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Ausländische Chirurgen in Zug unerwünscht
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Der Kanton Zug hat zu viele Fachärzte. Mit erhöhten Anforderungen an Ärzte, die neu im Kanton praktizieren wollen, soll sich das nun ändern. (Bild: fotolia )

Massiv mehr Kosten durch Einwanderung von Ärzten Ausländische Chirurgen in Zug unerwünscht

3 min Lesezeit 14.03.2017, 05:36 Uhr

Zug erhöht die Anforderungen an neue Ärzte, die im Kanton praktizieren wollen. Mediziner, die nicht mindestens drei Jahre in einem Schweizer Spital ausgebildet wurden, können neu abgelehnt werden. Die neue Regelung soll Kosten sparen.

Je mehr Ärzte an einem Ort, desto höher die Gesundheitskosten. Dieser Überzeugung war der Bund vor rund 20 Jahren bei der Teilrevision des Krankenversicherungs-Gesetzes. Aus diesem Grund erteilte er den Kantonen die Möglichkeit, Zulassungsbeschränkungen für Mediziner einzuführen. Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister ist überzeugt: «Je mehr spezialisierte Ärzte ihre Leistungen anbieten, desto mehr werden diese auch konsumiert. Wenn ein Arzt mit seinen Patienten ausgelastet ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er seinem Patienten weitere, womöglich nicht unbedingt notwendige Behandlungen, vorschlägt.»

«Wir sind auf Ärzte angewiesen, die unser Gesundheitssystem sowie unsere Standards kennen und zudem Deutsch können.»

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Martin Pfister, Zuger Gesundheitsdirektor

Ärzten, die nicht mindestens drei Jahre in Schweizer Spitälern ausgebildet wurden, werden bis 2019 keine Zulassungen zur Abrechnung zulasten der Grundversicherung mehr erteilt. Dies gilt für Ärzte, die der Grundversicherung angeschlossen sind.

Betroffen von dieser Restriktion sind vor allem Ärzte mit einer ausländischen Ausbildung. Wie Pfister erklärt, «sind wir auf Ärzte angewiesen, die unser Gesundheitssystem sowie unsere Standards kennen und zudem Deutsch können.» Somit habe die geplante Einschränkung nicht nur einen kostensenkenden Effekt, sondern auch einen qualitätssichernden.

Ausgenommen von der neuen Regelung in Zug sind Ärzte, die bereits heute zulasten der obligatorischen Krankenversicherung tätig sind.

Auch andere Kantone haben zu viele Ärzte

Man will also weniger Spezialärzte zulassen, obwohl doch immer vom «Ärztemangel» die Rede ist. Wie geht das auf? «Wir wollen nicht in alle Gebiete eingreifen. Ein Überangebot stellen wir insbesondere in den Bereichen Dermatologie, Gastroenterologie, Chirurgie und Urologie fest», so der Gesundheitsdirektor. Hat denn Zug derart gute Löhne, dass Ärzte vorwiegend hierher kommen? Diese Annahme verneint Pfister. «Die Zuger Ärzte verdienen pro Taxpunkt weniger als etwa ihre Kollegen in Luzern und Zürich. Damit hat die Änderung nichts zu tun. Ausserdem kennen auch andere Kantone das Problem des Überangebots bei Spezialärzten.»

Einige dürfen zwar bleiben, müssen aber ins Entlebuch

Tatsächlich wendet auch der Kanton Luzern die Zulassungsbeschränkungen bereits seit längerer Zeit an. Alexander Duss vom Rechtsdienst des Luzerner Gesundheitsdepartements sagt: «Die Beschränkung ermöglicht es uns, die Verteilung der Ärzte regional zu steuern. Wir können Gesuche von Ärzten ablehnen, aber wenn es etwa im Entlebuch oder in Sursee an Ärzten einer bestimmten Fachrichtung mangelt, können wir explizit in diesen Orten oder Gebieten eine Ausnahme machen.»

«Es lässt sich rückblickend nicht beziffern, ob sich die Zulassungsbeschränkung finanziell auf das Gesundheitssystem ausgewirkt hat.»

Alexander Duss, Rechtsdienst des Luzerner Gesundheitsdepartements

Im gleichen Stil will auch der Kanton Zug vorgehen. Bei einer drohenden Unterversorgung in bestimmten Bereichen könnten weiterhin Ärzte mit ausländischer Ausbildung zugelassen werden. So solle die Versorgungssicherheit laut der Gesundheitsdirektion gewährleistet werden.

Alexander Duss vom Kanton Luzern ist überzeugt davon, dass die Restriktionen, die der Kanton bereits seit 2002 anwendet, aus Sicht der Qualität der ärztlichen Versorgung sinnvoll seien. «Es lässt sich rückblickend jedoch nicht beziffern, ob sich die Zulassungsbeschränkung finanziell auf das Gesundheitssystem ausgewirkt hat», so Duss. Es sei aber erwiesen, dass es zwischen Ärztedichte und hohen Krankenkassenprämien einen Zusammenhang gebe.

Der Zulassungsstopp kommt Ihnen bekannt vor?

Es ist nicht das erste Mal, dass Zug einen Zulassungsstopp für Mediziner einführt. Bereits zwischen 2002 und 2011 gab es eine ähnliche Regelung im Kanton. Auf die Anfrage, weshalb es einen Unterbruch gab, erklärt Martin Pfister: «Der ‹alte› Zulassungsstopp, den Zug umsetzte, wurde vom Bundesrat aufgehoben. Der aktuell gültige Zulassungsstopp zielt auf Ärzte mit ausländischer Ausbildung.»

Zum Zeitpunkt der Wiedereinführung im Jahr 2013 habe in Zug kein Handlungsbedarf bestanden, so der Regierungsrat. «Dies hat sich mittlerweile geändert. Wir stellen seit einiger Zeit eine massive Kostensteigerung im ambulanten ärztlichen Bereich sowie einen vermehrten Zuzug von Ärzten mit ausländischer Ausbildung fest.» Es gehe im Grundsatz um die Dämpfung der Mengenausweitung, so Pfister weiter.

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