Gesellschaft

Topfbaum? Nicht über alle Zweifel erhaben
Auf der Suche nach dem nachhaltigen Weihnachtsbaum in Zug

  • Lesezeit: 5 min
  • Kommentar: 1
Nachhaltige Sache oder Baumquälerei? An Topftannen scheiden sich die Geister.
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Nachhaltige Sache oder Baumquälerei? An Topftannen scheiden sich die Geister. (Bild: Adobe Stock)

Weihnachtsbäume im Topf sind im Trend. Kein Wunder, wollen viele doch nachhaltiger leben. Für Zuger gibt es mittlerweile zwar Möglichkeiten, diesen Wunsch zu erfüllen. Nicht alle sind jedoch ökologisch sinnvoll. Und dann gibt es Weihnachtsbaumproduzenten, die überhaupt nicht angetan sind von dieser Idee.

Vermutlich bleiben die richtig grossen Weihnachtsfeste mit den Uronkeln und den Cousinen dritten Grades heuer pandemiebedingt erneut aus. Nun denn, denken sich vielleicht einige Zuger: Ein wenig feiern will man ja trotzdem, und dazu gehört zumindest ein ordentlicher Weihnachtsbaum.

Gleichzeitig hat man ein schlechtes Gewissen, dass fürs eigene Vergnügen extra ein Tannli dran glauben muss. Wir haben uns darum auf die Suche gemacht nach der besten Option. Soviel vorweg: So simpel ist das nicht.

Worin man sich einig sein kann: Einen Christbaum aus Holland zu importieren, ist zwar womöglich günstiger, doch nicht unbedingt ökologisch. Besonders wenn man bedenkt, dass auch hiesige Bauern mit einem schönen Angebot dienen können.

Was in Zug fehlt: Ein Angebot für Mietbäume

In den letzten Jahren haben verschiedene Christbaumbauern und Gärtnereien angefangen, lebendige Bäume in Töpfen zu verkaufen oder auch zu vermieten. Noch gibt es im Kanton Zug kein Angebot für Mietbäume. Die nächste Option gibt es in Kriens. Die Gärtnerei Niederberger kultiviert Christbäume und vermietet nun im vierten Jahr auch solche im Topf. «Das Angebot ist entstanden, weil wir immer wieder Anfragen dazu hatten. Die Leute beginnen, ökologischer zu denken», erklärt Paul Niederberger.

«Man muss die Tanne verstehen und herausfinden, was sie mag.»

Paul Niederberger, Krienser Weihnachtsbaumproduzent

Anders als andere Anbieter pflanzt er seine Bäume direkt in den Topf und nicht in den Boden. «Wenn man die Tannen aus dem Boden sticht, kappt man auch ihre Wurzeln. Dass sie danach bei warmen Temperaturen in einem Wohnzimmer stehen, ist für sie ein doppelter Stress», beteuert er. Da sei es besser, sie direkt in den Topf zu pflanzen. «So können sie sich von klein auf daran gewöhnen. Sie wachsen langsamer als die Bäume im Boden, entwickeln aber einen eigenen Charakter.»

Doch tatsächlich sei es für ihn ein Ausprobieren. «Man muss die Tanne verstehen und herausfinden, was sie mag. Ich befasse mich jedoch gern damit, die Baumschule ist quasi mein Hobby», sagt Niederberger.

Schon liegen sie da, die ersten gebodigten Tännli.

Der Aufwand, Topftannen zu kultivieren, sei etwas höher als bei solchen, die geschnitten werden. «Viele Weihnachtsbaumplantagen sind mittlerweile voll mechanisiert.» Ausserdem käme bei den Mietbäumen das Liefern und Abholen dazu, auch müsse man sie je nachdem wieder aufpäppeln. «Darum kosten sie auch rund einen Drittel mehr als unsere Schnittbäume», sagt Niederberger. Hübsches Detail: Gefällt einem ein Baum besonders, kann man ihn gleich für die Festtage der kommenden Jahre reservieren.

Bitte einmal die Rottanne mit den blauen Kugeln und silbernem Lametta

Und dann gibt es für Zugerinnen Möglichkeiten, die etwas seltsam anmuten. Über die Webseite Traumbaum.ch kann ein Baum nicht nur gemietet werden, sondern wird auch gleich vor die Haustüre geliefert. Wenn das letzte Weihnachtslied verklungen und das letzte Guetsli gemampft ist, wird er wieder abgeholt und weiterkultiviert. Bloss kommen die Bäume nicht vom nächsten Bauernhof, sondern aus einer Baumschule im Bündner Dorf Filisur.

Zwar werden Sammelfuhren gemacht, doch bleibt unklar, wie ökologisch das Ganze wirklich ist, auch wenn, wie auf der Website beteuert wird, «auf grösstmöglichste Nachhaltigkeit» gesetzt werde und die Bäume in den Bergen nach «ökologischen Richtlinien» gezogen werden. Kommt dazu, dass ein solcher Baum deutlich teurer ist als ein geschnittener. Die Miete einer Nordmanntanne von zwei Metern Höhe kostet – inklusive Lieferung und Abholung – 256 Franken. Und sie muss naturgemäss besser gepflegt werden. Ein Baum, der noch lebt, braucht etwa mehr Wasser und muss gemächlich an Temperaturunterschiede gewöhnt werden.

Die Firma Ecosapin liefert ebenfalls Mietbäume nach Zug. Mehr noch: Wer’s wirklich eilig hat, der kann sich einen bereits geschmückten Baum liefern lassen. Doch die Tannen kommen ebenfalls nicht aus dem Nachbardorf, nicht mal aus Filisur. Gemäss Homepage werden sie aus Frankreich, Belgien und Deutschland importiert. Begründet wird dies mit der zu geringen Inlandproduktion. Das soll sich allerdings ändern: Mittlerweile seien zwar 4’000 Tannen in der Schweiz gepflanzt worden, doch seien diese noch nicht gross genug.

Vorne ein Bild von einer Tanne, die einst im Topf war und nun bei Beda Schlumpf aufgepäppelt wird. (Bild: zvg)

Kritik an Trend: Reine Augenwischerei?

Nicht alle Fachleute sind Fan vom Topfbaum-Trend. Beda Schlumpf ist einer der grösseren Weihnachtsbaumproduzenten im Kanton Zug. Für ihn kommt es nicht in Frage, seiner Kundschaft Topfbäume anzubieten. «Bäume im Topf funktionieren nicht», ist er überzeugt. «Damit ein Baum leben kann, braucht er den Austausch mit Mikroorganismen. Eine ein Meter hohe Tanne in der Natur hat Wurzeln, die siebzig Zentimeter in die Erde reichen.»

«Das Argument der nachhaltigen Bäume ist für mich Augenwischerei.»

Beda Schlumpf, Zuger Baumproduzent

Neben den oft langen Transportwegen kritisiert Schlumpf, dass es den Bäumen, nachdem sie zwei Wochen im Wohnzimmer standen, schlecht gehe. «Ich schätze, dass 60 bis 70 Prozent davon dann sowieso kompostiert werden. Das Argument der nachhaltigen Bäume ist für mich Augenwischerei.»

Ein Schnittbaum weise eine deutlich bessere Bilanz auf. «Dieser ist schon mehrere Jahre gewachsen und hat schon eine Menge C02 neutralisiert. In der Kompostieranlage wird er zurück in den Kreislauf gespeist», sagt der Produzent.

Bäume hingegen aus der Erde zu nehmen und sie wieder einzupflanzen, hält er für Unsinn. «Sie müssen sich diese Maschinen vorstellen wie eine Guetzliform. Der Baum wird einfach ausgestochen, wodurch die Feinwurzeln abgeschnitten werden. Pflanzt man ihn später irgendwann wieder ein, braucht es einige Zeit, dass sich diese wieder entwickeln können.»

Hagelschäden sind spürbar

Im letzten Sommer hatten einige Zuger Christbaumproduzenten Hagelschäden zu beklagen (zentralplus berichtete). So auch der Baarer Landwirt Beni Langenegger. Wie sieht seine Lage heute aus? «Wir haben versucht, die betroffenen Bäume einigermassen zurechtzuschneiden und lassen sie nun noch etwas wachsen.» Für dieses Jahr hat er deshalb etwas weniger eigene Gewächse. Doch habe er Bäume anderer Produzenten zugekauft, um der Kundschaft ein genug grosses Angebot bieten zu können.

Apropos Nachhaltigkeit: Langenegger zählt seit vielen Jahren auf die Unterstützung von Shropshire-Schafen, die quasi als vierbeinige Rasenmäher und Unkrautvertilger fungieren, die Tannenbäume aber unberührt lassen. 

Shropshire-Schafe wie diese hier leisten auch bei Langeneggers ihre Arbeit.

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1 Kommentare
  1. Roli Greter, 29.11.2021, 23:31 Uhr

    Nachhaltig UND Weihnachtsbaum passt generell nicht zusammen. Könnte man langsam mal Abschied davon nehmen? Gerne auch gleich die entsprechende Beleuchtung und das Silvestergeknalle weglassen, herzlichen Dank. ❤️🍀

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