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Babbel: «Wir dürfen nicht gleich zur Schnappatmung tendieren»
  • Sport
Markus Babbel feiert seinen 45. Geburtstag. (Bild: Martin Meienberger / freshfocus )

FCL-Trainer zur aktuellen Negativserie Babbel: «Wir dürfen nicht gleich zur Schnappatmung tendieren»

5 min Lesezeit 03.10.2017, 18:28 Uhr

Der FC Luzern steckt bereits nach der zehnten Runde in einer Mini-Krise. Cheftrainer Markus Babbel ist froh, dass jetzt eine zweiwöchige Nati-Pause ansteht, gleichzeitig gibt er sich überrascht über die Aufregung. Leistungsschwankungen nehme der FCL durch das Konzept in Kauf.

Der FC Luzern findet sich nach sechs sieglosen Spielen in Folge im untersten Tabellenviertel wieder. Dazu kommt ein blutleerer Auftritt bei der 0:2-Niederlage gegen Thun am letzten Sonntag. Die Fans sind unzufrieden und äussern ihren Unmut (zentralplus berichtete). Wie ist die Stimmung beim FCL selber? zentralplus fragt bei FCL-Coach Markus Babbel nach.

zentralplus: Markus Babbel, am Wochenende ist spielfrei. Sind Sie froh über die Möglichkeit, durchzuatmen?

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Markus Babbel: Ich würde lügen, wenn ich sagte, es täte uns nicht gut. In der zweiwöchigen Pause können wir das letzte Spiel gegen Thun analysieren und uns optimal auf die Grasshoppers vorbereiten.

«Wenn bei Reto Ziegler vom Kopf her alles stimmt, wird eine Maske installiert und dann kann er wieder spielen.»

zentralplus: Nur drei Punkte aus den letzten sechs Spielen, den letzten Sieg gab es am 9. August auswärts in St. Gallen. Die Fans werden ungeduldig, auch mit dem Trainer. Sind Sie beunruhigt?

Babbel: Wenn ich jetzt panisch wär, könnten wir den Laden auch zusperren. Ich kann nicht nach aussen posaunen, wir setzen jetzt auf Junge und auf Innerschweizer, und wenn es nicht optimal läuft, will ich es ganz anders. Wir wissen, welchen Weg wir gehen wollen und wenn es etwas holprig wird, dürfen wir nicht gleich zur Schnappatmung tendieren.

zentralplus: Man hat quasi in einer Feuerwehrübung mit Reto Ziegler einen neuen Abwehrchef verpflichtet. Am Sonntag hat er sich bereits verletzt. Wie geht es ihm?

Babbel: Er hat am Mittwoch weitere Abklärungen wegen der Hirnerschütterung. Er hat zwar keine Schmerzen, doch wir warten die Tests ab. Wenn vom Kopf her alles stimmt, wird eine Maske installiert und dann kann er wieder spielen.

zentralplus: Das Kader war in den ersten Spielen sehr jung, manchmal etwas überfordert. Als Lösung hat man Routinier Reto Ziegler geholt. Wenn Sie gegen GC ohne ihn auskommen müssen: Wie zufrieden sind Sie mit dem verfügbaren Spielermaterial?

«Mit dieser jungen Mannschaft braucht es Lernprozesse, da gibt es Schwankungen.»

Babbel: Ich bin sehr zufrieden, gerade unsere jungen Spieler haben sich gut geschlagen. Doch hat man bei ihnen nach ein paar Spielen auch gemerkt, dass sie etwas an ihre Grenzen kommen. Wir haben nach neun Spielen ein Zwischenfazit gezogen und uns entschieden, Reto Ziegler zu verpflichten. Mir war nicht bewusst, dass Nicolas Schindelholz so lange verletzt sein wird, da war die ursprüngliche Prognose anders.

zentralplus: Auch Hekuran Kryezius Form macht Sorgen. Gegen Thun verlor er den Ball im Strafraum, das führte zum 0:1. Jetzt spielt er mit der Albanischen Nationalmannschaft die WM-Quali. Hätten Sie ihn nicht viel lieber in Luzern, um mit ihm zu arbeiten?

Babbel: Nein, ich denke, für ihn ist es positiv, in ein anderes Umfeld zu kommen und wieder neues Selbstvertrauen aufzubauen. Auch er ist ein junger Spieler, der letztes Jahr unter meiner Regie zum ersten Mal ein komplettes Halbjahr durchspielen konnte. Da hat man schon gemerkt, hinten raus wurde die Luft dünner. Aber Kryeziu hat eine tolle Mentalität gezeigt und durchgebissen.

Reto Ziegler musste im Spiel gegen Thun mit Verdacht auf Nasenbeinbruch und Hirnerschütterung ausgewechselt werden.

Reto Ziegler musste im Spiel gegen Thun mit Verdacht auf Nasenbeinbruch und Hirnerschütterung ausgewechselt werden.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Also braucht die Mannschaft einfach Zeit?

Babbel: Mit dieser jungen Mannschaft braucht es Lernprozesse, da gibt es Schwankungen. Das haben wir von Trainerseite her offen angesprochen, trotzdem wollten alle Beteiligten diesen Weg gehen.

zentralplus: Dennoch spricht man im FCL-Umfeld von einer Krise. Die Erwartungen an die Mannschaft waren also höher.

Babbel: Wir haben von Trainerseite her offen angesprochen, dass es nicht bloss rundlaufen wird. Trotzdem haben wir uns bereit erklärt, diesen Weg zu gehen. Bei einem Konzept wie dem unsrigen kann es auch mal «knorzig» werden. Es wundert mich, dass alle überrascht sind, für mich ist es ein normaler Entwicklungsprozess.

«Die Spieler sind gefordert, sich über Trainingsfleiss die Erfolgserlebnisse und die positiven Gefühle selber zu holen.»

zentralplus: Ist das heutige FCL-Kader einfach nicht besser als ein achter Platz in der Super League?

Babbel: Sie müssen sehen: Basel, Bern, Sion und die beiden Zürcher Klubs spielen finanziell einfach in einer anderen Liga. Was wir die letzten Jahren geleistet haben, dass wir diese Vereine in der Tabelle hinter uns gelassen haben, das war aussergewöhnlich. Jetzt ist ein Stück weit die Realität eingekehrt.

zentralplus: Also gibt man sich einfach mit einem tiefen Tabellenrang zufrieden?

Babbel: Ich bin kein Fan davon zu sagen: Vom Budget her sind wir auf Platz sechs bis acht, also ist es okay, wenn wir das erreichen. Wenn andere Vereine schwächeln, müssen wir bereit sein. Doch im Moment läuft es bei uns selber nicht zu 100 Prozent, da muss man sich nicht wundern, wenn man überholt wird. Wir müssen selber die Kurve wieder kriegen.

zentralplus: Als Nächstes geht es gegen Ex-Luzern-Coach Murat Yakin und GC. Die Zürcher erleben zurzeit das Gegenteil des FCL: Seit sechs Spielen ist man ungeschlagen. Wie gibt es da etwas zu holen?

Babbel: Wir müssen fokussiert weiterarbeiten, Schuldzuweisungen oder Selbstmitleid bringen nichts. Wir werden mit den Jungs, die da sind, während den nächsten zwei Wochen konzentriert arbeiten.

«Ich denke, die Spieler haben selber gemerkt, dass wenn sie die Vorgaben nicht einhalten, die Wahrscheinlichkeit klein ist, etwas zu holen.»

zentralplus: Wie schaffen Sie es konkret, die Mentalität der Spieler bis zum GC-Spiel wieder zu ändern?

Babbel: Ein Stück weit sind die Spieler selber gefordert, sich über Trainingsfleiss die Erfolgserlebnisse und die positiven Gefühle selber zu holen. Und dann, wenn sie gegen GC auf dem Platz stehen, müssen sie umsetzen, was wir besprochen haben. Ich als Trainer kann dann nur noch wenig beeinflussen.

zentralplus: Und was können Sie als Trainer tun?

Babbel: Ich mache die Spieler fit und will sie technisch und taktisch weiterentwickeln. Gegen Thun haben wir überhaupt nicht umgesetzt, was wir uns unter der Woche taktisch vorgenommen haben. Ich denke, die Spieler haben selber gemerkt, dass wenn sie die Vorgaben nicht einhalten, die Wahrscheinlichkeit eher klein ist, etwas zu holen.

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