbringen, stossen nicht überall auf offenen Türen. Diesen Sommer sorgten Wildcamper (die auch wegen voller Campingplätze zahlreicher waren) teilweise für Beschwerden aus der Bevölkerung. In Sörenberg beispielsweise haben die Bergbahnen kurzerhand auf einem Parkplatz Stellplätze mit Stromanschluss und Toiletten aufgestellt, um für Ruhe zu sorgen. Daniel Keller ist überzeugt, dass mehr Stellplätze auch das wilde Campieren unterbinden könnten. Und, als willkommener Nebeneffekt, den Bauern eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit bieten.

«Manche Leute schlagen ihre Zelte lieber bei einem Bauern auf als auf einem grossen touristischen Campingplatz.»

Daniel Keller, SVP-Kantonsrat

Dass der Trend in diese Richtung geht, belegen entsprechende Onlineinitiativen. So versucht beispielsweise das neue Zentralschweizer Startup Nomady im Stile von Airbnb Landbesitzer und Camper zusammenzubringen. Auch das Portal Landcamp will nächstes Jahr eine Plattform aufschalten, auf dem temporäre Stellplätze auf Bauernhöfen vermittelt werden. Die Landbesitzer müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen allerdings in beiden Fällen selber abklären.

Daniel Keller will das im Kanton Luzern erleichtern. Dass diese Angebote die Campingplätze der Region konkurrenzieren, bezweifelt Daniel Keller, der selber seit 15 Jahren einen Standplatz auf einem Zeltplatz hat. «Manche Leute schlagen ihre Zelte lieber bei einem Bauern auf als auf einem grossen touristischen Campingplatz. Das Persönliche und Familiäre wird oft geschätzt.»

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17 Kommentare
  1. WoMo1960, 04.11.2020, 14:55 Uhr

    Seit ein paar Jahren selber Wohnmobilfahrer kann ich die Bemühungen von Daniel Keller nur unterstützen. Auch bei uns in Appenzell Innerrhoden war das ‚wilde’ Campieren ein Thema. Sicher waren da einige Fahrzeuge, welche sich aber nach meinen Feststellungen vorbildlich verhalten haben. Einiges ist im Gange, wie schon erwähnt die vielen neuen Stellplätze von Wohnmobilland Schweiz oder das bestehende Angebot von nomady.ch. Für die Landwirte sehe ich auch eine Chance, dieses Angebot auszuweiten und Buchungen ähnlich wie bei Airbnb anzubieten. Auch in dieser Richtung ist einiges im Gange. Der eigentliche Grund, warum ich zum ersten Mal einen Beitrag in diese Diskussionen einbringe, ist diese Meinung:

    Rudolf, 02.11.2020, 07:08 Uhr Camper sind CO2-Schleudern und auch sonst alles andere als umweltschonend. Den ÖV benützen und ein Hotel buchen, das dient dem Tourismus.

    Es ist natürlich sehr erfreulich und lobenswert, dass Sie, Rudolf, ausschliesslich den ÖV benützen und sich offenbar sehr umweltfreundlich verhalten. Hut ab ganz ehrlich. Was nun folgt, münze ich ausschliesslich auf mich und meine Frau. Bedenken Sie doch bitte, dass ich das Wohnmobil mit Euro 6 Motor ans Ziel fahre und das Fahrzeug bis zur nächsten Destination vor Ort lasse. Danach werden nur noch der ÖV und das Fahrrad benutzt. Auch wir zahlen Tourismusabgaben mit dem Preis auf dem Camping-/oder Stellplatz. Diese sind auch nicht ganz billig. Auf unseren Erkundungen bei Wanderungen und Ausflügen denken Sie Rudolf, vermutlich, dass wir knausern und alles Essen mitführen. Weit gefehlt. Wir suchen wie Sie vermutlich, schöne Lokale, Besenbeizen und andere Gaststätten auf und lassen unser Geld – nicht immer wenig – vor Ort liegen. Auch den Einkauf tätigen wir am Ort, wo wir campen. Auch verhalten wir uns so, dass niemand gestört, Abfall hinterlassen noch Grauwasser illegal hinterlassen wird. Diese Aussage würde sich auf das ‚wilde‘ Campieren auf einem Parkplatz oder sonst wo beziehen. Vielleicht sprechen Sie mal mit einem oder mehreren Campern und erhalten so ein Bild von dieser ‚Spezies‘. Schade in diesen Diskussionen ist die Tatsache, dass oft mit viel Frust in die Tasten gehauen wird. Geniessen wir Ferien auf die Art, wie wir es mögen und lieben.

  2. Claudia, 03.11.2020, 19:30 Uhr

    Ich finde die Idee von Daniel Keller sehr gut, Wohnmobilisten bringen den Tourismusunternehmen (Bergbahnen, Restaurants usw.) auch Umsatz. Der im Mai 2020 gegründete Verein Womomobilland Schweiz (www.womoland.ch) setzt sich für mehr Stellpätze ein (seit Anfang 2020 gibt es immerhin 114 neue Stellplätze in der Schweiz).

  3. Markus Engelhardt, 03.11.2020, 09:48 Uhr

    Super. Endlich geht es in der Schweiz vorwärts mit den Stellplätzen in der Schweiz.

  4. Franz, 03.11.2020, 08:36 Uhr

    Super, dass es auch in der Schweiz betreffend Stellplätzen aufwärts geht,
    nun freuen wir uns auch darauf, einmal ein paar Tage in oder um Luzern zu verbringen, wir waren nie mehr in der Gegend, weil es keine Möglichkeit gab mit dem Wohnmobil zu stehen.
    Vielen Dank, an alle die in irgendeiner Weise am verwirklichen solcher Plätze engagiert sind.

  5. Tobias, 03.11.2020, 06:53 Uhr

    Für uns ist es eine super Idee. Den so kann man schnell und unkompliziert übernachten und tut in der Region die man sich anschauen möchte noch gutes für die Restaurants und Bauern in der Umgebung.

  6. Jack & Barbara, 02.11.2020, 22:55 Uhr

    Eine tolle Idee von Daniel Keller! Wir würden mit dem Wohnmobil viel mehr in der Schweiz umherreisen, wenn die Möglichkeiten zahlreicher wären. Die Schweiz ist einfach wunderbar, von der Landschaft bis zum Kulinarischen. In Corona-Zeiten sind für uns zudem Hotels tabu, weil wir als Risikopersonen Kontakte mit Personen minimieren wollen, bei denen man den Abstand nicht einhalten kann.

  7. Claudia, 02.11.2020, 22:26 Uhr

    Stellplätze auf Bauernhöfen gibt es in anderen Ländern schon lange und sie sind bei Wohnmobilisten sehr beliebt. Es wäre toll, wenn es diese Möglichkeit bei uns in der schönen Schweiz auch vermehrt geben würde. Eine Win-Win-Situation für alle!

    1. Barbara, 03.11.2020, 11:23 Uhr

      Das fänden wir auch ganz toll 🙂

  8. paul, 02.11.2020, 22:20 Uhr

    oh ja genau! stellplatz im inseli! juhee!!! büsli und camper sind im trend. muss aber jeder trend mitgenacht werden?. biken ist auch im trend aber bikepsrk und trsils werden keine erstellt (ach ja genau … in planung im bireggwald … seit 19 jahren)

    1. Simona, 03.11.2020, 00:39 Uhr

      Rechtschreibung ist übrigens auch im Trend😂

  9. Simona, 02.11.2020, 21:44 Uhr

    Tolle Sache! Endlich jemand der sich für uns Wohnmobilisten einsetzt. Der Trend ist klar, daher ist jeder Stellplatz gefragt und es gibt dem Tourismus neue Möglichkeiten. In den nächsten Jahren wird sich in diese Richtung noch viel mehr bewegen. Van-life und Camping sind Trend. Danke Herr Keller!

  10. Domeisen, 02.11.2020, 20:16 Uhr

    Wir würden zum Essen gehen und dort übernachten im Wohnmobil, im Ausland an vielen Orten möglich.

  11. Remo Genzoli, 02.11.2020, 08:16 Uhr

    vermutlich befürchtet herr keller einfach, dass der zeltplatz seines standplatzes jetzt vom camperboom überrollt wird und er in seiner ruhe gestört werden könnte….wahre tourismusförderung und umwelschutz wäre hotel, ferienwohnung oder bnb buchen und wenn möglich öv seuchenkonform benutzen.

  12. Rudolf, 02.11.2020, 07:08 Uhr

    Camper sind CO2-Schleudern und auch sonst alles andere als umweltschonend. Den ÖV benützen und ein Hotel buchen, das dient dem Tourismus.

    1. Rolf, 02.11.2020, 21:10 Uhr

      Haben sie schon mal eine Ferienreise mit einem Camper und Urlaubsreisen in Hotels verglichen? Sie würden staunen!! Ein Wohnmobilist braucht praktisch kein Wasser, macht den Strom selber und stösst viel weniger C02 aus wie jede Flugreise. Bitte zuerst denken, und dann schreiben. Wieviele Feriengeäste reisen mit dem ÖV in ein Hotel?
      Ach ja, Wohnmobilisten geben ziemlich Geld aus im Zielort, nicht einem Hotel, aber Restaurants, Sehenswürdigkeiten, Lebensmittelläden etc. etc.
      Gut gemacht, Herr Daniel Keller

    2. Müller, 02.11.2020, 21:47 Uhr

      Ach ja, Camper sind CO2-Schleudern?
      Dann doch lieber mit dem Flieger in die Ferne verreisen?

    3. Mark Steiner, 02.11.2020, 21:48 Uhr

      Sehr sympathischer Effort von Daniel Keller. Wir reisen als 6-köpfige Familie gerne im Wohnmobil umher und brauchen eben keinen Luxus Campingplatz. Wenn wir günstig auf einem Stellplatz übernachten können, liegt auch ein Restaurantbesuch eher drin. Und tagüber verweilen wir nicht auf einem Camping, sondern geben unser Feriengeld bei einer Bergbahn, einem Museum, einem Hallenbad, einem Seilpark… aus. Sollte jede/n Tourismus-Verantwortliche/n hellhörig machen…

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