Aus. Vorbei. Verloren: EVZ-Fans befinden sich in Schockstarre
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Gespenstische Schockstarre in der Nordkurve, unmittelbar nach der Niederlage. (Bild: woz)

Saisonende für Zuger nach Pleite in Verlängerung Aus. Vorbei. Verloren: EVZ-Fans befinden sich in Schockstarre

4 min Lesezeit 21.03.2018, 01:15 Uhr

Die 7’200 Fans in der Bossard Arena haben alles gegeben, um den Niedergang «ihres EVZ» abzuwenden. Es hat nicht gereicht. Schade. Doch viele sehen auch einen klaren Grund für die Playoff-Misere des EVZ.

Noch eben gleicht die Bossard Arena einem Tollhaus. In der Nordkurve klatschen die Fans frenetisch, und alle auf den teuereren Plätzen klatschen mit. Der Applaus, der wie Schläge aufs Trommelfell prasselt und alsbald die Stadiondecke zu sprengen scheint, beflügelt die Zuger Hockeystars auf dem Eis – die ihrerseits wie aus Kanonen den Puck aufs Tor der Zürcher knallen.

Zürcher schiesst den Puck in der Verlängerung ins Tor

«Oleeeee, oleoleoleeeeee, EVZ oleeeeee!» Es kann sich doch nur noch um Sekunden handeln, bis der Puck im Netz zappelt. Die Stimmung ist atemberaubend. So begeistert können nur EVZ-Fans ihre Mannschaft unterstützen.

Doch dann haut ein Zürcher das schwarze Gummigeschoss in die Maschen – und Schockstarre tritt ein! Aus. Vorbei. Verloren. Der EVZ ist im Viertelfinal gegen die ZSC Lions ausgeschieden.

Er ist einfach nur traurig und enttäuscht über die EVZ-Niederlage: Fan in der Nordkurve.

Er ist einfach nur traurig und enttäuscht über die EVZ-Niederlage: Fan in der Nordkurve.

(Bild: woz)

In der Nordkurve steht den EVZ-Fans der Schreck im Gesicht. Eine gespenstische Ruhe. Nur ganz wenige Plastikbierbecher hageln aus Frust im Sicherheitsnetz. Einer von der Tribüne herunter zeigt den Zürchern den Stinkefinger und schreit: «Scheiss, Zürcher!» Doch sein EVZ-Kumpel nimmt ihn den Arm und sagt fast zärtlich: «Komm, lass!»

«Das ist nicht Zug, das hier Hockey gespielt hat.»

EVZ-Fan aus Steinhausen

Einem älteren EVZ-Fan aus Steinhausen, der vor einer Stunde noch lässig ein Bier in der Drittelpause gekippt hat, draussen mitten im tiefwinterlichen Schneefall, verdrückt eine Träne und reibt sich nachdenklich den Bart. «Das ist nicht Zug, das hier Hockey gespielt hat. Die haben das ganze Viertelfinale schlecht gespielt – ich habs geahnt, dass es so kommt.»

Haben den Plausch – die vier EVZ-Fans aus Steinhausen vor dem Spiel: Ivan Brandl, Mike Ryssel, Ruedi Spaar und Markus Brandl.

Haben den Plausch – die vier EVZ-Fans aus Steinhausen vor dem Spiel: Ivan Brandl, Mike Ryssel, Ruedi Spaar und Markus Brandl.

(Bild: woz)

Doch warum bloss hat der EVZ in den Playoffs so schlecht Hockey gespielt? Schliesslich hat Zug ja die Qualifikation mit Bravour auf dem zweiten Platz abgeschlossen, die Zürcher sind bloss Siebte geworden.

«Es ist traurig, wenn der EVZ verliert. Aber das Leben geht weiter. Man kann halt keinen Erfolg kaufen.»

André Kälin aus Freienbach

André Kälin aus dem schwyzerischen Freienbach meint, dass der EVZ einfach im Powerplay immer wieder Schwächen gezeigt habe. Zu wenige Chancen dabei verwertet hätte. Irgendwie ahnte André die Niederlage schon vor Spielbeginn. «Es ist traurig, wenn der EVZ verliert. Aber das Leben geht weiter – und man kann halt keinen Erfolg kaufen.»

Einige Fans ertragen es nicht mehr – und gehen nach Hause

Die EVZ-Fans lieben ihren Verein einfach. Zu emotional ist die Niederlage jetzt im Viertelfinal. Manche der 7200 Fans in der ausverkauften Bossard Arena waren so nervös, dass sie nicht einmal die Verlängerung anschauen wollten und vorher schon nach Hause gegangen sind. Ihre plötzlich hochgeklappten Sitze wirkten wie ein ratloser Kommentar aufs Spiel des EVZ.

Treue EVZ-Fans aus Schwyz: Ueli Hasler und André Kälin.

Treue EVZ-Fans aus Schwyz: Ueli Hasler und André Kälin.

(Bild: woz)

«Das dauert noch lange», war sich dagegen ein EVZ-Fan sicher, der stets eine Minute vor Drittelende die Arena verliess, um frisches Bier zu tanken. Die viel umjubelte Führung durch McIntyre in der 17. Spielminute konnte ihn deshalb nicht wirklich beruhigen. «Die Zürcher brauchen bloss ein-zweimal vors Tor zu kommen und dann knallt’s.»

«Ich hoffe, der Verein hat den Mut, Harold Kreis als Trainer zu entlassen.»

EVZ-Fan

Recht sollte er behalten. Doch der EVZ kam wieder zurück – «EVZ, schiess ein Tor, schiess ein Tor, schiess ein Tooooor!». 2:2 stehts nach dem dritten Drittel. Doch die Nervosität unter den Fans ist gross. Die langen Pinkelschlangen vor den Männer-WCs vor der Verlängerung zeigen irgendwie an – jetzt gehts um alles.

Hat EVZ zu wenig Killierinstinkt?

«Ich hoffe, der Verein hat den Mut, Harold Kreis als Trainer zu entlassen, wenn der EVZ heute mit 1:4 im Playoff ausscheiden sollte», meint ein fachkundiger Chamer auf der K2-Tribüne mit säuerlicher Miene. Ihm gehe das »Schlafwagen-Hockey» des EVZ-Trainers schon lange auf den Wecker. «Da gehts immer nur um die Defensive. Da stecken zu wenig Emotionen dahinter», beklagt er. Insgesamt wirkt er aber auch etwas hilflos. «Vielleicht fehlt dem EVZ auch einfach grundsätzlich ein wenig der Killerinstinkt in den Playoffs.«

Draussen schneits, doch Weihnachten für den EVZ ist vorbei

Ein anderer EVZ mit Rockermähne, der frustriert am Geländer in der Nordkurve lehnt – wo es aussieht wie nach der Schlacht von Waterloo – sieht ebenfalls den EVZ-Trainer als den Hauptschuldigen für die Playoff-Misere des Vereins. «Er hat ja die ganze Zeit nur mit drei statt mir vier Linien gespielt – da kann man ja nicht gewinnen. Dsa hat die Mannschaft ausgezehrt.»

«Ich bin einfach nur traurig und mies drauf, dass der EVZ ausgeschieden ist. Fertig.»

Junger EVZ-Fan in der Nordkurve

Egal, draussen hat’s längst drei, vier Zentimeter geschneit. Wüsste man nicht, dass gerade der EVZ im Playoff-Viertelfinal verloren hat, könnte es auch Weihnachten sein. Doch für den EVZ gibt’s in der weissen Nacht keine Geschenke.

«Ich bin einfach nur traurig und mies drauf, dass der EVZ ausgeschieden ist. Fertig», sagt ein junger Hockeyfan in der Nordkurve, der mit dem Rücken zur Eisfläche auf dem Geländer sitzt. Man kann es ihm nachfühlen. Schade.

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