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Beat Villiger: «Ich bin darauf gefasst, dass das Ganze noch nicht abgeklungen ist»
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Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger. (Bild: woz)

Der Zuger Regierungsrat im Interview Beat Villiger: «Ich bin darauf gefasst, dass das Ganze noch nicht abgeklungen ist»

4 min Lesezeit 2 Kommentare 18.10.2018, 18:48 Uhr

Beat Villiger bleibt Regierungsrat. Am Donnerstag teilte der Zuger Sicherheitsdirektor mit, dass er nicht zurücktreten werde. Ungewohnt offen bestreitet er im Interview, dass die Finanzen den Ausschlag für seinen Verbleib im Amt gegeben hätten, wie dies häufig kolportiert wurde. Und was er von einem Wechsel der Direktion hält.

Am Donnerstag teilte der Zuger Regierungsrat Beat Villiger nach zehn Tagen Bedenkfrist mit, dass er sein Amt antreten werde (zentralplus berichtete). Der Baarer nennt insbesondere die grosse Unterstützung aus der Bevölkerung als Grund, seine vierte Amtszeit antreten zu wollen. Dies, obwohl zum Zeitpunkt, an dem sein Privatleben Schritt für Schritt an die Öffentlichkeit gezerrt wurde, bereits der Grossteil der Stimmberechtigten gewählt hatte. 

zentralplus: Beat Villiger, ist der Support aus der Bevölkerung tatsächlich so gross? Wir wagen zu behaupten, dass Sie deutlich weniger Stimmen erhalten hätten, wäre die Geschichte nicht erst in der Wahlwoche bekannt geworden.

Beat Villiger: Das kann ich nicht sagen. Diese Aussage ist rein hypothetisch. Ich hatte auch Rückmeldungen von Leuten, die mich vor der Sache nicht gewählt hätten und fanden: Jetzt wählen sie mich erst recht. Viele regen sich auf über die Hetzkampagne. Ich gehe davon aus, dass mich die Bevölkerung aufgrund meiner Leistung, nicht aber aufgrund meines Privatlebens wählt.

zentralplus: Zu der Leistung eines Regierungsrates gehört meines Erachtens auch eine klare und offene Krisenkommunikation.

Villiger: Ja finden Sie denn, jeder Politiker muss es öffentlich machen, wenn er beispielsweise seinen Fahrausweis abgeben muss?

zentralplus: Nein. Doch wenn bei einem Sicherheitsdirektor grobe Vorwürfe wie Urkundenfälschung im Raum stehen, erwarten sowohl Bevölkerung als auch die Parteien Klarheit.

Villiger: Die «Republik» wollte auf sehr dekadente Art und Weise Dinge über mich ans Licht bringen. Zum Schutz meiner Privatsphäre habe ich dem Magazin eine superprovisorische Verfügung auferlegt.

zentralplus: Andere Medien haben die Themen, die nicht ans Tageslicht kommen sollten, aufgegriffen und darüber berichtet. Daher könnten Sie die superprovisorische Verfügung ja nun eigentlich aufheben.

Villiger: Die «Republik» hielt sich nicht an die Vorgaben der superprovisorischen Verfügung. Sie zwang mich quasi dazu, letztlich dieses Interview mit dem «Blick» zu machen am Wahlsonntag. Darum habe ich nun auch die superprovisorische Verfügung zurückgezogen.

«Ich kann mir vorstellen, eine andere Direktion zu übernehmen.»

zentralplus: Sie haben sich nun zehn Tage Zeit gelassen für den Entscheid, wieder als Regierungsrat anzutreten. Warum so lange?

Villiger: Ich bin nicht einer, der lange braucht für seine Entscheidungen. Als Sicherheitsdirektor muss ich in einer Krise schnell entscheiden können. Diese Medienkampagne hat mich jedoch sehr verletzt. Ich liess mir Zeit, alles setzen zu lassen und mit diversen Leuten zu reden.

zentralplus: Die Forderung nach einem baldigen Entscheid kam nicht nur von den Medien. Auch Politiker forderten Klarheit (zentralplus berichtete).

Villiger: Ich hab das nun halt anders gemacht. Ich musste mich in dieser Zeit ja auch mit der Partei absprechen, es war Ferienzeit. Während einiger Tage ging es mir wirklich nicht gut, weshalb ich mich bewusst abgeschottet habe.

zentralplus: Wie sieht denn nun Ihr weiteres Vorgehen aus? Können Sie sich vorstellen, eine andere Direktion zu übernehmen?

Villiger: Das gilt es in den kommenden Wochen vom Gesamtgremium zu beurteilen. Die Stärken und Schwächen von bestehenden und neuen Regierungsräten werden in die Verteilung der Direktionen einbezogen. Doch kann ich mir vorstellen, eine andere Direktion zu übernehmen.

zentralplus: Die kantonale CVP unterstützt Ihren Entscheid. Inwiefern ist das für Sie wegweisend?

Villiger: Das war für mich ein sehr wichtiges Kriterium. Auch als Regierungsrat ist man noch immer Teil einer Partei. Dass mir die CVP nicht gerade applaudiert hat, ist verständlich bei den Fehlern, die ich gemacht habe. Doch es ist, wie es ist. Wichtig ist, dass es gelingt, weiterhin miteinander zu arbeiten.

«Aus meiner Sicht wurde das Thema aufgebauscht.»

zentralplus: Haben Sie damit gerechnet, dass Ihnen der Rückhalt der CVP weiterhin gewiss ist?

Villiger: Ich konnte das nicht voraussehen mit der ganzen Publizität, die in den letzten Wochen losgetreten wurde. Aus meiner Sicht wurde das Thema aufgebauscht.

zentralplus: Was hätte es gebraucht, dass Sie das Amt abgegeben hätten?

Villiger: Wenn ich verurteilt worden wäre, wäre ich nicht mehr angetreten. Oder nur in Absprache mit meiner Partei.

zentralplus: Gehen Sie davon aus, dass bei den Medien nun die Luft draussen ist und Sie Ruhe haben werden?

Villiger: Ich bin gefasst darauf, dass das Ganze noch nicht abgeklungen ist und dass Medien versuchen, das Haar in der Suppe zu suchen. Ich hoffe jedoch, dass ich langsam wieder zur Tagesordnung übergehen kann.

zentralplus: Man munkelt, dass finanzielle Gründe eine nicht unwichtige Rolle bei Ihrem Entscheid gespielt hätten. Was sagen Sie dazu?

Villiger: Hätte ich vor Ende Jahr aufgehört, hätte man mir dasselbe vorgeworfen. Dann hätte man gesagt, dass ich einfach 150’000 Franken einkassiert hätte. Nun ist diese Frage erledigt. Wäre ich zurückgetreten, hätte ich eine andere Anstellung gefunden, da bin ich überzeugt. Und diese wäre zwar mit weniger Lohn, aber auch mit weniger Aufwand verbunden gewesen. Darum: Nein, die Finanzen waren nicht der primäre Grund dafür, die Wahl anzunehmen.

zentralplus: Wie ist denn Ihr Gefühl im Moment? Da dürfte Ihnen einiges an Misstrauen entgegenkommen. Glauben Sie, das wird sich in nützlicher Frist normalisieren?

Villiger: Natürlich wird es eine gewisse Zeit brauchen, bis Gras über die Sache wächst. Ich muss die Leute nun durch Taten, durch meine Arbeit überzeugen. Und hoffe, dass sie zwischen Privatem und Beruflichem abstrahieren können.

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2 Kommentare
  1. Eduard Steinlin, 19.10.2018, 15:11 Uhr

    Ich brauche nicht die ganze Geschichte zu widerholen, diese Autogeschichte stinkt zum Himmel und jeder x y Bürger wäre verurteilt worden. Wäre noch interessant ob der zuständige Staatsan-walt auch in der CVP ist.

  2. Räto Leber, 19.10.2018, 09:39 Uhr

    Beat Villiger sagt: “Und hoffe, dass sie zwischen Privatem und Beruflichem abstrahieren können.” Es heisst nicht “abstrahieren zwischen”, sondern man abstrahiert etwas “von” etwas Anderem. Zwischen Privatem und Beruflichem tut man unterscheiden. Meine Sprache ist meine Welt, sagt man. Ein Durcheinander in der Sprache bringt das Durcheinander in die Welt. Oder zumindest ins häusliche Heim und ins Büro des Regierungsrates. Quod erat demonstrandum.