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Franz Anatol Wyss – Zeichnungen

Franz Anatol Wyss – Zeichnungen
Ausstellungen

Wenn Franz Anatol Wyss sein Atelier in Murgenthal für längere Zeit verlässt, werden die Freunde seiner Kunst unruhig. Diese Nervosität ist berechtigt, denn alle wissen, dass er mit einem Konvolut von Zeichnungen zurückkehren wird. So brachte er einmal von einem Aufenthalt in Berlin über 200 Zeichnungen mit nach Hause, und obwohl jedermann von seiner immensen Arbeitskraft wusste, waren doch alle erstaunt und fragten sich: Wie schafft er dies bloss? Wie geht er vor? Franz Anatol Wyss ist ein rastloser Mensch. Er ist andauernd unterwegs, stets auf Reisen, selbst wenn er in seinem Atelier arbeitet. Er kann seine Hand nicht ruhig halten, sie führt fast pausenlos einen Bleistift oder Farbstifte über ein Blatt Papier. Es entstehen Linien, die in übertragenem Sinne Wege darstellen, die der Künstler irgendwann und irgendwo gegangen ist oder eben jetzt auf dem Zeichenbrett geht. Das Unterwegssein in einer Grossstadt oder in den Walliser Alpen ist stets gekoppelt mit dem Reisen in der Vorstellung, im visuellen Gedächtnis. In der Zeichnung verschmelzen Dichtung und Wahrheit.

Ein kieiner Unterschied ist zu klären. Genau genommen reist Franz Anatol Wyss in der Wirklichkeit kaum. Er verreist bloss, und ist er am Ziel angekommen, bleibt er sesshaft. In seiner Vorstellung hingegen kommt er nie an, dort ist er fortwährend unterwegs. Die Bilder sind lauter Stationen auf dem Weg des Künstlers. Und weil seine Hand nie zur Ruhe kommt, sind mittlerweile gut 10’000 Arbeiten – Zeichnungen, Radierungen, Lithografien, Linolschnitte, Gemälde – entstanden.

Wer ein solch riesiges Gesamtwerk vorweisen kann, muss ein leidenschaftlicher Künstler, ein fleissiger Schaffer sein. Was nährt seine Lust und Freude am Zeichnen, was motiviert ihn dazu, wastreibt ihn an? Wir können nur eine Antwort finden, wenn wir seine Zeichnungen gründlich betrachten und seine Arbeitsweise erkunden. Franz Anatol Wyss arbeitet – wo auch immer – sehr diszipliniert. Er verordnet sich täglich die gleichen Arbeitszeiten, oft über mehrere Wochen bis ein Zyklus beendetist. Während des Zeichnens möchte er nicht gestört werden, selbst der Blick über seine Schultern irritiert ihn. Dennoch habe ich Kenntnis über den gestalterischen Vorgang. Dieser beginnt mit der nie zu stillenden Neugier, mit dem absichtslosen Betrachten und dem bewussten Beobachten der Zustände und Vorgänge in der Welt des Künstlers. Die Phänomene der Natur interessieren ihn ebenso wie die durch Menschenhand gebauten Dinge, die vermittelten Bilder können genau so stark auf ihn einwirken wie eine zufällige Begegnung mit Menschen auf der Strasse. Flüchtige Augenblicke können ihn mit gleicher Intensität beschäftigen wie beispielsweise historische oder naturwissenschaftliiche Dokumente. Und weil er kein Skizzenbuch besitzt und nie vor Ort zeichnet, ist er im Verlauf seines Lebens zu einem beneidenswerten – oder vielleicht sogar zwanghaften – Beobachter geworden. Das Wahrgenommene speichert er in seinem Kopf, wo bereits ein unüberschaubares Lager an Sinneseindrücken aufbewahrt ist. Irgendwann platzt dieses imaginäre Bildermagazin aus allen Nähten. Dann seizt er sich an den Tisch oder steht vor das riesige Blatt an der Wand und beginnt zu zeichnen. Peter Jeker, Langendorf (SO)

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