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Baudirektion will keine Vorreiterrolle übernehmen
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Der Nordwesten des Kantons Zug ist grundsätzlich für petrothermale Anlagen geeignet. Als günstig beurteilt wird das Gebiet Rotkreuz-Buonas-Cham-Niederwil-Hagendorn. (Bild: Screenshot: Synthesebericht Tiefengeothermie Kanton Zug)

Tiefengeothermie im Kanton Zug Baudirektion will keine Vorreiterrolle übernehmen

4 min Lesezeit 19.06.2014, 11:50 Uhr

Der Kanton Zug will vorerst kein Pilotprojekt im Bereich der Tiefengeothermie. Dazu sei die Technik noch zu wenig ausgereift, heisst es bei der Baudirektion. Dennoch liess der Kanton das Potential für die Stromerzeugung aus dem tiefen Untergrund abklären. Die Studie kommt zum Schluss: Die Tiefengeothermie ist eine Option für die Zukunft.

Lokale erneuerbare Stromquellen sind im Kanton Zug rar. Die Potentiale für Strom aus Wasserkraft und Biomasse eher bescheiden und ohnehin praktisch ausgeschöpft. Und die Windenergie ist kaum nutzbar. Einzig die Photovoltaik verfügt über ein nennenswertes Potential, allerdings naturgemäss mit schwankender Produktionsmenge, schreibt die Baudirektion in ihrer Medienmitteilung. Sie liess deshalb abklären, ob und wie Tiefengeothermie im Kanton Zug genutzt werden könnte. Diese könnte emissionsarme, wertvolle Bandenergie liefern und den Anteil erneuerbarer Energien aus einheimischer Produktion deutlich steigern.

Die Studie kommt zum Schluss: Besonders der Nordwesten des Kantons bietet sich aus geologischer Sicht für ein Tiefengeothermie-Projekt an. Allerdings nur für eine «petrothermale Anlage» (siehe Box). Im Gegensatz lohnt sich eine «hydrothermale Anlage im Kanton Zug nicht.» Es gibt zwar Hinweise auf die dafür notwendigen Hohlräume in der anvisierten Tiefe. Diese führen vermutlich aber zu wenig heisses Wasser. Damit wird sowohl bei petro- als auch bei hydrothermalen Anlagen Strom erzeugt.

Hydro- und petrothermale Anlagen

Tiefengeothermie-Systeme nutzen Wasser, um Wärme aus dem Untergrund an die Erdoberfläche zu transportieren. Hydrothermale Anlagen bedingen natürliche Wasservorkommen in durchlässigen Gesteinsschichten in 4000 Metern Tiefe. Das heisse Wasser wird durch Bohrlöcher an die Erdoberfläche gepumpt und zur Stromerzeugung verwendet.

Bei petrothermalen Anlagen wird Wasser mit hohem Druck in die Tiefe gepresst. Dabei öffnen sich kleine Risse im Gestein (Fracking). In diese wird Wasser gepumpt, welches die Hitze aufnimmt und an die Erdoberfläche wiederum dazu dient, Strom zu produzieren.

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Potential vorhanden

Dies bestätigt Baudirektor Heinz Tännler: «Die intensiven Abklärungen haben gezeigt, dass im Kanton für hydrothermale Anlagen nur sehr geringe Chancen bestehen.» Bei petrothermalen Anlagen hingegen «gebe es gewisse Hinweise», dass dafür im Kanton Zug Potential vorhanden sei.

Weil die Tiefengeothermie derzeit einen schweren Stand hat, dürfte die Standortsuche im Kanton Zug nicht einfach werden. Die Stadt St. Gallen stoppte ihre Pläne für ein Geothermie-Kraftwerk Mitte Mai. Die in der Tiefe gefundene Heisswassermenge war für das geplante Kraftwerk viel zu klein. Dazu waren für die Stadt das Risiko weiterer Erdbeben und das finanzielle Risiko schliesslich zu hoch.

Und im Kanton Luzern bekundet der Investor Mühe, einen Standort für sein Geothermie-Kraftwerk im Raum Sursee zu finden. Zu möglichen Zuger Standorten sagt Heinz Tännler: «Die Gemeinden Risch und Cham haben das grösste Potential.»

«Die Gemeinden Risch und Cham haben das grösste Potential.»

Heinz Tännler, Baudirektor Kanton Zug

Dennoch will der Kanton nicht gleich ein Projekt lancieren. «Die Technik ist zu wenig ausgereift und die Eignung des Kantons Zug zu wenig ausgeprägt», heisst es bei der Baudirektion. Gemäss Heinz Tännler will der Kanton aber die Möglichkeit offenhalten, in Zukunft Tiefengeothermie-Projekte zu realisieren. «Wir werden dazu die technische Entwicklung beobachten», sagt Tännler. Bei der Zuger Kantonsregierung heisst es also: «Augen offen halten.»

Gesetzliche Grundlage fehlt

Damit die für Tiefengeothermie-Projekte nötigen Bohrungen im Kanton Zug überhaupt gemacht werden können, braucht es entsprechende Gesetze. Diese fehlen zum aktuellen Zeitpunkt. «Die gesetzliche Grundlage müssen wir zuerst schaffen», sagt Heinz Tännler und fügt an: «Wir bereiten die Grundlagen für Tiefenbohrungen vor. Sie werden nach den Sommerferien bereit sein.»

Der Bericht behandelt auch das Thema der Förderung von Gasvorkommen im Kanton Zug. Dazu heisst es: «Im ganzen Kantonsgebiet ist die Gewinnung wirtschaftlich nutzbarer fossiler Energierohstoffe nicht auszuschliessen.» Auf dem ganzen Kantonsgebiet befinden sich demnach wirtschaftlich nutzbare Gasvorkommen. Wie diese im nationalen Kontext zu beurteilen sind, lässt der Bericht offen. Es stelle sich aber die Frage, ob eine sehr flächenintensive Förderung durch Fracking im dicht besiedelten Kanton Zug überhaupt möglich wäre.

«Die Technik ist zu wenig ausgereift und die Eignung des Kantons Zug zu wenig ausgeprägt.»

Heinz Tännler

Dafür und für die Realisierung einer petrothermalen Anlage darf im neuen Zuger Gesetz über die Nutzung des Untergrunds die hydraulische Frakturierung aber nicht grundsätzlich verboten werden. Findet dieses Verbot dennoch Eingang ins Gesetz, könnten weder Gasvorkommen gefördert noch das Fracking zur tiefengeothermischen Nutzung eingesetzt werden.

Für ein Verbot des Fracking kämpft zum Beispiel der WWF Zug. Esther Hegglin, Geschäftsführerin des WWF Zug, schränkt dies zwar ein: «Wir setzen uns für ein Verbot des Fracking zur Gewinnung von Erdgas ein, da dieses im Gestein eingelagerte CO2 nicht in die Atmosphäre gelangen darf.» Und sie fügt an: «Die Weiterentwicklung der Technologien der Tiefengeothermie begrüsst der WWF Zug.» Ein solches Verbot würde jedoch wie beschrieben auch die tiefengeothermische Nutzung gefährden.

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