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Barbara Gysel: «Fake-News stören mich extrem»
  • Politik
Die Präsidentin der Zuger SP will in den Ständerat. Damit will sie vor allem ein Zeichen für Vielfalt setzen. (Bild: zvg)

Zuger SP-Präsidentin will ins Stöckli Barbara Gysel: «Fake-News stören mich extrem»

6 min Lesezeit 04.10.2019, 05:07 Uhr

Wenn Wahlkampf herrscht, ist die Zuger SP-Präsidentin Barbara Gysel meist nicht weit. Nun setzt sie zum Sprung in den Ständerat an. Gysel ist durch und durch ein politischer Mensch. Was treibt sie an? Und kann sie auch anders?

Die Zuger SP-Präsidentin Barbara Gysel will in den Ständerat. Bereits vor vier Jahren versuchte sie es, blieb im traditionell bürgerlichen Kanton Zug jedoch chancenlos. Im linken Lager machte sie jedoch am meisten Stimmen. Auch in diesem Jahr wird sie nicht gewählt. «Das können Sie so schreiben», meint Gysel.

«Wir sind ja nicht blauäugig. Aber die Bevölkerung hat eine echte Auswahl und sendet Zeichen – auf dem Weg zu mehr Vielfalt und Ausgewogenheit bei den Hintergründen, Fachwissen und auch dem Geschlecht der Zuger Vertretungen in Bern. Das muss die Politik kurz- und längerfristig ernst nehmen.» Gysel erwähnt auch ihr Studium in Kultur- und Politikwissenschaften.

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Die 42-Jährige tritt nicht nur an, um zu gewinnen. Sie sagt: «Partizipation heisst, nicht immer zu siegen. Demokratie verpflichtet. Auch die Sozialdemokraten wollen bei diesen Wahlen mit einem vielfältigen Team zeigen, dass es nicht an kompetenten Leuten mangelt.» Sie setze damit ein wichtiges Zeichen gegen die Politverdrossenheit in diesem Land.

«Demokratie braucht Vielfalt»

Barbara Gysel ist in den Zuger Wahlkämpfen omnipräsent. 2008 wurde sie erstmals in den Kantonsrat gewählt, 2014 in den Grossen Gemeinderat in Zug. 2015 kandidierte sie für den Ständerat, 2018 für den Regierungsrat und nun wieder für den National- und den Ständerat. Ein roter Faden: Die SP habe die Diversität der Bevölkerung abgebildet. «Demokratie braucht Vielfalt.» Gysel schätzt ihre Chancen stets realistisch ein. Nicht gewählt zu werden, empfindet sie dementsprechend nicht als persönliche Niederlage. 

«In der Politik muss man hinstehen und das mache ich gerne.»

Man fragt sich: Was treibt die Stadtzugerin an? «Ich bin durch und durch ein politisches Wesen», sagt sie. «Politik und Gesellschaft faszinieren mich. Und ich bin in einer unglaublich privilegierten Situation.» Obwohl sie ihren Job liebe, finde sie daneben Zeit für ihr politisches Engagement.

«Ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben», sagt Gysel. «Das ist Teil meiner Identität.» Zu diesen Ausführungen passt, dass sich Gysel anfangs selbst nicht gerne auf Plakaten sah. «Aber in der Politik muss man hinstehen und das mache ich gerne.» Zudem werde bei Wahlen ein erhöhter Austausch ermöglicht. «Wahlen motivieren mich, man versucht konstant, Brücken zwischen Bevölkerung und Politik zu bauen. Heuer konnte ich wegen eines kleinen Unfalls aber wortwörtlich keine grossen Sprünge machen.»

Auch erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang Gysels Engagement für ein faireres Wahlsystem im Kanton Zug. Dieses wurde nach langem juristischem Seilziehen angepasst, was die SP-Präsidentin als erfolgreichen Beitrag zur Umsetzung der Verfassung bezeichnet.

Barbara Gysel (2. v. l.) im Gespräch mit Jugendlichen.

Hobby: Feldhasen zählen

Gysel, die heute den WWF Zug präsidiert, erzählt, wie sie bereits als Jugendliche beim WWF ihre ersten politischen Spuren hinterliess. Später engagierte sie sich darüber hinaus im kulturellen und sozialen Bereich. Und auch heute erhält man den Eindruck, dass viele ihrer Handlungen mit politischen Absichten geschehen.

So nennt Gysel das jährliche Zählen von Feldhasen als eines ihrer Hobbys, ein Projekt der Vogelwarte Sempach. Sowieso ist die Umweltpolitik ihr ein grosses Anliegen. Nach einem Erfolgserlebnis gefragt, antwortet sie: «Kürzlich traf das Bundesgericht auf Grundlage unserer Beschwerde einen wegweisenden Entscheid, um den Schutz der Gewässer zu stärken.» Aber auch persönlich: «Ich lebe seit Jahren vegetarisch», sagt sie.

«Wichtig ist mir, dass die Zuger und die Schweizer Wirtschaft ihre soziale und ökologische Verantwortung lokal wie global wahrnehmen.»

Sie ist eine interessante Gesprächspartnerin. Man könnte mit ihr wohl stundenlang über Politik und die Welt an sich philosophieren. Doch gibt es auch eine lockere Barbara Gysel?

zentralplus will es herausfinden und löchert sie mit nichtpolitischen Fragen. Was halten Sie von Royal-Babys? Lästern Sie mit Freunden über Trash-TV? Sie lacht laut heraus: «Natürlich! Aber Royals, na ja, die höfische Kultur liegt mir fern.»

Aber wir erfahren, dass sie gerne über Actionfilme diskutiert. «Ich liebe auch diese Filme, sogar wenn sie null tieferen Sinn haben.» Daneben sei Kochen eines ihrer grossen Hobbys. Gerne unterhalte sie sich mit Freundinnen und Freunden darüber. «Ich mag die Abwechslung und Indoor wie Outdoor: Ich besuche zum Beispiel gerne Ausstellungen und Theater, ebenso mag ich Wanderungen in den Bergen oder Spaziergänge in Grossstädten.»

Gysel steht für verantwortungsvolle Wirtschaft

Einen Masterplan für ihre politische Karriere kennt Gysel nicht, sie sei ein «Zoon politicon», ein politisches Wesen. «Klar bin ich in der kantonalen Politik am erfahrensten», sagt sie. Daher könne sie sich gut vorstellen, sich noch mehr einzubringen. Aber zugleich habe sie auch spannende berufliche Aufgaben. Gysel arbeitet aktuell in der Geschäftsleitung von Kinderschutz Schweiz.

Wer sich Gysels politisches Profil anschaut, wird nicht überrascht. Sie ist links und grün, steht für eine liberale Gesellschaft und eine offene Aussenpolitik. Bezogen auf den Kanton Zug erklärt sie: «Wichtig ist mir, dass die Zuger und die Schweizer Wirtschaft ihre soziale und ökologische Verantwortung lokal wie global wahrnehmen.» Sie stört sich sowohl an der Lobhudelei und auch am Zug-Bashing, das auf den verschiedenen politischen Seiten betrieben wird.

Spass im Zuger Wahlkampf. Von links: Zari Dzaferi, Barbara Gysel und Rupan Sivaganesan.

Was Gysel sowieso auf die Palme bringt, sind Behauptungen ohne Hand und Fuss. «Fake-News stören mich extrem. Man sollte stets faktenbasiert politisieren.» Dass man etwas nicht wisse, sei menschlich. Aber dann könne man es sich ja erklären lassen, sagt Gysel.

Mehr Frauen nach Bern

Im Zuger Ständeratswahlkampf gibt das Rennen zwischen den bürgerlichen Kandidaten zu reden. Müsste sie wetten, wüsste Gysel, auf wen sie setzen würde. Doch sie findet, es sei nicht an ihr, eine Prognose abzugeben.

Weiter sorgte eine Aktion von Aktivisten für Aufsehen. Diese überklebten die Plakate männlicher Politiker mit dem Aufruf, Frauen zu wählen. «Der Inhalt ist okay, der Stil geht gar nicht», kommentiert Gysel. Im Nachgang der Aktion wurde spekuliert, dass Juso-nahe Kreise, die feministische Anliegen explizit unterstützen, verantwortlich sein könnten. Gysel unterstreicht, dass die SP rein gar nichts mit der Aktion zu tun hatte.  

Dass man die Frage nach einer besseren Repräsentation der Frauen in der Politik aber diskutieren müsse, sei für sie vollkommen klar. «Aber nochmals: Diese Guerilla-Aktion heisse ich nicht gut.»

Barbara Gysel in einem Wahlkampf: Sie wird in diesem Herbst bestimmt nicht zum letzten Mal mittendrin sein. «Ich bin ein geduldiger Mensch», sagt sie noch. Es passt wohl zu ihr als Privatperson wie als Politikerin.

Hinweis: Die Porträts aller Zuger Ständeratskandidaten finden Sie im Dossier.

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