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Aufbruch, um den Bossen die Boni zu kürzen
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Um die Boni dieser Herren dreht sich die Debatte: Stephan Marty (links, EWL), Norbert Schmassmann (VBL, oben rechts) und Beat Demarmels (Viva-Altersheime). (Bild: zVg)

Luzern: Streit über die Höhe von variablen Löhnen Aufbruch, um den Bossen die Boni zu kürzen

4 min Lesezeit 13.06.2017, 16:22 Uhr

Die SP will die Boni-Ausschüttung in stadtnahen Betrieben eindämmen. Doch mit der vom Luzerner Stadtrat vorgeschlagenen Lösung ist sie nicht zufrieden. Jetzt geht die Debatte über die Kaderlöhne bei Verkehrsbetrieben und Co. in die nächste Runde.

Geld polarisiert. Besonders, wenn die Nullen vor dem Komma zahlreicher werden und diese Beträge monatlich auf private Konti fliessen. Das ist auch in der Stadt Luzern nicht anders. Seit im Herbst 2016 bekannt wurde, was Kaderleute aus stadtnahen Betrieben verdienen, wurde viel über ihre Löhne diskutiert (zentralplus berichtete).

Auf politischer Ebene gaben vor allem die Boni zu reden. Diese sind im Vergleich zum Fixlohn teilweise relativ hoch, wie der Fall des EWL-Chefs Stephan Marty zeigt. 2015 war sein variabler Lohn (185’000 Franken) höher als der Fixlohn (rund 160’000 Franken). Zum Vergleich: VBL-CEO Norbert Schmassmann hatte mit 235’400 Franken einen höheren Fixlohn als Marty, kassierte aber im Jahr 2015 «nur» 27’000 Franken Bonus.

Diesem bunten Boni-Treiben wollten Simon Roth und Claudio Soldati mit einem Postulat ein Ende setzen. Die beiden SP-Grossstadträte forderten vom Stadtrat, eine einheitliche Regelung auszuarbeiten. Die variablen Vergütungen (Boni) sollten nach dem Willen der SP nicht mehr als 20 Prozent und die übrigen Vergütungen (Sitzungsgelder, Spesen) nicht mehr als 10 Prozent der Basisvergütung betragen (zentralplus berichtete). Nun liegt die Antwort des Stadtrates vor: Er kam zum Schluss, dass die Plafonierung gemäss dem SP-Vorstoss zu stark einschränkend und nicht marktkonform sei.

Höherer Fixlohn, weniger Boni

Grundsätzlich wäre die Idee der Postulanten, die Fixlöhne anzuheben und die variablen Lohnanteile zu kürzen. Diesen Trend befürwortet zwar der Stadtrat, wenn auch nicht in dem Ausmass, wie es Roth und Soldati vorsehen. Als prüfenswert beurteilt der Stadtrat eine Lösung, wie sie auch auf Bundesebene zu finden ist: Der variable Lohnanteil und die Nebenleistungen dürfen zusammen maximal 60 Prozent der fixen Basisvergütung betragen.

«Der variable Lohn soll nicht unverhältnismässig hoch sein.»
Franziska Bitzi Staub, Finanzdirektorin der Stadt Luzern

«Die Anteile von Fixlohn und variablen Löhnen sind sehr stark branchenabhängig. Da wollen wir als Stadt keine zu restriktiven Vorgaben betreffend Boni machen», sagt Franziska Bitzi Staub, Finanzdirektorin der Stadt Luzern. Sie nennt beispielsweise die Bankenbranche, welche keinen 13. Monatslohn kennt und dafür sehr stark mit der Ausschüttung von variablen Löhnen als finanziellen Anreiz für Bestleistungen arbeitet.

«Je nach Branche hätten die betroffenen Gesellschaften bei zu restriktiven Boni-Vorgaben Probleme bei der Rekrutierung von Kaderleuten», sagt Bitzi. Die Stadt sei daran interessiert, dass der festgelegte Lohnanteil sowohl der Funktion als auch der Branche angepasst und diesbezüglich fair sei. «Auch deshalb soll der variable Lohn nicht unverhältnismässig hoch sein.» Ob Bitzi damit auf die sehr hohen Boni des EWL-Chefs anspricht, die höher als sein Fixlohn sind, will die CVP-Stadträtin nicht sagen. «Zu einzelnen Unternehmen mache ich keine Aussagen», so die Finanzdirektorin. 

«Wir sind der Ansicht, dass nicht nur die Teppichetage zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt, sondern alle Mitarbeiter.»
Simon Roth, Mitinitiant des Postulats und SP-Grossstadtrat

Enttäuschung bei den Initianten

SP-Grossstadtrat Simon Roth ist enttäuscht über die Antwort des Stadtrates. «Wir sind der Ansicht, dass nicht nur die Teppichetage zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt, sondern alle Mitarbeiter.» Daher sei die Boni-Ausschüttung auf Kaderstufe in dem vom Stadtrat vorgeschlagenen Ausmass fragwürdig.

Auch dass gerade hochqualifizierte Kräfte ihren Beruf nicht nur aus finanziellen Motiven ausübten, sondern vor allem, weil er ihnen Freude bereitet, spreche gegen Boni. «Ich sehe keinen Grund, weshalb dies bei den Geschäftsleitungen der städtischen Betriebe anders sein sollte», so Roth.

«Tiefere Boni und höhere Fixlöhne wären unserer Meinung nach die fairere Variante für alle Beteiligten.»
Simon Roth, SP-Grossstadtrat

Dazu komme, dass die Boni – wenn sie tatsächlich Boni seien – erfolgsabhängig seien. «So weiss kein Kadermitglied, wie viel Ende des Jahres auf dem Lohnkonto zu finden ist. Daher wären tiefere Boni und höhere Fixlöhne unserer Meinung nach die fairere Variante für alle Beteiligten.» Wie viel fix ins Portemonnaie fliessen soll, ist indes noch unklar. «Wie hoch die Fixlöhne bei tieferen Boni ausfallen müssten, ist aus der Distanz schwer zu beurteilen», sagt Roth.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Obwohl der Stadtrat mit seinem Vorschlag den Postulanten ein Stück weit entgegenkommt, gibt sich Roth nicht damit zufrieden: «Wir werden an unserem Postulat festhalten.» Das Parlament wird voraussichtlich am 29. Juni darüber debattieren. «Ich habe bereits auf informeller Ebene mit einigen Parlamentariern gesprochen und werde versuchen, andere für unser Anliegen zu gewinnen», sagt der SP-Grossstadtrat.

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