Baudirektor Fabian Peter warnt vor Hochwasser in Luzern
  • Politik
Solche Bilder sollen dank dem Hochwasserprojekt der Vergangenheit angehören: Schwemmholz am Seetalplatz. (Bild: Kanton Luzern)

Dämme an der Reuss sind nicht sicher Baudirektor Fabian Peter warnt vor Hochwasser in Luzern

1 min Lesezeit 4 Kommentare 30.06.2021, 14:28 Uhr

Die Schutzdämme an der Reuss haben ihre Lebensdauer erreicht. Sie sind nicht mehr sicher – und das ist ein ernst zu nehmendes Sicherheitsdefizit, wie eine externe Risikoanalyse bestätigt. Die Luzerner Regierung will zusammen mit dem Bund 195 Millionen Franken in den Hochwasserschutz stecken.

Die Gewitter vom Sommer 2021 werden den Luzernerinnen noch lange in Erinnerung bleiben. Bereits jetzt haben sie Schäden in der Höhe von über 60 Millionen Franken angerichtet – das gab es schon seit über 15 Jahre nicht mehr (zentralplus berichtete). Die starken Niederschläge und die vielen zerstörten Häuser erinnern so manche an das Jahrhunderthochwasser von 2005. Damals stand die Luzerner Innenstadt tagelang unter Wasser. Droht dieses Jahr ein ähnliches Szenario?

Im Kanton Luzern führen lang anhaltende, intensive Niederschläge in Kombination mit gefrorenen oder wassergesättigten Böden oder mit einer intensiven Schneeschmelze zu Hochwasser. Aktuell ist die Situation aber ruhig. Der Pegelstand des Vierwaldstättersees liegt weit unter demjenigen von 2005. Es besteht (noch) keine Hochwassergefahr.

«Die jetzige Situation unterscheidet sich von derjenigen im August 2005 darin, dass es sich damals um lang anhaltende Niederschläge und nicht um aufeinanderfolgende Gewitterfronten handelte», erklärt Urs Zehnder, Projektleiter Naturgefahren beim Kanton Luzern. Der Vierwaldstättersee sowie zahlreiche Flüsse und Bäche können bei lang anhaltendem Starkregen insbesondere in Kombination mit einer intensiven Schneeschmelze aber schnell stark ansteigen.

150 Jahre alte Dämme an der Reuss

Das Problem: Im Kanton Luzern sind noch nicht alle Infrastrukturen vor Hochwasser geschützt, wie der Luzerner Baudirektor Fabian Peter am Dienstag an einer Pressekonferenz einräumte (zentralplus berichtete).

Das wichtigste Projekt, um das Risiko zu vermindern, ist der Hochwasserschutz an der Reuss. «Ich war 2005 selber als Inwiler Gemeindeammann in Gummistiefeln im Einsatz. So etwas vergisst man nicht», sagte Peter. «Es ist wichtig, daraus zu lernen.» Damals starben zwei Feuerwehrmänner im Einsatz und es entstanden Schäden in der Höhe von 345 Millionen Franken.

Die Tagesschau berichtete ausführlich über die Situation in Luzern:

Eine diese Woche veröffentlichte Risikoanalyse des Kantons Luzern zeigt: Eine solche Katastrophe könnte sich wiederholen. «Im Reusstal haben die 150 Jahre alten Dämme ihre Lebensdauer erreicht. Sie sind nicht mehr sicher», warnte Fabian Peter.

Bei grösserem Hochwasser sind Dammbrüche wahrscheinlich. «Der Flugplatz und grosse Teile der dortigen Industrie sowie beispielsweise die Kläranlage würden bei einem solchen oder gar einem grösseren Ereignis unter Wasser stehen», heisst es in dem Bericht. Es ist mit einem Gesamtschaden von bis zu 1200 Millionen Franken zu rechnen.

Einspracheverhandlungen dauern noch bis Herbst

Viele Jahre plant der Kanton Luzern schon die Renaturierung der Reuss. «Es gilt, die 135'000 Menschen in dieser Region zu schützen», so Peter. An der Medienkonferenz informierte er über den aktuellen Stand des Projekts. 56 Einsprachen sind dagegen eingegangen. Seit einem Jahr laufen nun bereits die entsprechenden Verhandlungen. Sie dauern noch bis Herbst.

«Wir suchen mit den Landeigentümern gute Lösungen. Sie sollen Ersatzland angeboten bekommen», sagte Peter. «Solches zu beschaffen braucht Zeit.» Aktuell geht der Luzerner Regierungsrat davon aus, dass er Anfang 2022 die Projektbewilligung erteilen kann. Frühstens 2023 kommt es dann zu einer Volksabstimmung – und dann dauert die Bauzeit noch weitere zwölf Jahre.

1910 und 2005 waren die schlimmsten Hochwasser

Am 21. August 2005, nach tagelangen, intensiven Regenfällen, trat die Kleine Emme am Seetalplatz über die Ufer. Es kam zu starken Überschwemmungen im Gebiet des Seetalplatzes, welche den Verkehr zum Erliegen brachten. Am 22. August trat die Reuss in Luzern über die Ufer. Der Wasserstand war mit 435,23 Meter über Meer der zweithöchste, der je gemessen wurde. Nur 1910 war er noch um zwei Zentimeter höher. 2005 war sogar der Schwanenplatz überschwemmt, auch das Verkehrshaus und die Ufergebiete längs des Sees und entlang der Reuss waren betroffen. Das Hochwasser zerstörte das Längswehr der seit Jahrzehnten baufälligen Reusswehranlage. In der Folge wurde die Anlage für 23 Millionen ausgebaut (2009 bis 2011). Zudem wird die Abflusskapazität der Kleinen Emme derzeit mit baulichen Massnahmen vergrössert.

Die Schäden des Hochwassers 2005 waren beträchtlich. Rund 500 Millionen Franken mussten für Wiederaufbau und Instandsetzung von Strassen, Gebäuden, etc. aufgewendet werden. Zudem sind zwei Feuerwehrleute bei einem Rettungseinsatz im Entlebuch ums Leben gekommen.

In der Bildergalerie erhältst du Einblicke des Hochwassers 2005:

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4 Kommentare
  1. Werner müller, 10.07.2021, 20:07 Uhr

    Sehr geehrte Frau sauerteig
    Ich warte ihnen wieder mal zum Augenarzt zu gehen oder die haben am falschen Ort gearbeitet

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  2. Astrid Sauerteig, 10.07.2021, 01:13 Uhr

    Bild Nr 2 am Schwanenplatz ist nicht von 2005, sondern muss nach 2014 entstanden sein. Die Migros Klubschule neben der CS, über Gübelin hatte bis 2014 noch die alte Fassade. Ich habe damals mit daran gearbeitet.

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  3. Rudolf 1, 30.06.2021, 17:56 Uhr

    «Sie sind nicht mehr sicher – und das ist ein ernst zu nehmendes Sicherheitsdefizit, wie eine externe Risikoanalyse bestätigt.»

    Unsicherheit ist immer ein Sicherheitsdefizit, ein grosses.

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  4. Scheidegger, 30.06.2021, 14:39 Uhr

    Schwimmflügeli kaufen oder der Herr Regierungsrat bewegt sich. Was ist kostenneutraler?

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