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Aus Geldmangel: Fünf Personen bei der Zuwebe entlassen
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50 Jahre zuwebe, sorgfältig in Jahrzehnte sortiert und künstlerisch verarbeitet im Kellergeschoss. (Bild: Laura Livers)

Folge von Sparmassnahmen des Kantons Aus Geldmangel: Fünf Personen bei der Zuwebe entlassen

6 min Lesezeit 2 Kommentare 24.08.2017, 13:25 Uhr

Die Sparmassnahmen des Kantons Zug betreffen auch soziale Institutionen. Sie mussten teilweise bereits Personal entlassen. Betroffen ist vor allem die Zuwebe. Doch auch andere Organisationen geraten unter Druck.

Der laufende «Sparkrieg» im Kanton Zug löst immer mehr Kollateralschäden aus: Es gibt Rivalitäten und Missstimmung unter sozialen Institutionen wegen öffentlichen Aufträgen (zentralplus berichtete).

Doch das Streichkonzert hat auch einschneidende Folgen für soziale Institutionen: Die Zuwebe musste aufgrund der gekürzten Gelder ihre Schlosserei am Standort Bösch in Hünenberg schliessen. Die behinderten Mitarbeitenden der Schlosserei mit einem geschützten Arbeitsplatz erhielten intern eine andere Beschäftigung. Zwei Fachpersonen verloren ihre Stelle bei der Zuwebe.

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«Wir versuchen, die Mitarbeitenden bestmöglich bei der Stellensuche zu unterstützen.»
Jeannine Villiger, Assistentin der Zuwebe-Geschäftsleitung

Die Personalmassnahmen betreffen aber nicht nur die Schlosserei. «Aufgrund der Sparmassnahmen mussten wir insgesamt fünf Stellen abbauen», erklärt die Assistentin der Geschäftsleitung Jeannine Villiger. «Die Kündigungen wurden auf alle Bereiche verteilt. Sie betreffen die Betreuung Wohnen und Arbeit, den Verkauf, die Administration und die Infrastruktur.» Die betroffenen Personen stammten aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen und Altersklassen.

Kündigungsfristen verlängert

Man habe die Situation mit jeder betroffenen Person individuell angeschaut. «Wir versuchen, die Mitarbeitenden bestmöglich bei der Stellensuche zu unterstützen. Unter anderem wurden Kündigungsfristen verlängert oder auch Outplacements finanziert.» Der Grund für die Entlassungen: Die Zuwebe erhält von 2017 bis 2019 rund eine Million Franken weniger vom Kanton. Die Schlosserei verlor aber auch laufend Aufträge und arbeitete defizitär.

Das Personal der Zuwebe, das seine Arbeit behalten hat, kommt ebenfalls unter Druck. «Wir haben einen Stellenstopp eingeführt und die Arbeitszeit moderat erhöht», so die Sprecherin weiter.

Momentan kann Zuwebe Verlust stemmen

Ob die Institution kaputtgespart werde, wollte zentralplus wissen. Im Moment könne die Zuwebe die Sparmassnahmen mit all diesen Massnahmen auffangen, sagt Jeannine Villiger. Deshalb sehe sie das nicht so.

Sie gibt aber zu bedenken, dass die Institution Zuwebe einen dualen Auftrag verfolgt. «Unser Hauptauftrag ist das Anbieten von geeigneten geschützten Arbeits- und Wohnplätzen und die Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigung. Unser zweiter Auftrag ist das Arbeiten nach wirtschaftlichen Kriterien und das Erwirtschaften von Einnahmen.»

Beschäftigungsmöglichkeiten gehen verloren

Durch die Sparmassnahmen werde der zweite Punkt immer wichtiger. «Wir müssen als Institution nach neuen Möglichkeiten suchen, um als Partner für Industrie, Wirtschaft und Handel attraktiv zu bleiben. Die neuen Gegebenheiten lassen es immer weniger zu, dass Arbeitsangebote, die finanziell nicht gewinnbringend sind, aber eine wertvolle Beschäftigungsgrundlage für unsere Klientinnen und Klienten darstellen, auf lange Sicht bestehen können.»

Werde der wirtschaftliche Aspekt künftig immer stärker gewichtet als der Betreuungsauftrag, so gehe dies zu Lasten der Klientinnen und Klienten. «Dies wäre unserer Meinung nach eine falsche Sparpolitik», so Villiger im Namen der Geschäftsleitung.

Die Zuger Fachstelle Punkto, welche in der Kinder- und Jugendförderung tätig ist, musste 12 Mitarbeiter entlassen.

Die Zuger Fachstelle Punkto, welche in der Kinder- und Jugendförderung tätig ist, musste 12 Mitarbeiter entlassen.

(Bild: Screenshot Homepage)

«Sparmassnahmen haben auch Leistungsdruck zur Folge.»
Heinz Spichtig, Geschäftsführer der Fachstelle «Punkto»

Zwölf Entlassungen bei «Punkto»

Die Sparprogramme tangieren auch den Baarer Verein, der die Zuger Fachstelle «Punkto Jugend und Kind – kjbz» führt. Er hat Leistungsvereinbarungen mit der Direktion des Innern, der Gesundheitsdirektion sowie Zuger Gemeinden. «Wir sind stark betroffen von den früheren Sparpaketen und es kommen weitere Sparmassnahmen auf uns zu», sagt Geschäftsführer Heinz Spichtig gegenüber zentralplus.
 
Das durch die Regierung beschlossene Insourcing der Arbeiten im Bereich der Kindesschutzmandate führte laut Spichtig Ende 2016 zum Abbau von zwölf Stellen. Im Juni 2017 musste die Fachstelle einer weiteren Person kündigen, erklärt er. «Sparmassnahmen haben auch Leistungsdruck zur Folge, und in einem Stellenprofil konnte nicht mehr Rücksicht auf das körperliche Handicap der Person genommen werden.»

Aus Spargründen hätten ebenfalls Dienstleistungen abgebaut werden müssen. «Die Telefonberatungszeiten bei der Mütter- und Väterberatung mussten um 25 Prozent gekürzt werden und Hausbesuche wurden aufgrund des Spardrucks reduziert.»

«Finanzen 2019»: Weitere drei Stellen gefährdet

Laut Spichtig kommt eine weitere Sparrunde auf die Institution zu, Stichwort «Finanzen 2019». Eine Massnahme, die der Regierungsrat in eigener Regie beschliessen kann, sieht die Einsparung von 180’000 Franken im Bereich der Kinder- und Jugendförderung vor. «Damit ist die Kinder- und Jugendförderung, wie sie der Verein seit über 25 Jahren erfolgreich im Kanton Zug betreibt, als ganzer Bereich, und damit weitere drei Arbeitsplätze, gefährdet, was wir sehr bedauern», sagt der Geschäftsführer.

GGZ@Work nimmt eine Auszeichung entgegen. (Bild: Archiv).

[email protected] nimmt eine Auszeichung entgegen. (Bild: Archiv).

Keine Personalreduktion bei der GGZ

Die gemeinnützige Gesellschaft Zug (GGZ) trägt die Verantwortung für 15 Institutionen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung, Jugend und Kultur. «Die GGZ musste im Zusammenhang mit dem Sparprogramm bisher kein Personal entlassen», sagt GGZ-Direktor Peter Fehr auf Anfrage.

«Wir sind der Meinung, dass Sparprogramme nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sind.»
Peter Fehr, Direktor GGZ

Die GGZ bringt ein gewisses Verständnis für die Sparübung auf: «Als Organisation mit einigen Leistungsvereinbarungen mit dem Kanton Zug sind wir der Meinung, dass Sparprogramme nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sind. Sofern nicht einfach linear gespart oder reduziert wird.» Es müsse dem Kanton erlaubt sein, gewisse Leistungen zu hinterfragen. Peter Fehr: «Dort, wo die Reduktionen unsere Leistungen betreffen, sucht die GGZ mit den zuständigen Stellen des Kantons das offene Gespräch.»

Kantonsbeitrag an Lehrerberatungen gestrichen

Unter den 22 Sparmassnahmen, die Ende Juni im Kantonsrat in erster Lesung beraten wurden, ist auch ein Posten für einen Kantonsbeitrag ans Coaching von Lehrpersonen und Schulleitern.

Bisher beteiligte sich der Kanton an der Finanzierung dieses Beratungs-Angebots der Pädagogischen Hochschule Zug und zahlte die Hälfte der Kosten. Nun soll der Kantonsbeitrag von 84’000 Franken im Jahr gestrichen werden.

«Der Kanton hat sich aus der Verantwortung gezogen.»
Vroni Straub-Müller, Zuger Kantonsrätin

Kantonsrätin Vroni Straub-Müller, die in der Stadt Zug auch das Bildungsdepartement führt, sprach sich im Kantonsrat erfolglos gegen die Streichung aus. «Die Konsequenz ist, dass die Gemeinden die Beratungen nun bezahlen müssen. Der Kanton hat sich aus der Verantwortung gezogen», sagt die CSP-Stadträtin.

PH Zug bedauert Einsparungen

Die Leiterin der Beratungsstelle für Bildungsfachleute, Christine Hofer, sagt auf Anfrage, die allfällige Streichung des Kantonsbeitrags beschäftige die Pädagogische Hochschule. «Wir sind daran, uns verschiedene Szenarien zu überlegen. Wir werden aber alles dafür tun, dass das Angebot erhalten bleibt und nicht stirbt.»

Es herrsche zwar nicht Alarmstufe rot. Dennoch werde seitens der PH sehr bedauert, dass der Kanton bei der Personalentwicklung seiner Mitarbeitenden in einem hochanspruchsvollen Tätigkeitsfeld Einsparungen vornehmen will.

Schwerwiegende Krisen erkennen 

Durch die Pauschalbeiträge des Kantons und der Schulgemeinden hat laut Hofer jede Lehr- und Führungsperson heute mehrere Stunden Beratung zugute, ohne dass dies zusätzliche Kosten generiert. «Es handelt sich um ein niederschwelliges Coaching-Angebot. So können Ansätze schwerwiegender Krisen frühzeitig erkannt und hoffentlich verhindert werden.»

Das Angebot der PH wird laut Hofer gut genutzt und geschätzt. 2016 verzeichnete die PH 537 Beratungsstunden. Das seien knapp neun Prozent mehr als 2015.
 

Streng geheim: Leistungsvereinbarungen mit 40 Institutionen

Der Kanton Zug hat bereits eine schlanke Verwaltung, weil er verschiedene staatliche Aufgaben gar nicht selbst wahrnimmt. Zug hat traditionell diverse Leistungsvereinbarungen mit privaten oder halbprivaten Vereinen, Verbänden und Unternehmen abgeschlossen. Insgesamt 40 Institutionen profitieren laut der Homepage des Kantons von Zuschüssen. Dort erfährt man nur, welche Aufgaben diese erfüllen.

Wie viel Geld sie erhalten, hält die Zuger Regierung unter Verschluss (zentralplus berichtete). Man darf zum Beispiel nicht wissen, was der Kanton der Frauenzentrale für Beratungen zahlt. Zur Informationspraxis sagt der Zuger Landschreiber Tobias Moser auf Anfrage: «Der Regierungsrat behandelt die mit den Drittorganisationen abgeschlossenen Leistungsvereinbarungen und Subventionsvereinbarungen als vertraulich. Dasselbe gilt für Beitragsverfügungen.»

Die Sparmassnahmen des Kantons Zug betreffen diverse soziale Institutionen, die eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton haben oder von diesem sonst subventioniert werden. Die Direktion des Innern von Manuela Weichelt (ALG) und die Gesundheitsdirektion von Martin Pfister (CVP) haben zahlreiche Leistungsvereinbarungen mit Externen, ebenfalls die Volkswirtschaftsdirektion von Matthias Michel (FDP) im Bereich der Beschäftigungsmassnahmen für Arbeitslose.

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2 Kommentare
  1. Räto Leber, 25.08.2017, 10:08 Uhr

    Dass der Kanton den Beitrag für die LehrerInnenberatung gestrichen hat, ist nicht schlimm. Die Ratschläge, die man bei Coachingsgesprächen bekam, war immer dieselbe: Sie müssen sich bei Problemen mit der Schulleitung anpassen oder kündigen. Dass der Fehler auch bei der Schulleitung liegen könnte, wurde nicht in Betracht gezogen. In Lehrerkreisen heisst es, dass man bei dieser Stelle lerne, den Kopf vor allem zum Nicken anstatt zum Denken zu gebrauchen.

  2. Edith Seger Niederhauser, 25.08.2017, 08:43 Uhr

    Nach der Lektüre dieses Berichts kann ich nur sagen, ich bin hässig. Für die Auswirkungen der “Sparerei” im sozialen Bereich, werden wir früher oder später teuer bezahlen.