Bei der Luzerner Polizei zeichnet sich  Personalmangel ab
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Polizeikommandant Adi Achermann will die Luzerner Polizei für Quereinsteiger öffnen. (Bild: zvg)

Immer weniger Bewerbungen Bei der Luzerner Polizei zeichnet sich Personalmangel ab

3 min Lesezeit 5 Kommentare 04.10.2021, 05:00 Uhr

Polizistin oder Polizist zu werden, ist kein Traumberuf mehr. Die Zahl der Bewerbungen nimmt ab, die Zahl der Aussteiger zu. Die Luzerner Polizei muss sich etwas einfallen lassen. zentralplus hat nachgefragt.

Vor zwei Jahren gab es bei der Luzerner Polizei rund 30 Polizeianwärter, letztes Jahr waren es noch 24. Dramatisch klingt das nicht. Die Zahlen sind aber Teil einer mehrjährigen Entwicklung. Die Anzahl an Bewerbungen ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen.

Noch ist die Situation nicht gravierend: Der Personalbestand lag 2020 bei 805 Vollzeitstellen, die Fluktuationsrate bei tiefen 2,2 Prozent. «Die Abgänge beschränken sich auf eine Handvoll pro Jahr», sagt Polizeikommandant Adi Achermann auf Anfrage. Die Gründe für die Kündigungen geben aber zu denken. «Es sind vorwiegend Abgänge in die Privatwirtschaft, wo die Anstellungsbedingungen, vor allem der höhere Lohn und die geregelten Arbeitszeiten, als Hauptargument erwähnt werden», sagt Achermann.

Unbewilligte Kundgebungen sind eine grosse Belastung

Die Arbeitslast bei der Luzerner Polizei ist aufgrund verschiedener Faktoren in diesem Jahr ausserordentlich angestiegen. Unter anderem auch wegen zahlreichen bewilligten oder unbewilligten Kundgebungen (zentralplus berichtete). «Insbesondere die nicht bewilligten und kurzfristig angekündigten Kundgebungen verursachen einen bedeutenden Aufwand, weil innert kurzer Zeit ein Aufgebot erstellt werden muss und es zugleich schwierig ist, die Grösse des Dispositivs zu bestimmen. Diese Belastung macht sich in den stark angestiegenen Überstunden und somit beim Personal direkt bemerkbar», sagt Achermann.

«Hauptgrund für die Aufhebung der Altersgrenzen ist, die am besten geeigneten Personen zu gewinnen.»

Polizeikommandant Adi Achermann

Was unternimmt die Korpsleitung, um einen drohenden Personalengpass zu verhindern? Diesbezüglich fällt auf, dass die Regierung diese Woche die Aufnahmekritierien an die Polizeischule gelockert hat. Neu können auch «reife Persönlichkeiten» über 35 Jahre noch Polizist werden (zentralplus berichtete). Die Altersgrenzen für die Bewerbung sind aufgehoben.

Altershürde ist jetzt abgeschafft

Aus Polizeikreisen ist zu vernehmen, dass damit dem Personalmangel entgegengewirkt werden soll. Polizeikommandant Adi Achermann sagt zu den Gründen: «Mit der Herabsetzung der unteren und der Aufhebung der oberen Altersgrenzen nehmen wir Erfahrungen aus anderen Kantonen auf.» Kein Höchstalter kennen beispielsweise die Kantone Bern und Graubünden. Beide Kantone hätten positive Erfahrungen damit gemacht.

Personen über 35 Jahre hätten die Polizeischule «mit sehr guten Leistungen» abgeschlossen und seien mit ihrer Lebenserfahrung ein Gewinn für das Korps. Ein tieferes Alter bei Schulbeginn kennen die Polizeikorps der Kantone Zug, Zürich, Solothurn, Bern und St. Gallen. «Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die Leute heute früher mit ihrer Erstausbildung fertig sind und oft auch mit 18 oder 19 Jahren die Rekrutenschule absolvieren», so Achermann.

«Mit der Massnahme soll verhindert werden, dass sich sehr gut geeignete Bürgerinnen nicht bei der Luzerner Polizei bewerben und ihren angestrebten Beruf nicht ausüben können», sagt der Polizeikommandant. «Hauptgrund für die Aufhebung ist, die am besten geeigneten Personen zu gewinnen.»

Was es braucht? Quereinsteigerinnen und neue Arbeitszeitmodelle!

Gemäss Adi Achermann sind neben klassischen On- und Offline-Werbemassnahmen weitere Anpassungen geplant, damit die Luzerner Polizei ein attraktiver Arbeitgeber bleibt. So soll zum Beispiel Quereinsteigern die Möglichkeit gegeben werden, bei der Luzerner Polizei zu arbeiten. Zudem will Achermann Wiedereinsteigerinnen gewinnen und neue Arbeitszeitmodelle prüfen.

«Polizistinnen und Polizisten vertreten die Staatsgewalt und verkörpern die schweizerischen Rechte und Werte.»

Sicherheitsdirektor Paul Winiker

Generell ist im Kanton Luzern die Polizeidichte im gesamtschweizerischen Vergleich tief. 2020 kamen auf eine Polizistin 617 Einwohner – der schweizerische Durchschnitt liegt bei 454. Den höchsten Anteil Polizisten im Verhältnis zur Bevölkerung hat Basel-Stadt (309 Einwohnerinnen auf einen Polizisten).

Das hat einen Grund. Dort können sich seit 1997 nämlich auch Ausländer mit der Niederlassungsbewilligung C um die Aufnahme in die Polizeischule bewerben (zentralplus berichtete). Obwohl die Erfahrungen überaus positiv sind, will die Luzerner Regierung keine Ausländer im Polizeikorps haben. «Polizistinnen und Polizisten vertreten die Staatsgewalt und verkörpern die schweizerischen Rechte und Werte. Wir setzen dazu die Schweizer Staatsbürgerschaft voraus», sagt Sicherheitsdirektor Paul Winiker dazu. Er bestätigt damit die Haltung, die der Regierungsrat bereits letztes Jahr im Zusammenhang mit einem Vorstoss der Grünen vertrat (zentralplus berichtete). 

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5 Kommentare
  1. Kasimir Pfyffer, 06.10.2021, 08:14 Uhr

    Ein weiteres Problem, das im Artikel nicht angesprochen wird: Die Polizei muss immer politischen Vorgaben folgen, statt konsequent zu sein. Im Winiker-Style heisst das: Wenn 1000 Pandemieverlängerer randalieren, den Verkehr blockieren, den Gewerblern den Umsatz versauen und die Passanten verärgern, werden nicht sie angepackt, sondern lieber die 30 friedlichen Gegendemonstranten weggesprayt. Es gibt keine Gleichbehandlung, keine Objektivität, sondern nur völlig ungleiche Vorgaben. Das fände ich als Polizist wohl auch zum Reihern. Wer will schon für einen solchen rückständigen Arbeitgeber tätig sein?

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  2. Beat Gerber, 04.10.2021, 16:16 Uhr

    Das Problem liegt woanders!
    Das Organigram der Kapo zeigt doch klar, , dass es zu viele Stabsstellen gibt. Adolf Achermann ist ein typischer Verwaltungsbeamter und hat wahrscheinlich noch keinen einzigen Tag in der Privatwirtschaft gearbeitet.
    Beweis ist im Organigram zu finden:: insgesamt 4 Stabsabteilungen – ist der Mann wahnsinnig geworden?
    Es gibt eine Stabsabteilung für Personal! Auch schon gemerkt, dass der Kanton einen eigene Dienststelle Personal dafür hat? Zusammenlegen und das gibt sicher 4 – 5 Polizeistellen.
    Technik und Logistik auflösen und mit anderen Stabstellen im Organigram
    fusionieren. Es gibt im Kanton Luzern ein Gesetz, dass alle Dienststellen keine eigene IT mehr haben darf. Die Dienststelle Informatik ist dafür zuständig! Das gilt wohl für Adolf nicht? Das gibt nochmals sicher 5 – 6 Polizeistellen.
    Stabsoffizier!? Eine absolut unnötige Stelle, wenn es schon eine eigen Stabsabteilungen gibt! Alle Stabsstellen müssen zu einer Abteilung zusammengelegt werden und diese dürfen auch nicht in der Geschäftsleitung sein! Der Stab hat nur das zu tun, was das Kerngeschäft braucht. Bei der Kapo ist das wahrscheinlich genau umgekehrt.
    Was bitte sollen all die Stabsstellen in der Geschäftsleitung? Das ist eine absolute Frechheit! Das Kerngeschäft der Polizei ist die Polizeiarbeit und nicht Personalzeugs oder Logistik. Das ist doch genau das Problem bei der Kapo! Immer mehr Polizeistellen verschwinden für solche unnötigen Stabsstellen. Das beobachte ich schon lange und meine Kontaktleute bei der Kripo bestätigen genau das!
    Wenn man den Laden mal richtig aufräumt, kann man mindestens 20 Polizeistellen wieder im Kerngeschäft einsetzen.
    Es ist höchste zeit, dass Adolf Ackermann entlassen wird. Es geht nicht mehr lange und Adolf fordert noch 50 weitere Stellen.

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  3. Hampi R., 04.10.2021, 12:49 Uhr

    Gesucht werden eben auch Menschen mit hoher Fach- und Sozialkompetenz, welche auch eigene Entscheidungen fällen können … aber wo findet man diese? Die Polizei wird oft als Geldeintreiber missbraucht, wer hat schon für solche Arbeit noch Lust?

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  4. Rashid Dostum, 04.10.2021, 11:01 Uhr

    Es wäre bereits viel getan, wenn es kein «Albtraumberuf» wäre.

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  5. hegard, 04.10.2021, 08:33 Uhr

    Ich habe schon Erfahrungen gemacht,das junge Polizisten haltlose aktionen machen und sich ins peinliche ziehen,weil sie vorher vom erfahrene Dienstälteren auf den Fehler aufmerksam gemacht hat.Gesicht verlieren.??Desshalb habe ich auf ruhig erfahrene Polizisten mehr vertrauen.

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