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Auf der Suche nach dem Zuger Natureis
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Auch der Hünenberger Waldweiher ist trotz durchgehender Eisfläche noch nicht freigegeben. (Bild: hch )

Wo Schlittschuhlaufen bald möglich sein könnte Auf der Suche nach dem Zuger Natureis

4 min Lesezeit 28.02.2018, 10:41 Uhr

Trotz Minustemperaturen und der kältesten Nacht seit langer Zeit: Zuger Schlittschuhfreunde brauchen noch etwas Geduld, bis sie Natureisflächen befahren können. Hoffnungen kann man sich jedoch machen, denn bereits am Donnerstag könnte alles anders aussehen.

 

Wenn wir uns schon bei minus 9 Grad über rutschige Strassen und durch vom Eiswind gebeutelte Gassen quälen müssen, dann soll gefälligst auch etwas schönes herausschauen. Und das tut es auch. Wenn es genug lange kalt ist, dann gefrieren die hiesigen Gewässer, man kann seine Schlittschuhe aus dem Keller nehmen und sich aufs Eis und an den dreifachen Rittberger wagen.

Aber sind sie denn schon bereit für unsere waghalsigen Schlittschuhmanöver, die Zuger Teiche und Weiher? Wir fragen bei den Zuger Gemeinden an und flugs verflüchtigt sich unsere voreilige Euphorie.

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Margrit Nussbaumer von der Gemeinde Steinhausen etwa sagt: «Der Steinhauserwaldsee ist noch nicht für die Bevölkerung freigegeben.» Letzte Woche sei man dort gewesen, da «hatte es entlang des Ufers erst einen Hauch von Eis, weshalb der See abgesperrt wurde». Zudem seien Tafeln aufgestellt worden.

Oft ist die Eisqualität zu schlecht

Am Donnerstag werde die Zuger Polizei, welche fürs Eis zuständig ist, eine erneute Messung durchführen. «Der Spezialist der Polizei führt die Messungen aus und gibt das Ergebnis der Gemeinde bekannt. Ist das Eis genug tragfähig, sprechen sich die Polizei und die Gemeinde ab.» Den Entscheid für die Freigabe muss aber die Gemeinde fällen, so Nussbaumer weiter.

«Nur zwei mal in den letzten 15 Jahren war der See während einer ganzen Woche zugänglich.»

Margrit Nussbaumer, Abteilungsleiterin Sicherheit der Gemeinde Steinhausen

Oft sei die Eisqualität zu schlecht, um den Weiher zu betreten. Etwa, wenn es auf das Eis regnet oder schneit. «Zweimal in den letzten 15 Jahren war der See während einer ganzen Woche zugänglich, ein paar Mal für kürzere Phasen.»

Doch bevor nun die Schlittschuhe unvollendeter Taten wieder im Keller verstaut werden, fragen wir noch weiter. Denn es gibt im Kanton Zug ja noch weitere, etwas kleinere Weiher. So etwa in Hünenberg. Als Geheimtipp gelten nämlich die beiden Tümpel im Langholzwald und beim Giessen, gleich neben der Reuss.

Urs Felix von der Hünenberger Sicherheitsabteilung erklärt jedoch, dass auch diese Weiher trotz der aktuellen Kälte noch nicht freigegeben worden seien. «Wir müssen die Lage gemeinsam mit der Polizei anschauen», erklärt auch er.

Nicht mal auf dem Zugerberg kann man Pirouetten drehen

In anderen Zuger Gemeinden sieht es nicht besser aus. Der Weiher bei der Binzmühle in Rotkreuz sei grundsätzlich selten gefroren, erklärt man uns bei der Gemeinde Risch-Rotkreuz. Dies insbesondere, weil das Wasser durch die Bäche, die in das Seelein und wieder rausfliessen, zu sehr in Bewegung sei. So sei es in den letzten paar Jahren kaum je vorgekommen, dass der Weiher begehbar gewesen sei.

Der Binzmühle-Weiher in Rotkreuz ist wegen seiner Bäche selten gefroren.

Der Binzmühle-Weiher in Rotkreuz ist wegen seiner Bäche selten gefroren.

(Bild: Google Maps)

Und in den Berggemeinden? Menzingen liegt ja ordentlich hoch und hat zudem mit dem Wilersee ein hübsches Gewässer mit toller Kulisse. Nix da, versichert man uns jedoch auf der Gemeinde. Der Wilersee beherberge eine Pumpe. Und weil mit dieser das Wasser konstant umgewälzt werde, gefriere der See grundsätzlich nicht.

Und auch die automatische Telefonauskunft des Zugerbergs klärt uns darüber auf, dass nicht einmal der Löschweiher neben der Bergstation begehbar sei.

Die Polizei entscheidet, wie dick das Eis sein muss

Nun wollen wir’s aber genau wissen. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit die Zuger Seen, Weiher und Flüsse betreten werden dürfen? Und wir finden heraus, dass Eis eine Wissenschaft für sich ist.

Polizeisprecher Frank Kleiner erklärt: «Im allgemeinen widerspiegelt die Eisdecke den Verlauf der Witterung, weshalb ganz unterschiedliche Eisarten anzutreffen sind.» So weise das Klar- oder Schwarzeis die höchste Festigkeit auf. Zudem sei dieses wegen seiner glatten Oberfläche für den Schlittschuhlauf besonders geeignet. «Solches Eis entsteht, wenn die Wasseroberfläche ohne Störung durch Wind oder Niederschlag gefriert.»

Bei solchem Eis benötige es für eine Freigabe eine Dicke von 12 Zentimetern. Damit dies geschehe, bedürfe es einer längeren Kälteperiode um den Gefrierpunkt und ohne entsprechende Umwelteinflüsse, so Kleiner.

Derzeit sind keine Zuger Gewässer freigegeben

Schneie es, während tiefe Temperaturen vorherrschten, werde das entstehende Eis deutlich weniger tragfähig. Daher müsse auch die Eisdecke um einiges stärker sein. Um die Eisqualität zu messen, werden gemäss der Polizei sogenannte Eisblöcke aus dem Eis geschnitten.

Wenn sich auf den Gewässern eine Eisschicht gebildet habe, kontrollieren Spezialisten der Zuger Polizei diese mehrmals und messen die entsprechende Eisdecke. Sei diese genügend stark und erfülle sämtliche Bedingungen, erfolge eine Meldung an die entsprechende Gemeinde, so Kleiner. Denn: «Die jeweilige Gemeinde trägt die Verantwortung und ist auch für die Sperrung der Eisflächen zuständig.»

Wie die Zuger Polizei unsere Befüchtungen bestätigt, ist derzeit kein Gewässer im Kanton Zug für die Bevölkerung zugänglich. Und so schnappen wir unsere Schlittschuhe, und machen uns missmutig auf ins Herti. Künstliches Eis ist immer noch besser als gar keines.

Nicht alle halten sich an das Verbot, wie diese Menschen- und Tierspuren zeigen.

Nicht alle halten sich an das Verbot, wie diese Menschen- und Tierspuren zeigen.

(Bild: hch)

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