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Auf einmal ist Transparenz kein Thema mehr
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Wie werden die Kulturgelder der Stadt verteilt: So kompliziert wie es schien, ist die Sache nun doch nicht. (Bild: fotalia.com)

Verteilung von Kulturgeldern in Luzern Auf einmal ist Transparenz kein Thema mehr

3 min Lesezeit 1 Kommentar 08.04.2015, 10:10 Uhr

Der Luzerner Kulturfonds Fuka muss neu aufzeigen, wohin seine Mittel fliessen. Der Stadtrat war immer gegen soviel Transparenz. Nun erfolgt ein Meinungsumschwung. Vor allem das Hauptargument ist plötzlich vergessen.

«Wir werden eine einfache, unkomplizierte Lösung finden und umsetzen», so die Stadträtin Ursula Stämmer. Der Stadtrat scheint dem Entscheid über die künftige Veröffentlichung aller Beiträge aus dem Fonds zur Unterstützung kultureller Aktivitäten (Fuka) entspannt gegenüberzustehen. Vor Kurzem jedoch hörte sich das noch anders an.

Das Postulat der Grünen Grossstadträte Urban Frye, Ali R. Celik und Christian Hochstrasser fordert einen Rechenschaftsbericht über die Aufteilung von rund einer Million Franken, welche an zahlreiche Kulturschaffende vergeben wird. «Es ist nicht einzusehen, warum diese Beiträge nicht aufgelistet werden sollen. Eine Auflistung schafft Transparenz und fördert das Vertrauen der Stadtbevölkerung in die Regierung und die Verwaltung», heisst es im Postulat. «Der Aufwand für eine Offenlegung dürfte gering sein, da intern sicherlich bereits eine Auflistung vorhanden ist», wird dabei argumentiert.

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Nicht zweckmässig, zu aufwendig?

Zu Beginn war die Antwort des Stadtrats auf das Postulat klar. Man erachte es nicht als zweckmässig, die rund 350 Gesuche und die Entscheide dazu im Geschäftsbericht «auf geschätzten rund zehn Seiten» zu publizieren. Der Stadtrat lehnte das Postulat damit ab.

In der Öffentlichkeit wurde die Haltung des Stadtrats kritisiert. Im Blog «Kulturflaneur» hiess es zur Forderung des Postulats: «Genau dies fordern die Kulturschaffenden schon seit Jahren, gleich geblieben ist auch die Antwort von Kulturchefin Rosie Bitterli, es sei zu aufwendig, zu jedem Gesuch eine Begründung mitzuliefern.»

«Transparenz ist wichtig.»
Ursula Stämmer, Luzerner Stadträtin

Auch das Stadtparlament war nicht derselben Meinung wie der Stadtrat: Es überwies das Postulat mit grosser Mehrheit. «Das hat das Parlament nun so entschieden und für die Stadtverwaltung und den Stadtrat ist das auch okay», so Stämmer nun. Der Aufwand ist kein Thema mehr. «Der Zusatzaufwand ist klein und wird bei der Abteilung Kultur und Sport geleistet», erklärt Stämmer. Auch bei der FUKA-Fondsverwaltung entstehe keine zusätzliche Arbeit, da in den Sitzungen sowieso Protokoll geführt werde.

Transparenz und verbindliche Kriterien

Benji Gross, Präsident des Fonds, erklärt die Vorgehensweise: «Jedes Gesuch wird einzeln besprochen. Einige, kleinere Gesuche werden im Vorfeld von einer Subgruppe diskutiert und anschliessend im Plenum empfohlen. Auch hier kommt es, wenn nötig, noch einmal zu einer Diskussion.» Ausserdem seien die Kriterien für die Vergabe von Geldern klar und verbindlich: «Es braucht beispielsweise einen klaren Bezug zur Stadt Luzern, Professionalität
 und Originalität
. Ein realistischer Finanzierungsplan
 und Eigenleistungen müssen ausserdem vorhanden sein.»

Wer entscheidet über die Gelder?

Die Mitglieder der Kommission werden gemäss Reglement vom Stadtrat gewählt. In der Regel gestützt auf Vorschläge aus der Kommission. Wichtig dabei ist, dass die Breite des kulturellen Lebens und Schaffens möglichst aller Sparten abgedeckt ist, dass die Fondsverwaltungsmitglieder das kulturelle Schaffen und Leben in Luzern kennen und dass sie in einzelnen Kunstbereichen sachkundig sind.

Daher könne man die Vergabe der einzelnen Beiträge klar und nachvollziehbar aufzeigen. «Transparenz ist wichtig», betont Ursula Stämmer. Die Forderung nach mehr Transparenz macht Stämmer daran fest, dass «generell verschiedene Kulturförderstellen angefangen haben, ihre Entscheide zu publizieren».

In der Öffentlichkeit war im vergangenen Jahr vor allem der Lotteriefonds und die Verteilung dieser Gelder ein Thema, das öffentlich kritisch diskutiert wurde (zentral+berichtete). Eine Verbindung zwischen dem Postulat zum FUKA-Fonds und der Verteilung der Lotteriefonds-Gelder sieht Stämmer jedoch nicht. «Diese werden ja vom Kanton verteilt.»

Neidkultur unter den Kulturschaffenden?

Im Raum stand vor der Überweisung des Postulats auch die Diskussion, dass tendenziell die Gefahr rechtlicher Auseinandersetzungen und einer Neidkultur zwischen den Kulturschaffenden bestehe. Der «Kulturflaneur» hält diese Angst für unbegründet, denn: «Wer beisst schon die Hand, die ihn beim nächsten Projekt vielleicht wieder füttert?»

Keine Freude an diesem Sprichwort im Zusammenhang mit dem Fuka-Fonds hat der Stadtrat. Es unterstelle, dass Beiträge zu einer Abhängigkeit und Gefügigkeit führen, findet Stämmer. «Wir gehen nicht davon aus, dass es in der Kulturförderung der Stadt Luzern so zugeht», so die Stadträtin und ergänzt: «Wir haben auch keine Hinweise darauf, dass sich die Kulturschaffenden so fühlen.»

An eine Neidkultur glaubt Stämmer ebenfalls nicht: «Die gibt es heute auch nicht. Viele Gesuchstellende kennen sich gegenseitig und pflegen den Austausch.»

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1 Kommentare
  1. Hansruedi Hitz, 12.04.2015, 14:04 Uhr

    Ursula Stämmer, die politische Chefin der Kulturchefin, hat Recht: Die Beiträge des FUKA-Fonds führen bei den Kulturschaffenden nicht zu Abhängigkeit, dafür sind sie einfach zu niedrig. Und hoffentlich auch nicht zu Gefügigkeit, denn im Kulturbereich soll — anders als bei der Produktion von Turnschuhen — das Produkt nicht dem Geschmack des Publikums und schon gar nicht der Kulturförderung angepasst werden. Wenn andererseits ein Kulturprodukt den Geschmack des Publikums trifft und zu einem Bestseller, Top-Ten-Hit oder Blockbuster wird, dann braucht es keine Kulturförderung mehr. Dennoch ist es so, dass Produktionen, v.a. im Theater- und Tanzbereich, nur zu Stande kommen, wenn sie von der öffentlichen Hand gefördert werden. Obwohl also die FUKA-Fonds-Beiträge fast immer zu niedrig sind, kann eine Ablehnung eines Gesuchs für ein Kulturprojekt das Aus bedeuten.