Gesellschaft

Jahresrückblick mit Luzerner Krisen-Chefin
«Beim nächsten Hochwasser können wir kaum etwas besser machen»

Armida Raffeiner blickt auf ein intensives Jahr zurück. Besonders positiv ist ihr das Krisenmanagement während des Hochwassers in Erinnerung geblieben.
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Armida Raffeiner blickt auf ein intensives Jahr zurück. Besonders positiv ist ihr das Krisenmanagement während des Hochwassers in Erinnerung geblieben. (Bild: zvg)

Armida Raffeiner blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. Als Chefin des Gemeindeführungsstabs der Stadt Luzern war sie mit der Pandemie und dem Hochwasser gleich an mehreren Fronten stark gefordert. Wobei sie das Grossereignis im Juli eigentlich sogar verpasste.

Wenig überraschend ist Corona auch im Jahresrückblick 2021 das alles dominierende Thema. In der Stadt Luzern erhält die Pandemie in der Rückschau aber immerhin etwas Konkurrenz durch das Hochwasser im Juli. Damals herrschte in der Stadt während mehrerer Tage der Ausnahmezustand (zentralplus berichtete). Die meisten Brücken über die Reuss waren gesperrt und nur wenige Zentimeter fehlten, bis der See den gesamten Schwanenplatz überflutet hätte.

Als Chefin des Gemeindeführungsstabs der Stadt Luzern war Armida Raffeiner (59) sowohl beim Hochwasser als auch während der Pandemie stark involviert. Wir haben mit ihr auf das Jahr 2021 zurückgeschaut – und festgestellt, dass sie das Grossereignis im Juli eigentlich verpasst hat.

zentralplus: Frau Raffeiner, was hat sie 2021 stärker gefordert. Das Hochwasser oder die Pandemie?

Armida Raffeiner: Mich persönlich? Corona.

zentralplus: Wieso?

Raffeiner: Tatsächlich habe ich das Hochwasser sozusagen verpasst. Genau in den zwei Wochen im Juli, in denen die Situation wirklich akut war, war ich in den Ferien im Engadin. Als ich zurückkam, habe ich nur noch einen Schlussrapport gemacht.

zentralplus: Die Stadt geht beinahe unter und die Chefin des Krisenstabs macht Ferien?

Raffeiner: Das war überhaupt kein Problem. Meine Stellvertretungen im Gemeindeführungsstab haben hervorragend funktioniert. In der ersten Woche haben mich Valery Catenzaro und Theo Honermann vertreten, in der zweiten Woche meiner Ferien Roland Koch. Das hat wirklich sehr gut funktioniert.

«In den Ferien habe ich gelernt, dass man es manchmal einfach aushalten muss, nicht einzugreifen.»

Armida Raffeiner, Chefin Gemeindeführungsstab Stadt Luzern

zentralplus: Und wie war es für Sie, aus der Ferne zuschauen zu müssen?

Raffeiner: Ich war froh, dass meine Stellvertretungen so gut funktionierten. Denn nach dem ersten Halbjahr, welches für mich wegen Corona und anderen Projekten in der Direktion sehr intensiv war, brauchte ich die Erholung. In den Ferien habe ich gelernt, dass man es manchmal einfach aushalten muss, nicht einzugreifen. Man kann nicht die ganze Zeit liefern. Irgendwann muss man sich auch ausruhen.

zentralplus: Aber sassen Sie in ihren Ferien nicht ständig wie auf Nadeln?

Raffeiner: Ich habe die Aufregung in der Stadt natürlich mitgekriegt. Punktuell war ich telefonisch auch in Kontakt mit meinen Stellvertretungen und hätte bei Bedarf auf Platz sein können. Doch das war glücklicherweise nicht notwendig.

zentralplus: Warum hat Sie die Pandemie dieses Jahr denn so gefordert?

Raffeiner: Seit Ausbruch der Pandemie haben wir uns im Krisenstab der Stadt Luzern wöchentlich zum Rapport getroffen. Darin sind die üblichen Fachbereiche Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz, Tiefbau, Logistik sowie die Kommunikation der Stadt Luzern vertreten. Sowie zusätzlich in dieser Pandemie die Bereiche Stadtraum und Veranstaltung sowie die Dienstabteilung Kultur und Sport. Meine Aufgabe war es, die verschiedenen Bereiche und Aufgaben zu koordinieren, zu erkennen, wo es Handlungsbedarf gibt und was für Massnahmen angezeigt sind. Gestützt auf diese Analyse habe ich dann die entsprechenden Aufträge erteilt. Zusätzlich zu meinen alltäglichen Aufgaben wurde das über die Zeit zu einer starken Belastung.

zentralplus: Sie sprechen in der Vergangenheit. Sind Sie jetzt nicht mehr im Krisenstab?

Raffeiner: Doch, aber seit dem Sommer sind wir auf Stand-by. Die Pandemie ist natürlich noch nicht vorüber. Aber wir haben Erfahrung gewonnen und viele der Aufgaben des Krisenstabs werden mittlerweile in der Regelstruktur, also im normalen Tagesgeschäft der einzelnen Bereiche erledigt. Ich habe die Entwicklungen der Pandemie jedoch gut im Blick und bei Bedarf rufe ich die zuständigen Fachbereiche sogleich zu einem Rapport zusammen.

«Wenn ich daran zurückdenke, gibt es kaum etwas, was wir bei einem kommenden Hochwasser besser machen können.»

zentralplus: Über das Hochwasser und die Pandemie haben wir gesprochen. Was hat Sie 2021 auch noch beschäftigt?

Raffeiner: Ich freue mich besonders über die Fortschritte im Projekt «Alterswohnen integriert», wo ich Projektleiterin bin. Mit dem Projekt wollen wir die integrierte Altersversorgung in der Stadt Luzern vorantreiben. Das Parlament hat dieses Jahr dem Bericht und Antrag zum Projekt zugestimmt und damit grünes Licht gegeben, dass wir weitermachen können.

zentralplus: Würden Sie das als das Highlight des Jahres bezeichnen?

Raffeiner: Es war ein wichtiger Meilenstein. Doch besonders positiv denke ich schon ans Hochwasser zurück. Wir haben die richtigen Lehren aus dem Hochwasser von 2005 gezogen und super reagiert. Wenn ich daran zurückdenke, gibt es kaum etwas, was wir bei einem kommenden Hochwasser besser machen können.

zentralplus: Als Chefin des Gemeindeführungsstabs sind Sie grundsätzlich in einer Männerdomäne unterwegs. Wurde ihr Geschlecht während dieses intensiven Jahres jemals zum Thema?

Raffeiner: Nein, darauf wurde ich nie angesprochen. Ich stelle fest, dass ich in meiner Funktion und wie ich arbeite, akzeptiert werde. Ich wünsche mir jedoch, dass es selbstverständlicher wird, dass Frauen in solchen Gremien vertreten sind.

Was ist der Gemeindeführungsstab?

Der Gemeindeführungsstab bildet die strategische Ebene bei der Bewältigung von Katastrophen, Notlagen und anderen Grossereignissen. Ziel des Stabs ist der Schutz der Bevölkerung, die Wahrung der Handlungsfreiheit sowie die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse. Als Chefin Bevölkerungsschutz leitet Armida Raffeiner den Gemeindeführungsstab.

Zudem ist sie Stabschefin der Sozial- und Sicherheitsdirektion. In dieser Funktion unterstützt sie die Direktion in den Bereichen Strategie, Planung und Kommunikation.

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5 Kommentare
  1. Karl, 02.01.2022, 10:50 Uhr

    Als Chefin bin ich gerade in einer solchen Situation ganz klar vor Ort und nicht in den Ferien.
    Sonst benötigt es die Chefin gar nicht.

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    1. Alain, 03.01.2022, 09:08 Uhr

      Eine gute Chefin baut eine fähige Organisation auf die auch in dessen Abwesenheit funktioniert, ein schlechter Chef muss solche Versäumnisse mit persönlicher Anwesenheit wettmachen zu versuchen.

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  2. Hampi R., 02.01.2022, 09:42 Uhr

    Vielleicht sollte der Wasserablauf des Sees bei der Reuss in Luzern (Wehr) besser – weitsichtiger – reguliert werden … und nicht erst öffnen, wenn alles unter Wasser steht!

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    1. mvonrotz, 03.01.2022, 12:01 Uhr

      Der Ablauf war schon komplett offen als das Wasser über die Ufer getreten ist. Auch kann die Stadt nicht alleine über die Öffnung entscheiden!

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  3. Hegard, 01.01.2022, 18:44 Uhr

    Frau Raffainer,wenn Sie denken sie können nichts besser machen ,ist das schon ein grosser Fehler.Ich weiss Die Eingesetzten Leute haben in dieser Zeit gut und bis geht nicht mehr gearbeitet.👏
    Wenn ich die Fotos von 1910 und 2005 ansehe,hat sich nicht viel verändert.2021 hatten Sie nur Glück.
    Vorbeugen ist besser als bis zur nächsten Katastroffe zu warten,also könnte mann warscheindlich solche Situationen verhindern,indem man nicht denkt , besser geht nicht mehr,sondern aus Fehler Lehrnt und Vorsorgt um solche Situationen zu mindern.Es wird nicht die Letzte Katastroffe sein.

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