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Bahnhof bleibt bis Sonntag gesperrt – Verletzte aus Spital entlassen
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Ein Gleisschaden sorgt derzeit für komplette Zugausälle bei der SBB zwischen der Strecke Zürich - Zug. (Bild: Symboldbild: Facebook/ Andreas Meyer )

Luzern: Aufräumarbeiten nach Zugunglück im Gang Bahnhof bleibt bis Sonntag gesperrt – Verletzte aus Spital entlassen

6 min Lesezeit 23.03.2017, 10:08 Uhr

Ein Eurocity mit 160 Passagieren ist gestern am Bahnhof Luzern entgleist, sieben Personen wurden verletzt. Der Betrieb läuft voraussichtlich erst am Montag wieder normal. Die Luzerner Verkehrsbetriebe VBL sind auf diese Situation vorbereitet. Und die Verletzten wurden aus der Behandlung entlassen.

Der Bahnhof Luzern bleibt bis Sonntag nicht befahrbar, wie die SBB bestätigen. Die Schäden an den Bahnanlagen seien grösser als bisher angenommen. Voraussichtlich ist der Bahnhof Luzern erst ab Montagmorgen Betriebsbeginn wieder vollständig befahrbar. Nach ersten Einschätzungen ist durch die Entgleisung des Zuges ein Schaden in Millionenhöhe entstanden (weitere Informationen über die Schäden und die Reparaturarbeiten lesen Sie hier). In Luzern ist derweil die SBB-Spitze eingetroffen.

SBB-Chef Andreas Meyer machte sich diesen Donnerstag vor Ort ein Bild der Lage:

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Verletzte nach ambulanter Behandlung entlassen

Die verletzten Personen konnten alle nach ambulanter Behandlung entlassen werden, teilt die Luzerner Polizei diesen Donnerstagmorgen mit. Bei den verletzten Personen handelt es sich um drei italienische, eine mazedonische Staatsangehörige und zwei Schweizer. Die Polizei korrigiert in der Medienmitteilung auch die Zahl der Verletzten von sieben auf sechs. Eine Person sei dazu gezählt worden, welche sich bei einem Sturz in einem anderen öffentlichen Verkehrsmittel verletzte.

Die Unfallursache ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen, welche durch die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) geführt werden.

Bergung des Eurocitys läuft

An der Fahrleitung und an den Gleisanlagen entstand erheblicher Sachschaden, teilen die SBB mit. Unter Hochdruck haben mehrere Fachteams der SBB in der Nacht mit Aufgleisungsarbeiten begonnen, die beschädigten Fahrleitungsmasten entfernt und erste Reparaturen ausgeführt. Sie gehen davon aus, dass der ETR 610 am späteren Vormittag geborgen ist. Erst dann können die Schäden an den Gleisanlagen und Fahrleitungen detailliert analysiert werden.

Mit einem Kran wurde der entgleiste Wagen gehoben.

Mit einem Kran wurde der entgleiste Wagen gehoben.

(Bild: pze)

Dutzende schauen bei den Arbeiten zu.

Dutzende schauen bei den Arbeiten zu.

(Bild: pze)

Sehen Sie im Video, wie der Fahrleitungsmast weggehoben wird:

Chaos auf Luzerns Strassen

Im Morgenverkehr diesen Donnerstag kam es in und um Luzern zu grösseren Wartezeiten. Der Zwischenfall am Bahnhof dürfte mit ein Grund sein. Denn manch ein Berufstätiger entschied sich wohl fürs Auto.

Doch das ist nicht alles. Es kam zu mehreren Unfällen insbesondere auf der Autobahn, wie Polizeisprecher Urs Wigger gegenüber zentralplus bestätigt. Das Verkehrschaos ist demnach auch den Unfällen geschuldet. Wer immer mit dem Auto in die Stadt fährt, weiss, dass es bei jedem Unfall mehr Geduld braucht – zusätzliche Pendler oder Ersatzbusse hin oder her.

Wer diesen Donnerstag morgen mit dem Auto unterwegs war, brauchte ordentlich Geduld.

Wer diesen Donnerstag morgen mit dem Auto unterwegs war, brauchte ordentlich Geduld.

(Bild: Google maps)

Kurz vor Mittag teilte die Luzerner Polizei Details zu den Unfällen mit. Ingesamt kam es zu vier Verkehrsunfällen. Verletzt wurde niemand. Die Unfälle führten zu Rückstau.

  • Luzern: A2, Ausfahrt Zentrum: Um circa 06:45 Uhr kam es in der Ausfahrt Luzern Zentrum zu einer Kollision zwischen zwei Personenwagen. Verletzt wurde niemand. Ein Auto musste durch den Abschleppdienst aufgeladen werden. Der Sachschaden beträgt 15’000 Franken.
  • Inwil: A14, Fahrrichtung Luzern: Um etwa 07:30 Uhr kam es auf der Autobahn A14 in Inwil zu einem Auffahrunfall. Beteiligt waren zwei Personen- und ein Lieferwagen. Verletzt wurde niemand. Sämtliche beteiligten Fahrzeuge mussten durch einen Pannendienst aufgeladen werden. Zudem wurde beim Unfall eine Leitplanke beschädigt. Der Sachschaden beträgt 18’000 Franken.

    Dieser Kleinwagen wurde beim Unfall arg beschädigt.

    Dieser Kleinwagen wurde beim Unfall arg beschädigt.

    (Bild: Luzerner Polizei)

  • Rothenburg: A2, Fahrrichtung Süden: In Rothenburg kam es um etwa 08:10 Uhr zu einem Auffahrunfall zwischen drei Personenwagen. Verletzt wurde niemand. Die beteiligten Fahrzeuge waren noch fahrbar. Der Sachschaden beträgt 5’000 Franken.
  • Ebikon: A14, Fahrrichtung Zug: Kurz vor 08:30 Uhr kam es auf der A14 in Ebikon zu einem Auffahrunfall zwischen drei Autos. Verletzt wurde niemand. Zwei Fahrzeuge waren nicht mehr fahrbar und mussten aufgeladen werden. Der Sachschaden beträgt 10’000 Franken.

Grosskampf-Tage für die VBL

Im Grosseinsatz waren am Mittwochabend und diesen Donnerstagmorgen auch die Verkehrsbetriebe Luzern VBL. «Aus unserer Sicht verlief alles problemlos», sagt VBL-Mediensprecher Christian Bertschi auf Anfrage von zentralplus. Fünf zusätzliche Fahrzeuge standen am Morgen im Einsatz – am Mittwochabend waren es acht Zusätzliche nebst den 120 regulären.  «Wir haben  von unseren Kunden sehr positive Rückmeldungen erhalten, die meisten reagierten ruhig und gelassen.»

«Wir wären für die nächsten Tage gerüstet.»

Christian Bertschi, VBL-Medienspercher

Für die Organisation der Bahnersatzbusse sind die SBB zuständig. «Diese müssen auch den Bedarf ermitteln und abschätzen, wie viele Fahrzeuge überhaupt nötig sind.» Falls der Bahnhof Luzern länger gesperrt bleiben würde, sei  man bei den VBL vorbereitet. «Wir wären für die nächsten Tage gerüstet», sagt Bertschi. Der dennoch hofft, dass bald alles wieder normal läuft.

Ein spezielles Bild diesen Donnerstagmorgen auf dem Europaplatz vor dem KKL:


 

#MitfahrenLuzern ein voller Erfolg

Unter #MitfahrenLuzern wurden bereits am Mittwochabend und auch noch am Donnerstag Mitfahrgelegenheiten angeboten. Autofahrer stellten ihre freien Plätze gestrandeten Pendlern zur Verfügung. Dutzende nutzten den Dienst. Ein bekannter Radiomoderator nahm eine Nationalrätin mit, ein Olympiasieger bot seinen Beisitz an und ein Gewiefter nutzte die Aktion geschickt, für ein politisches Statement.


 


 


 

Wer für heute auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit ist, schaut sich am Besten auf Twitter um.

zentralplus-Redaktion erlebt’s unproblematisch

Auch die Mitarbeitenden von zentralplus waren von der Störung betroffen. Besonders die Zuger-Fraktion, welche mit dem Zug anreist. Gemäss Redaktorin Valeria Wieser verlief alles sehr ruhig und unproblematisch: «Ich fuhr mit dem Zug nach Ebikon, anschliessend mit dem Bus in die Stadt Luzern», sagt sie. Es sei beeindruckend gewesen zu sehen, wie stoisch die Passagiere den Umweg und die längere Fahrzeit in Kauf genommen hätten. Nur vereinzelt standen Reisende an den Bahnhöfen, die ratlos in der Gegend herum blickte. Schlussendlich habe die Fahrt nur etwa 15 Minuten länger als normal gedauert. «Lustig waren besonders die Passagiere: Berufstätige, Pensionierte, Touristen – und mittendrin Boulevard-Journis auf der Suche nach dem perfekten Bild.»

Redaktor Linus Estermann reiste aus Richtung Sursee an und nahm ab Rothenburg den Bus. «Es gab mehrere Optionen. Ich hätte genauso gut auch bis Emmenbrücke fahren und anschliessend in den Bus umsteigen können.» Nicht einmal die Anzahl Umstiege habe sich erhöht, da das zentralplus-Büro am Hirschengraben nähe Kasernenplatz liegt. «Aus Faulheit nehme ich sowieso jeden morgen den Bus vom Bahnhof ins Büro, diese Fahrt konnte ich mir nun schenken.» Für den reibungslosen Ablauf an diesem turbulenten Tag gehört den Verantwortlichen ein Kränzchen gewindet.

Am Bahnohf Luzern herrscht derweil noch immer tote Hose:


 

 

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