Auf diese Bücher stürzen sich Zugerinnen und Zuger  in der Krise
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Seit dem 1. April bietet die Stadtbibliothek Zug auch einen Lieferdienst an. (Bild: zvg)

Neuanmeldungen bei der Stadtbibliothek verdreifacht Auf diese Bücher stürzen sich Zugerinnen und Zuger in der Krise

3 min Lesezeit 15.04.2020, 13:30 Uhr

Die Stadtbibliothek Zug verzeichnet rekordhohe Zugriffszahlen. Auch der E-Book-Konsum steigt rasant. Zudem hat das Bücherhaus schnell reagiert und einen Hauslieferdienst realisiert. Auch das hat sich gelohnt.

Es ist eine der guten Seiten der Corona-Krise: Es wird wieder mehr gelesen. Eine, die das zweifelsfrei bestätigen kann, ist Jasmin Leuze. Die stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek Zug stellt eine ausserordentliche Zunahme an Neukunden fest: «Bei den neuen Nutzerinnen und Nutzern haben wir im Vergleich zum Vorjahr im gleichen Zeitraum einen deutlichen Zuwachs – eine Verdreifachung.»

Das schlägt sich auch in den Ausleihen nieder. Obwohl es erst Mitte April ist, lässt sich ein deutlicher Trend erkennen: «Bereits jetzt, Mitte des Monats, haben wir mit 17’000 Downloads eine wesentlich höhere Downloadrate als im Vergleich zum letzten Jahr im März und April», sagt Leuze. 

Dabei interessiert natürlich, was die Zugerinnen und Zuger in Zeiten der Krise lesen. Die folgenden Angaben/Zahlen beziehen sich auf die Onleihe von DiBiZentral. Die Toptitel:

E-Magazine und -Zeitschriften

  1. Schöner Wohnen
  2. Brigitte Woman
  3. Beobachter

Das Thema «Wohnen» ist in Zeiten des Zuhausebleibens wenig überraschend ein Top-Thema. Darüber hinaus sei auch bei den E-Papers der Zeitungen eine deutliche Zunahme zu spüren, wie Leuze ergänzt.

E-Books

  1. Wo wir uns finden, Nicholas Sparks
  2. Die Mondschwester, Lucinda Riley
  3. Die Perlenschwester, Lucinda Riley

Riley und Sparks besetzen auch in den Besten-Listen des Schweizer Buchhandels die Spitzenplätze. Spannend ist, was auf den hinteren Plätzen passiert.

In der Krise werden die Leser patriotisch

Gaby Mattmann, Fachbereichsleiterin der Bibliothekarischen Dienste der Stadtbibliothek, stellt einen Trend zu schweizerischen Autoren fest. «Es scheint, dass die Menschen auch beim Bücherlesen ganz auf Lockdown setzen und heimische Kost bevorzugen.»

Auf der Liste der Bücher, die in den letzten Tagen und Wochen in der Bibliothek Zug am meisten ausgeliehen worden sind, stehen überdurchschnittlich viele Schweizer Autorinnen: Etwa Gian Maria Calonders «Endstation Engadin», Arno Camenischs «Herr Anselm», Silvia Götschis «Mord im Parkhotel» und Andreas Neesers «Wie wir gehen».

Neesers Roman ist auch Mattmanns persönlicher Buchtipp: «In diesem Roman, erschienen in diesem Frühjahr, geht es um die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen, zwischen Mona, der Tochter, und ihrem Vater Johannes. Es geht darum, dass wichtige Dinge nicht zur Sprache kommen.»

Mona bittet den Vater, seine Geschichte auf Band aufzunehmen. Der Vater erzählt von seiner schwierigen Kindheit als Verdingbub. Der Roman erzählt aber auch die Geschichte von Mona als Mutter, wie auch sie das Gefühl bekommt, es niemandem recht machen zu können. «Kurz: Die richtige Geschichte in Zeiten von Physical Distancing und Homeoffice», so Mattmann.

Lieferservice wird ausgebaut

Neben Büchern und Zeitschriften bietet die Stadtbibliothek seit Januar auch Filme an. Da der Streamingdienst «Filmfriend» seit Mitte Januar angeboten wird, liegen noch keine Zahlen vor. «Beim Musikdienst Freegal, dem Informationsdienst GENIOS und dem E-Book-Vertreiber OverDrive war zumindest bis Ende März noch keine grosse Veränderung spürbar», ergänzt Jasmin Leuze.

Dafür ist auch der Lieferservice der Stadtbibliothek, der seit dem 1. April angeboten wird, gut angelaufen. Für zehn Franken (fünf bei Kinder- und Jugendbüchern) werden bis zu drei Bücher nach Hause geliefert. «Innerhalb von acht Tagen konnten wir rund 120 Päckli an unsere Kundinnen und Kunden verschicken.» Die Auswahl der nachgefragten Bücher sei bunt gemischt: «Medien für Kinder als auch Erwachsene sind gefragt. Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv und der Service wird sehr geschätzt», so Leuze.

Dem Vorbild aus Zug folgen übrigens auch die Luzerner Bibliotheken: Zum Preis von zehn Franken können bis zu fünf Medien bestellt werden. Der Velokurier Luzern übernimmt die Auslieferung (zentralplus berichtete).

Derweil beschäftigt sich Leuze bereits mit dem Ausbau des Angebots, das weiterhin über die Webseite der Stadtbibliothek bezogen werden kann: «Neu bieten wir individuell zusammengestellte Überraschungspakete an.» Damit wird auf den Umstand reagiert, dass viele gar nicht nach spezifischen Büchern und Medien fragen, sondern einfach die Zeit mit sinnvollem Lesestoff verbringen wollen.

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