Beim Löwendenkmal versammelt sich die Welt
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Eine Erinnerung an den Kurzaufenthalt in Luzern: Ohne ein Foto gemacht zu haben, steigt niemand in den Car. (Bild: azi)

Tourismus in der Stadt Luzern Beim Löwendenkmal versammelt sich die Welt

4 min Lesezeit 30.07.2015, 05:03 Uhr

Wer sind die Menschen, die tagtäglich zum Löwendenkmal pilgern? Woher kommen sie und was hat sie hergeführt? Zwischen den Massen fallen bestimmte Touristen auf. Neben relaxten Asiaten gibt es jedoch auch einige mit weniger touristischen Absichten.

Es ist ein regnerischer Mittwochnachmittag. Beim Löwendenkmal – einem der Hotspots des Tourismus in der Stadt Luzern – herrscht dennoch Hochbetrieb. Im Viertelstundentakt strömen die Massen zur Sehenswürdigkeit. Es werden Erinnerungsfotos gemacht, Selfies vor dem sterbenden Löwen geknipst und hin und wieder landet auch eine Münze im Teich.

Brav den Tourguides folgend, verschwinden sie wieder, wie sie gekommen sind. Doch zwischen den Menschenscharen fallen einige der Touristen besonders auf. Es sind jene, die gemütlich auf einer der Bänke sitzen und das bunte Treiben auf sich wirken lassen. Wer sind diese Menschen?

Darunter befinden sich Lesley und Hilda Nunn aus dem englischen Suffolk. Gemeinsam verbringen sie eine Woche in Luzern, eine weitere werden sie dann durch den Rest der Schweiz reisen, bevor es wieder nach Hause geht.

Zwei reizende Damen aus England: Lesley und Hilda Nunn (v.l.)

Zwei reizende Damen aus England: Lesley und Hilda Nunn (v.l.)

(Bild: azi)

«Wir bleiben eine ganze Woche in Luzern, weil es hier einfach alles gibt», sagt Lesley Nunn. «Vor allem den schönen See und die Berge», ergänzt ihre Mutter Hilda. Dass es heute regnet stört die beiden wenig. «Das sind wir uns von zuhause gewohnt», lachen sie.

Auf das Löwendenkmal wurden die beiden durch ihren Reiseführer aufmerksam. «Dort war es unter den Top 10 der Sehenswürdigkeiten auf Platz Nummer zwei aufgeführt», erklären die beiden. Die Nummer eins wird keinen Luzerner überraschen: die Kapellbrücke.

Relaxte Asiaten zwischen gehetzten Reisegruppen

Doch nicht nur Europäer fallen zwischen all den gehetzten Touristen aus dem Rahmen. Auch relaxte Asiaten befinden sich darunter. Woher kommen sie und warum trifft man sie ausgerechnet vor dem Löwendenkmal an? «Wir haben uns bereits zuhause im Internet informiert und diesen Löwen gesehen», erklärt Seung Hyeon Kim aus Südkorea, der mit seinem Freund Sewon Jang für zwei Wochen in Europa unterwegs ist.

Die zwei Freunde sind zwei Wochen in Europa unterwegs: Sewon Jang und Seung Heyeon Kim aus Südkorea (v.l.)

Die zwei Freunde sind zwei Wochen in Europa unterwegs: Sewon Jang und Seung Heyeon Kim aus Südkorea (v.l.)

(Bild: azi)

Wofür das Löwendenkmal steht, wissen sie jedoch nicht. Aber es ist «sehr schön und beeindruckend», da sind sich die beiden 22-jährigen Studenten der Yeongnam Universität einig. Insgesamt zwei Tage verbringen sie in Luzern. Morgen geht es auf die Rigi, verraten sie. Zuvor waren die beiden Individualtouristen in Frankreich, später werden sie noch nach Deutschland reisen, bevor es dann wieder nach Hause geht.

Bereits im Car mit Infos versorgt

Auf die Frage, ob den Touristen der Hintergrund zur Sehenswürdigkeit überhaupt erklärt wird, entgegnet eine Reiseführerin, dass sie dies bereits zuvor im Car erledigt hatte. «Wir haben nicht so viel Zeit», erklärt die 38-jährige Chinesin, die bereits seit gut zehn Jahren Touristen durch ganz Europa begleitet. Noch heue Abend geht es für die 22-köpfige Gruppe weiter nach Italien.

Wer sind die Leute, die sie begleitet? Es handle sich um Mitarbeiter einer Mall in Ostchina. «Die Leute kennen sich bereits gut», erklärt die Reiseführerin, die nicht fotografiert werden will. Chang Lee hingegen, ein Mitglied der Reisegruppe, ist da weniger zurückhaltend. Englisch spricht er nicht, doch «very nice», murmelt er wie ein Mantra vor sich her. Auch dem Töchterchen Lin Na scheint es zu gefallen.

Chang Lee und Töchterchen Lin Na aus Shanghai.

Chang Lee und Töchterchen Lin Na aus Shanghai.

(Bild: azi)

Zwei Schweizerinnen für einen Australier

Etwas abseits treffen wir auf Stephanie und Judith – die wir fälschlicherweise für Touristinnen gehalten haben. Doch bei beiden 26-Jährigen kommen aus Zürich und Basel und sind mit ihrem australischen Freund Derek in Luzern unterwegs. «Eigentlich wollten wir wandern gehen», sagt Judith. «Doch da hat das Wetter leider nicht mitgespielt.»

Zwei Reiseführerinnen für einen Australier: Derek Hatch ist insgesamt fünf Monate in Europa und Afrika unterwegs.

Zwei Reiseführerinnen für einen Australier: Derek Hatch ist insgesamt fünf Monate in Europa und Afrika unterwegs.

(Bild: azi)

Der 33-Jährige ist insgesamt fünf Monate lang auf Reisen. «Der Luzerner Löwe ist schon sehr beeindruckend», sagt er. «Doch jene, die ich zuvor in Afrika gesehen habe, gefielen mir besser – die waren lebendig», lacht er.

Schnellmission zwischendurch

Auch nicht vom Löwendenkmal wegzudenken sind die Zeugen Jehovas. Haben sie Erfolg bei ihrer Mission? «Wir geben den Leuten nur Lesestoff für die Reise mit», erklärt die Frau. «Reden kann man kaum mit ihnen, da sie es ziemlich eilig haben.» Das sei auch nicht das Ziel, erklärt sie weiter. 

Immer am Löwendenkmal anzutreffen: die Zeugen Jehovas.

Immer am Löwendenkmal anzutreffen: die Zeugen Jehovas.

(Bild: azi)

Die Touristen sollen sich Gedanken über das Gelesene machen – das dann vielleicht zuhause seine Wirkung entfalten werde.

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