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Babbel: «Spieler sollen ihre Wut rauslassen»
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Trainer Markus Babbel (links) und Medienchef Max Fischer an der Pressekonferenz diesen Freitag vor dem Spiel gegen Lugano. (Bild: les )

FC Luzern vor kapitalem Heimspiel Babbel: «Spieler sollen ihre Wut rauslassen»

6 min Lesezeit 11.03.2016, 16:38 Uhr

Der FCL befindet sich im freien Fall. Das Spiel diesen Samstag gegen Lugano als Schicksalsspiel bezeichnen will Trainer Markus Babbel allerdings nicht. Und er schöpft Hoffnung beim Blick auf eine andere Sportart. Derweil gibt der FCL einen Zuzug bekannt und verteilt einen Rüffel.

Der FCL steckt in der Krise. Sechs Niederlagen in Serie inklusive Cup-Out in diesem Jahr, der Druck auf die Mannschaft wächst. Klar, die elf Spieler auf dem Platz müssen es schlussendlich richten, doch die Verantwortung liegt bei Trainer und Präsident. Und die Stühle von Babbel und Stäger wackeln gewaltig (zentralplus berichtete). Viele Beobachter sind überzeugt, dass der FCL-Verwaltungsrat nach einer siebten Niederlage in Serie die Notbremse ziehen muss – und Babbel sowie Präsident Stäger rauswirft. Wird das Spiel am kommenden Samstag gegen Lugano also zum Schicksalsspiel?

Coach Markus Babbel verneint dies an der Pressekonferenz diesen Freitag vor dem kapitalen Lugano-Match. Und auch von massivem Druck will er nichts wissen. «Ich brauche keinen Druck, weder vom Verein noch von sonst irgendjemandem.» Den Druck setze er sich selbst auf. Und er sei unzufrieden mit der Situation. «Glauben Sie mir, ich hasse es selbst am meisten, zu verlieren», erklärte er den anwesenden Journalisten.

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Nach der Niederlagenserie muss sich der FCL derzeit in der Tabelle nach hinten orientieren:

Das nächste Spiel ist immer das Wichtigste

Happiges Schlussprogramm

Die drei nächsten Spiele gegen Lugano, Thun und Vaduz werden matchentscheidend. Der FCL muss unbedingt auf Touren kommen, damit er dem Abstiegskampf schleunigst entkommen kann. Denn wenn’s ganz eng würde, hätte der FCL zwar in den letzten vier Spielen drei Heimspiele, allerdings gegen happige Gegner.

Angesprochen darauf, ob die Niederlage im Cup-Halbfinal gegen Lugano vor dem Spiel gegen den gleichen Gegner noch ein Thema war, meint Babbel: «Der Pokal ist durch. Dieses Spiel ist nun extrem wichtig für die Meisterschaft und wir wissen, dass es gegen Lugano nicht einfach wird – es ist ein unbequemer Gegner.» Der FCL sei allerdings gut vorbereitet und Babbel hofft schon, «dass die Spieler ihre Wut rauslassen».

Dann sprach Babbel von Dingen, die bereits bekannt sind. Inhaltlich waren es Floskeln und Durchhalteparolen, doch äusserlich wirkte Babbel sehr optimistisch. «Ich bin zuversichtlich», meinte er. «Die Mannschaft wirkt sehr fokussiert, gewissenhaft und versucht, die geforderten Dinge umzusetzen.» Das Innenleben der Mannschaft stimme, es habe einen regen Austausch gegeben. «Die Jungs haben verstanden, dass wir an Ergebnissen gemessen werden. Wir müssen nun die indiviuellen Fehler abstellen und unsere Möglichkeiten eiskalt nutzen», so der FCL-Coach. Auch, dass es in der Krise zwei Möglichkeiten gäbe: in Selbstmitleid versinken oder die Ärmel hockrempeln, wiederholte Babbel in der letzten Zeit gebetsmühlenartig.

Vorbild SC Bern

Dann wurde die Pressekonferenz doch etwas kurios und Babbel offenbarte ganz neue Talente. Nach den vier Niederlagen des EV Zug gegen den HC Lugano und dem Cup-Out des FCL gegen Lugano wurde er gefragt, ob Lugano momentan das rote Tuch der Innerschweizer Sportteams sei. Und da überzeugte Babbel als Hockeyexperte: «Man muss sehen, als Aussenseiter – Lugano lag ja in der Quali hinter Zug – hat man einen Vorteil.» Der Druck sei kleiner und mit jedem Sieg steige das Selbstbewusstsein, während die andere Mannschaft in Zweifel versinke und sich selbst zu stark unter Druck setze.

«Oder schauen Sie die Begegnung zwischen Bern und ZSC an», führte Babbel aus. Alle hätten den SCB niedergeschrieben, und jetzt? «Jetzt haben sie’s allen gezeigt, wir können uns ein Vorbild an ihnen nehmen.» Babbel gefiel die Rolle sichtlich. Statt über seine vielleicht bevorstehende Entlassung Auskunft zu geben, konnte er richtig brillieren. «Es gibt auch in Bayern viele Hockeyvereine und ich habe das immer mitverfolgt: Ingolstadt hat gerade gegen Straubing gespielt, und auch München ist noch im Rennen.» Die Nürnberger und Augsburger hätten sich verabschiedet.

Spezielle Aktionen sind nicht nötig

Vom Eishockey zurück zum Fussball und nach Luzern. «In der Hinrunde haben wir gegen Lugano einmal gewonnen und einmal unentschieden gespielt, im Pokal verloren, also ist jetzt wieder ein Sieg an der Reihe», findet Babbel. Spezielle Aktionen, um den Teamgeist zu beschwören, seien nicht geplant, erklärt er. «Das ist überhaupt nicht nötig. Wir waren ja in den vergangenen Spielen nicht chancenlos. Jetzt müssen wir uns einfach für den Aufwand belohnen.»

Drei interessante Anekdoten von der Medienkonferenz

1. Michael Silberbauer wird neuer Videoanalyst

Wie Assistenztrainer Patrick Rahmen wechselt auch dessen ehemaliger Assistent beim FC Biel, Michael Silberbauer, in den Staff des FCL. Der dänische Ex-Nationalspieler (34) wird beim FCL Videoanalyst und zweiter Assistenztrainer. Babbel meinte dazu: «Es ist sehr erfreulich, einen solchen Mann zu gewinnnen. Ich wünschte mir schon länger einen Videoanalysten und habe ihn jetzt bekommen.» Silberbauer sei selber Spieler gewesen und kenne sich deshalb mit Matchvor- und -nachbereitungen bestens aus. Die «Neue Luzerner Zeitung» NLZ stellte in ihrer Freitagsausgabe bereits fest, dass der FCL nun das gesamte Bieler Trainerduo übernommen hat. Und sie mutmasst, dass damit die Nachfolge von Markus Babbel bereits geregelt wäre, falls dieser tatsächlich seinen Sessel räumen muss.

2. Erneuter Rüffel für die Journalisten

An der Pressekonferenz enervierte sich Markus Babbel einmal mehr über gewisse Journalisten. An diesem Donnerstag gab es während des FCL-Trainings einen Zwischenfall: Während die Mannschaft für taktische Zwecke vom Rasenplatz hinter dem Stadion in die Swissporarena wechselte, folgten ihr lokale Berichtstatter mitten über das Spielfeld. Allerdings trainierten die beiden Torhüter zu diesem Zeitpunkt noch, was den Torhütertrainer dazu veranlasste, einzugreifen. 

Babbel sagte dazu an der Medienkonferenz: «Es ist schon etwas dubios, wenn jemand während des Trainings quer über den Platz läuft. Da muss man mit Reaktionen rechnen.» Aber das habe nichts damit zu tun, dass beim FCL die Nerven blank liegen würden, wie in der Zeitung geschrieben wurde. «Das war eine ganz normale Reaktion, denn wir erwarten von den Journalisten Anstand und Respekt.»

3. Stadion trotz spezieller Aktion noch nicht ausverkauft

Der FCL hat für das kapitale Spiel gegen Lugano eine spezielle Aktion lanciert. Jeder Saisonkartenbesitzer kann gratis zwei Begleitpersonen mitbringen (zentralplus berichtete). Bei rund 7000 Saisonkartenbesitzern könnten also 21’000 Fans ins Stadion strömen – theoretisch zumindest. Dieses fasst aber bekanntlich nur 16’800 Plätze. Trotzdem sagt FCL-Medienchef Max Fischer, dass es noch freie Plätze habe.

Der FCL möchte sich mit dieser Aktion einerseits bei seinen treusten Fans bedanken. Andererseits solle die Aktion mit dem damit verbundenen Zuschaueraufmarsch dem FCL helfen, die ersten (drei) Punkte in diesem Jahr zu gewinnen.

Bonmots

Die Aussagen von Fussballtrainern, wenn’s sportlich nicht läuft, sind immer so eine Sache. zentralplus hat sich elf Weisheiten überlegt, was Babbel alles auch noch zur aktuellen Situation hätte sagen können:

«Beim Fussball gibt es keinen Schönheitspreis zu gewinnen.»

«Die Wahrheit liegt auf dem Platz.»

«Jedes Spiel beginnt bei Null.»

«Wir müssen bereit sein, Gras zu fressen.»

«Die Tagesform wird entscheidend sein.»

«Abgerechnet wird am Schluss.»

«Wir haben uns vorgenommen, ein frühes Tor zu erzielen.»

«Jeder muss 110 Prozent geben.»

«Das wird ein Sechs-Punkte-Spiel.»

«Der Ball ist rund.»

«Hinten muss die Null stehen.»

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