Bald geht am Löwenplatz die Post ab
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Touristen werden per Car direkt an den Schwanenplatz chauffiert. (Bild: mbe)

Neues Carregime am Luzerner Schwanenplatz Bald geht am Löwenplatz die Post ab

6 min Lesezeit 23.02.2015, 18:45 Uhr

Der Löwenplatz wird künftig noch mehr von Touristencars beansprucht. Dafür wird der Schwanenplatz in Spitzenzeiten entlastet. Auf diesen Kompromiss haben sich Stadt, Tourismus und Uhrenfirmen geeinigt. Der Stadt schwebt längerfristig allerdings eine viel umfangreichere Lösung vor.

Das Problem mit den Cars am Schwanenplatz ist komplex. Manifestiert hat sich das  auch an den Unterlagen, die an diesem Montag an einer Pressekonferenz (PK) Medienvertretern abgegeben wurden. Auf über 30 teils dicht beschriebenen A4-Seiten nehmen die diversen Akteure Stellung. Eingeladen zur PK hat die von Luzern Tourismus gegründete Arbeitsgruppe Cartourismus. Ziel ihrer Arbeit: Den teils mit Touri-Bussen überstellten Schwanenplatz entlasten und somit auch für mehr Sicherheit sorgen. Das Resultat ist ein Kompromiss (zentral+ berichtete).

Einschränkungen am Schwanenplatz

Der Stadtrat will von den Empfehlungen der Arbeitsgruppe drei Punkte umsetzen. Dies in Form eines Pilotprojekts für die Dauer von vorerst zwei Jahren.

1. Weniger Cars auf dem Schwanenplatz: Jeweils vom 1. Mai bis 31. Oktober dürfen Reisecars auf dem Schwanenplatz zwischen 17 und 20 Uhr nur noch zum Aussteigenlassen der Passagiere anhalten.

Begründung: Laut Stadtrat genügt es, das Caraufkommen auf dem Schwanenplatz nur dann zu entlasten, wenn dieser überlastet ist. Also in der Sommersaison zwischen 17 und 20 Uhr. Während dieser Zeit ist auch der Feierabend- und Fussgängerverkehr am stärksten. Konkret fahren heute zwischen 17 und 20 Uhr zwischen 25 und 30 Touri-Cars pro Stunde auf den Schwanenplatz. Mit dem neuen Regime dürfen die Cars den Platz nur noch zum Aussteigen, nicht mehr aber zum Einsteigen anfahren. Das reduziert die Anzahl Busse in dieser Zeitspanne auf drei bis zwölf pro Stunde. Mit dieser massiven Abnahme können laut Stadtrat alle Beteiligten gut leben.

2. Mehr Cars auf dem Löwenplatz: Die heutigen neun Carparkplätze am Löwenplatz werden in Caranhalteplätze für den Ein- und Ausstieg umgenutzt.

Begründung: Bislang durften die Touri-Cars auf den neun Parkplätzen des Löwenplatzes mehrere Stunden lang parkieren. Damit ist ab 1. Mai Schluss. Ab dann darf dort nur noch zum Ein- oder Aussteigen angehalten werden. Das erhöht die Frequenzen deutlich und federt das Halte- und Einsteigeverbot auf dem Schwanenplatz ab. Während 17 bis 20 Uhr werden Touristen künftig also vermehrt beim Löwenplatz einsteigen müssen. Diese Massnahme hat auch zur Folge, dass es rund um den Löwenplatz zu Mehrverkehr durch Cars kommen wird. Was die Anpassungen an der dortigen Infrastruktur kosten, ist noch nicht bekannt.

3. Parkwächter sorgen für Sicherheit: Sowohl am Schwanen- als auch am Löwenplatz sorgen Parkwächter dafür, dass die Nutzung der Plätze der Bestimmung gemäss erfolgt und dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist. Diese Parkwächter werden wie bisher durch die Schmuckgeschäfte finanziert. Kostenpunkt: Jährlich etwa eine halbe Million Franken.

Warnung vor negativen Folgen

Die involvierten Parteien zeigten sich an der Medienkonferenz zufrieden mit dem erzielten Kompromiss.

Stadtpräsident und Finanzdirektor Stefan Roth mahnte vor zu heftigen Eingriffen ins aktuelle Regime: «Der Schwanenplatz mit seinen Uhren- und Schmuckgeschäften gehört zu den Wertschöpfungsperlen von Luzern.» Die Uhren- und Souvenierfirmen am Schwanenplatz und Grendel würden 10 bis 15 Prozent des Steueraufkommens aller Unternehmen in der Stadt ausmachen. Roth sagt: «Der Stadtrat bekennt sich mit dieser Lösung klar zum Tourismus in der Stadt Luzern allgemein und zum Schwanenplatz als einem der wichtigsten Uhrenhandelsplätze der Welt. Der Stadtrat ist überzeugt, dass diese Lösung eine spürbare Entlastung der Carfrequenzen zur abendlichen Hauptverkehrszeit mit sich bringt.»

Auch Stadtrat Adrian Borgula, Direktor Umwelt, Verkehr und Sicherheit lobte den vereinbarten Kompromiss. Dieser nehme Rücksicht auf alle Anliegen.

Marcel Perren von Luzern Tourismus rief in Erinnerung, dass das Thema Shoppen bei den Touristen einen hohen Stellenwert habe. Auch wenn Luzern eine Kleinstadt sei, habe sie sich zu einem «internationalen Hot-Spot für den Kauf von Uhren entwickelt». Speziell im asiatischen Raum sei dies ein wichtiger Grund für eine Reise in die Schweiz. Das dürfe man mit zu rigorosen Careinschränkungen am Schwanenplatz nicht gefährden.

Erich Fust hat die Arbeitsgruppe Cartourismus geleitet. Er sagt: «Wir sind überzeugt, mit unseren Empfehlungen einen erfolgreichen Ansatz zur Beruhigung der Situation am Schwanenplatz zu bieten.»

Seitens der Uhrenfirmen nahm Josef Williner, Direktor des Uhrenkonzerns Bucherer, Stellung. «Die Uhren- und Schmuckgeschäfte gehören zu den wichtigen Säulen der lokalen Volkswirtschaft.» Deshalb hätten die Uhrenfirmen am bisherigen Schwanenplatz-Regime auch nicht rütteln wollen. Man anerkenne aber die Probleme, welcher die Cars zu Stosszeiten dort verursachen würden. «Die nun präsentierte Lösung können wir deshalb vollumfänglich unterstützen.»

Zufrieden zeigt sich auch Pierre Rügländer vom Quartierverein Altstadt: «Die vorgeschlagenen Massnahmen halten die Verkehrsbelastung in erträglichen Grenzen.»

Stadtrat hat Sympathien für Musegg-Parkhaus

Die nun beschlossenen Massnahmen sind auf zwei Jahre begrenzt. Der Stadtrat kann sich vorstellen, diese Lösung auch mittelfristig beizubehalten. «Als längerfristige Lösung steht für ihn aber nach wie vor die Prüfung des Parkhauses Musegg im Vordergrund», sagt Adrian Borgula. Bei dessen Inbetriebnahme würden die Car-Anhalteplätze am Schwanenplatz aufgehoben und der Schwanenplatz könnte der Luzerner Bevölkerung als Treffpunkt zurückgegeben werden. Und dies, «ohne dass den Cartouristen unzumutbare Wege oder Transportzeiten zugemutet würden».

Der Stadtrat halte aber klar an seinen Bedingungen für die Realisierung des Parkhauses Musegg fest, wonach dieses die heutigen Probleme mit dem Carverkehr am Schwanenplatz lösen, eine noch zu bestimmende Zahl an Oberflächenparkplätzen aufgeboben werden muss und diese Massnahmen zur Attraktivierung der Innenstadt genutzt werden sollen. Aus diesen Gründen lehnt der Stadtrat auch die Volksmotion gegen das Parkhaus Musegg ab.

Das von Privaten initiierte Projekt soll Platz für 700 Personenwagen und Park- und Umschlageplätze für 36 Reisecars gleichzeitig bieten. Der Stadtrat hat letztes Jahr diesem Vorhaben und nicht dem Metro-Projekt mehr Realisierungschancen zugesprochen. Noch dieses Jahr soll ein Vorprojekt präsentiert werden.

Lesen Sie dazu den Kommentar von zentral+

(Bild: Arbeitsgruppe Cartourismus Luzern)

So sieht es heute aus auf dem Schwanenplatz: In den Spitzenzeiten zwischen 17 und 20 Uhr fahren bis zu 30 Cars pro Stunde den Platz an. Zeitglich herrscht dann jeweils ein grosses Verkehrsaufkommen. Auch Velofahrer und Fussgänger sind viele unterwegs. Das hat in der Vergangenheit gelegentlich zu Staus, Sicherheitsproblemen und Unfällen auf und rund um dem Schwanenplatz geführt (Quelle: Arbeitsgruppe Schwanenplatz).

(Bild: Arbeitsgruppe Cartourismus Luzern)

So sieht die Zukunft aus: In den Spitzenzeiten zwischen 17 und 20 Uhr dürfen die Cars am Schwanenplatz nur noch Touristen ausladen, aber nicht mehr länger parkieren oder einladen. Das verringert das Caraufkommen deutlich (Quelle: Arbeitsgruppe Schwanenplatz Luzern).

 

(Bild: Arbeitsgruppe Cartourismus Luzern)

Einstiegsvariante Löwenplatz: Die Vorteile überwiegen, obwohl Mehrverkehr generiert wird (Quelle: Arbeitsgruppe Schwanenplatz Luzern). Dafür kann so in Spitzenzeiten der Schwanenplatz entlastet werden.

 

(Bild: Arbeitsgruppe Cartourismus Luzern)

Einstiegsvariante Bahnhofquai und Inseli. Beide Optionen sind nicht ideal: Beim Bahnhof fehlt die Infrastruktur, das Inseli ist eher zu weit weg für die Touristen (Quelle: Arbeitsgruppe Schwanenplatz Luzern).

 

(Bild: Arbeitsgruppe Cartourismus Luzern)

Einstiegsvariante Bahnhofplatz: Für die Arbeitsgruppe wäre dieser Standort perfekt. Doch der Stadtrat ist dagegen, da der Standort nicht mit der Intiaitive für eine autofreie Bahnhofstrasse vereinbar sei (Quelle: Arbeitsgruppe Schwanenplatz Luzern).

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