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Baar hat nun die grössten Blumenkübel der Zentralschweiz
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Riesige Blumenkübel stehen neuerdings an der Marktgasse in Baar – um den öden Strassenzug etwas aufzuhübschen. (Bild: zvg)

Erste Verschönerung nach verheerender Stadtanalyse Baar hat nun die grössten Blumenkübel der Zentralschweiz

4 min Lesezeit 25.05.2018, 13:16 Uhr

Gigantomanie hat doch auch ihre schönen Seiten. Beispiel Baar. Dort stehen an der belebten Marktgasse seit Neuestem riesige Pflanzenkübel. Ob sie es nun endlich schaffen, den tristen Strassenzug zu verschönern?

Man könnte glauben, ein Riese hätte sich in Baar niedergelassen. Denn wer neuerdings durch die Marktgasse schlendert – wenn solche flaneurhaften Fortbewegungsformen angesichts des Autolärms, des Abgasgestanks und der baulichen Tristesse dort überhaupt möglich sind –, dem fallen sofort die riesigen Pflanzenkübel auf dem Trottoir auf.

Junge, grüne Bäumchen spriessen da in Terracotta-Töpfen, deren Durchmesser wohl breiter ist als diejenigen der Zuger Nordstream-Röhren, durch die Russlands Präsident Putin sein Erdgas durch die Ostsee nach Europa schickt. Fast schüchtern zart wirken dagegen die Gewächse, so fragil und dünn streben sie da vor der monotonen, modernen Häuserfassade in die Höhe.

«Das war unser Werkhof. Da kommen dann noch viele Blumen hinzu.»

Paul Langenegger, Bauchef von Baar

Was ist da los? Wer hat die gigantischen Blumenkübel da hingestellt, die wie die Faust aufs Auge der ebenso gigantischen Häuserblöcke zu passen scheinen?

«Das war unser Werkhof», erklärt Baars Bauchef Paul Langenegger auf Anfrage gegenüber zentralplus. Der Strassenzug sehe so leer und unbegrünt aus, dass man sich überlegt habe, das Ganze etwas zu verschönern. Wobei die rudimentäre Pflanzenmeile der anderen Art an der Marktgasse noch gar nicht vollendet sei. «Da kommen noch viele Blumen in die Kübel», sagt der CVP-Gemeinderat. «Das sieht dann ganz schön aus.»

Doch wie kommt’s zu diesem plötzlichen ästhetischen Sinneswandel in Baar? Hat diese Vergrünung an der lautesten und abgasreichsten Strasse der Gemeinde womöglich etwas mit der jüngsten Studie zu tun, die der Gemeinde alles andere als gute Noten in Sachen Stadtbild, Verkehrsführung, Lebensqualität und Ladenangebot erteilt (zentralplus berichtete)?

Diese Studie zur Zentrumsentwicklung in Baar, die das «Netzwerk Altstadt» im Auftrag der Gemeinde Baar erstellt hat, lässt ja keinen Stein auf dem anderen – wie man in der 21-seitigen «Stadtanalyse Baar» nachlesen kann. Diese wurde auf der Webseite der Gemeinde veröffentlicht.

Kein zentraler Platz, unattraktive Läden, zu viele Autos

In der Studie werden Baar jahrelange Versäumnisse in der Verkehrs- und Ortsplanung vorgeworfen. Es gebe weder ein erkennbar funktionierendes Zentrum noch einen zentralen Platz. Die Gemeinde sei zergliedert. Auf der früheren Baarer «Highstreet», der Dorfstrasse, seien mit täglich 9’000 Autos viel zu viele Fahrzeuge unterwegs. Andererseits seien die Läden dort aber zu wenig attraktiv, so die Studie, um dort eine Fussgängerzone für mehr Lebensqualität einzurichten. Und, und, und.

«Baar ist trotz seinen fast 25’000 Einwohnern eine Art Vorort von Zug.»

Zitat aus der Stadtanalyse Baar von «Netzwerk Altstadt»

Die Kritik der «Netzwerk Altstadt»-Analysten gipfelt schliesslich in der Aussage, dass Baar quasi mit dem Schicksal, eine Art «Agglo» von Zug zu sein, zurechtkommen müsse. O-Ton: «Baar ist trotz seinen fast 25’000 Einwohnern eine Art Vorort von Zug. Baar wird sich funktional zusehends mit seiner Rolle als Vorort von Zug abfinden müssen.»

Keine verheissungsvollen Aussichten. Und für den Gemeinderat in Sachen Zentrumsentwicklung kein sonderlicher Leistungsausweis. Ausser Apéros, Chilbis, Fasnacht und Christkindlimärt ist ja da in Sachen Zentrumsbelebung in den letzten Jahren nicht wirklich viel Neues zu vermelden gewesen.

Die nördliche Fassade der Marktgasse, dort wo früher noch alte Beizen residierten, erhält in der jüngsten Stadtananalyse von Baar keine guten Noten. Ob da die Bäumchen irgendetwas bewirken können?

Die nördliche Fassade der Marktgasse, dort, wo früher noch alte Beizen residierten, erhält in der jüngsten Stadtananalyse von Baar keine guten Noten. Ob da die Bäumchen irgendetwas bewirken können?

(Bild: woz)

Doch zurück zur Marktgasse und den Bäumchen. Denn die Marktgasse bekommt in der «Stadtanalyse Baar» nämlich auch ihr Fett ab. Und das nicht zu knapp.

«Eine mächtige Kulisse, die zu pompös wirkt und für eine wenig geborgene Stimmung sorgt.»

Stadtanalyse Baar zur Marktgasse

«Die Marktgasse hat durch die neue Bebauung auf der nördlichen Seite eine mächtige Kulisse erhalten, die aber durch die teilweise wenig publikumswirksamen Erdgeschossnutzungen zu pompös wirkt. Die Breite des Strassenraums sorgt des Weiteren für eine wenig geborgene Stimmung. Man wähnt sich eher in einer städtischen Einfallsachse als in einem Dorf. Hier wären Massnahmen zur Anhebung der Wohnlichkeit des Strassenraumes sinnvoll.» So weit der O-Ton der Studie.

Immerhin: heimische Weissbuchen

Also sind die gigantomanen Pflanzkübel mit den Bäumchen doch so etwas wie ein erster Schritt zu mehr Geborgenheit in der Baarer Marktgasse? Es handelt sich dabei übrigens sogar um heimische Weissbuchen, die gross werden sollen.

«Nein, nein», winkt Paul Langenegger ab und lächelt jovial. Die Frage bleibt indes, ob man die moderne Häuserzeile in der Marktgasse nicht von vorneherein etwas weniger wachstumsverschandelnd hätte planen können. «Das kann man tatsächlich so sehen», bejaht Langenegger.

Wie dem auch sei. Wenigstens hat Baar nun mit Sicherheit eine neue städtische Attraktion vorzuweisen – die drei wohl grössten Blumen- beziehungsweise Pflanzkübel der Zentralschweiz. Oder hat jemand schon grössere gesichtet?! Wenn ja, bitte melden.

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