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Ausbau des Bahnhofs Rotkreuz: SBB stellen sich quer
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Auch der geplante Doppelspurausbau der SBB in Walchwil schreckt jetzt so manchen Expat im Schlaf auf – aus Furcht vor mehr Lärm und quietschenden Zügen. (Bild: PD)

Zuger Regierungsräte trafen SBB-Boss Andreas Meyer Ausbau des Bahnhofs Rotkreuz: SBB stellen sich quer

4 min Lesezeit 22.06.2016, 15:59 Uhr

Damit Gotthardzüge in Rotkreuz während des Doppelspurausbaus halten können, müssen die Rotkreuzer Bahnperrons verlängert werden. Der Zuger Regierungsrat wollte angesichts des Ennetsee-Booms einen definitiven Ausbau erreichen. Die SBB wollen allerdings nichts davon wissen.

An der Kantonsratssitzung vom 30. Juni ist ein Vorstoss zum öffentlichen Verkehr traktandiert, der für rote Köpfe sorgen könnte. Es geht um den Bahnhof Rotkreuz und dessen Ausbau. Der Zuger SVP-Kantonsrat Philip C. Brunner verlangte in einem Postulat im Jahr 2014 permanente Perronverlängerungen in Rotkreuz. Dies bringe einen sofortigen Nutzen für die vielen Benützer des öffentlichen Verkehrs, ist er überzeugt.

Weitere Zuger Kantonsräte – damals noch Martin Stuber (ALG), Heini Schmid (CVP) und Thomas Lötscher (FDP) – forderten im selben Jahr in einer Motion höhere Bahnkapazitäten auf der Strecke Zürich–Zug–Luzern. Beide Anliegen haben politische Rückendeckung in Kantons- und Regierungsrat. Dies alles im Hinblick auf den künftigen Hochschulstandort Rotkreuz und die Attraktivität der Bahn für die aus Luzern oder Zürich anreisenden Studierenden. Aber ebenso für die vielen anderen Berufspendler in Rotkreuz.

SBB wollen nur ein Provisorium

Die SBB haben dem Wunsch nach längeren Perrons jetzt aber definitiv eine Absage erteilt. Dies geht aus dem Bericht und Antrag des Regierungsrats auf das Postulat von Brunner hervor. Die SBB wollen nur zeitlich befristete Perronverlängerungen im Bahnhof Rotkreuz realisieren. Sie würden ausschliesslich für die Zeit der Streckensperre auf der Ostseite des Zugersees erstellt, damit während dieser Periode in die über Rotkreuz umgeleiteten Züge ein- und ausgestiegen werden kann.

Da anschliessend kein Angebotskonzept mit Halt von 400-Meter-Zügen in Rotkreuz gesichert sei, sollen die Perronverlängerungen mit reduziertem Ausbaustandard gebaut und anschliessend wieder zurückgebaut werden. Das betreffe die Höhe der Perrons und die technische Ausrüstung, schreibt die Regierung.

Der Postulant Philip C. Brunner sagt auf Anfrage: «Ich bin natürlich enttäuscht, dass die Regierung sich mit den SBB nicht einigen konnte.» Er findet den Entscheid der SBB «nicht sehr weitsichtig».

Trotz vielen Gesprächen kein Entgegenkommen

Die Zuger Regierung macht im Bericht ebenfalls keinen Hehl aus ihrem Ärger über die Bahnverantwortlichen: «Diese provisorische Lösung wurde trotz vorgängig intensivem Briefwechsel mit der SBB und mündlichen Interventionen entgegen der Forderung des Regierungsrats gewählt», schreibt sie.

Einsprache ist hängig

Wann die Strecke für den Bau der SBB-Doppelspur am Ostufer des Zugersees gesperrt wird, ist wegen der Einsprache noch nicht bekannt. Offen ist deshalb auch, wann die provisorische Perronverlängerung in Rotkreuz kommen wird. Weil die Gotthard-Züge während der Bauzeit über Rotkreuz fahren, entstünden attraktivere öV-Verbindungen, so der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel. «Für Reisende ab Rotkreuz von und nach Zürich entsteht ein Halbstundentakt, der den Kundinnen und Kunden ein zusätzliches Angebot gibt», sagt Michel. Aber eben nur in der Bauzeit der Doppelstrecke. zentralplus wollte von Michel ebenfalls wissen, ob und wann der zweite Interregio-Halt in Rotkreuz kommt. «Im Postulat wird ausgeführt, dass betrieblich derzeit längere Züge respektive ein zweiter Halt nicht möglich sind», so der Regierungsrat. «Ein Teilerfolg konnte aber mit der Sensibilisierung der SBB auf das wachsende Marktpotenzial in Rotkreuz bereits erreicht werden.»

An diversen Treffen mit Geschäftsleitungsmitgliedern hat danach der Zuger Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel eine Verlängerung der Perrons für 400-Meter-Züge gefordert. Als Minimalanspruch wäre der Kanton auch zufrieden gewesen, wenn die SBB die provisorische Perronverlängerung auf unbestimmte Zeit stehen gelassen hätte. Es fand sogar ein «Gipfeltreffen» mit dem CEO der SBB Andreas Meyer in Zug statt, an dem Matthias Michel und der damalige Baudirektor Heinz Tännler dem SBB-Boss die Situation von Rotkreuz als Hochschulstandort eingehend aufzeigten.

Kanton Zug verzichtet auf Beschwerde

Man erfährt ebenfalls: Die SBB wählten für die Perronverlängerungen das «vereinfachte Plangenehmigungsverfahren», bei dem das Gesuch nicht öffentlich aufgelegt wird. Trotzdem erreichten der Kanton und die betroffene Gemeinde durch mehrmalige Interventionen beim Bundesamt für öffentlichen Verkehr, dass sie mitreden konnten. Doch das BAV lehnte alle Anträge ab und genehmigte das Gesuch der SBB für provisorische (und nicht für dauerhafte) Perrons.

Nach einer Analyse verzichtete die Zuger Regierung auf eine Beschwerde. Sie hätte die Sache ans Bundesverwaltungsgericht weiterziehen können. «Selbst im theoretischen und unwahrscheinlichen Falle einer Gutheissung der Beschwerde» hätten die Perronverlängerungen nicht mit Sicherheit gebaut werden können, so die Regierung. Es gäbe kein Angebotskonzept für die langen Züge, dazu käme die ungesicherte Finanzierung der Mehrkosten.

Ein wichtiger Grund für den Verzicht: Zug wollte nicht riskieren, dass auch die provisorischen Perrons wegen eines Rechtsstreits nicht rechtzeitig realisiert werden könnten. «Nicht der Bau sollte ja verzögert oder verhindert werden, sondern lediglich der Rückbau», so die Zuger Kantonsregierung.

Ende 2018 könnte die Sache wieder aktuell werden

Die Zuger Regierung will jedoch das Anliegen der Zuger Kantonsräte von links bis rechts nach besseren Bahnverbindungen nicht ad acta legen, schreibt er. Ende 2018 respektive Anfang 2019 wird der Bundesrat zuhanden des Parlaments die Botschaft zum Ausbauschritt 2030 verabschieden. Es werde sich dann zeigen, ob und mit welchen Massnahmen der Bund die Kapazitäten auf der Strecke Zürich–Zug–Luzern ausbauen wolle. Dann will der Zuger Regierungsrat nochmals darauf pochen, die provisorischen Perrons – falls sie denn noch existieren – nachträglich zu definitiven Perrons umzubauen.

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