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A.Stebler

In der zentralplus Community seit: 25.01.2016

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  • Der Spinner und sein Flugvelo

    Seit Jahren schon verfolge ich diese unglaubliche Geschichte. Als interessierter Laie in Sachen Fliegerei sehe ich auf einen Blick, dass die diversen Entwürfe - die zudem kaum Gemeinsamkeiten untereinander aufweisen - ihre Bestimmung nicht erfüllen werden. Trotzdem schafft es Bassi immer wieder, Medienaufmerksamkeit und prominente Unterstützer für sein Projekt zu gewinnen. Kürzlich hat er mir geschrieben, er habe am WEF Richard Branson für sich gewinnen können. Bassi hat offenbar ein grosses Talent in Sachen Marketing, das muss ich neidlos eingestehen. Vor allem aber frage ich mich, wo die bahnbrechende Innovation bei seinem Vorhaben liegen soll. Der Flug mit Muskelkraft ist spätestens seit dem Gossamer Condor von Paul MacCready in den Siebziger Jahren Realität, und alltagstaugliche, elektrisch angetriebene Kleinflugzeuge gibt es inzwischen auch schon mehrere. - Und ein Solaflugzeug umrundet bekanntlich gerade die Welt. Ein solches Gerät muss entweder riesengross, ultraleicht und damit supereffizient gebaut sein, oder kompakt und praktisch, dann wird es aber auch mehr Energie verbrauchen. So ein filigraner Riesenvogel wird jedoch niemals alltagstauglich sein. Herr Bassi träumt hingegen von einem Fluggerät, das man wie ein Velo mal schnell aus dem Keller nehmen und damit zur Arbeit gondeln kann. Auch in diesem Bereich wurde und wird intensiv geforscht, bis jetzt allerdings ohne brauchbare Ergebnisse. Um Kollisionen mit Bäumen, Stromleitungen und anderen "Spassfliegern" zu vermeiden, wäre der Einsatz von viel Elektronik notwendig. Dazu kommt die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz, denn Fluggeräte - so leise sie auch sein mögen - beeinträchtigen Augen und Ohren von viel mehr Menschen als Fahrzeuge. Stellen sie sich mal eine Stadt vor, deren Himmel ständig von surrenden Flugobjekten verdunkelt wird! Ich will nicht definitiv ausschliessen, dass irgendwann so ein "fliegendes Velo" Realität wird. Aber ich glaube nicht daran, dass die Herangehensweise von Herrn Bassi zum Erfolg führen kann. Um so etwas zu entwickeln, muss neben der Vision auch Pragmatismus und Sachverstand vorhanden sein. Herr Bassi versteckt sich gerne hinter dem Geschäftsgeheimnis, sobald ich ihm kritische Fragen stelle. So auch bei der einfachen Frage nach der benötigten Schwebeleistung seines Swiss-F-light. Damals ging es noch um reinen Muskelkraftantrieb, und da ist diese Zahl absolut zentral. Da es aus geschäftlichen Überlegungen kaum Sinn macht, diese Angabe geheim zu halten, muss ich daraus schliessen, dass ihm diese entscheidende Grösse unbekannt war. Wenn ich mir den ungeheuren Sachverstand, die Kreativität, die Ausdauer, das systematische Vorgehen, die unzähligen Fehlschläge und winzigen Verbesserungen vor Augen halte, mit der ein Genie wie McCready an das einfache Ziel heranging, bei Windstille auf einem ebenen Flugplatz mit reiner Muskelkraft eine liegende Acht zu fliegen, verneige ich mich vor ihm in Ehrfurcht. Genau diesen "Forschergeist" vermisse ich bei Herrn Bassi. Er schein sich gerne im Scheinwerferlicht zu sonnen, aber produziert hat er bis jetzt - ausser ein paar lächerlichen Computergrafiken - nichts. Ich wäre sehr erstaunt, wenn sich dies in Zukunft ändern würde.