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Auf der Suche nach dem Hanf
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Ein Überbleibsel: Im «Artemis» am Pilatusplatz gibt es so gut wie alles, was das Kifferherz begehrt. (Bild: cha )

Nach der Aktion «Greenfire» in Luzern Auf der Suche nach dem Hanf

4 min Lesezeit 29.11.2014, 17:00 Uhr

Cannabis ist die meist konsumierte illegale Droge. In der Stadt Luzern konnte bis vor einigen Jahren Drogenhanf in zahlreichen Läden gekauft werden. Dann kam die Polizei mit der Aktion «Greenfire» und schloss einen Shop nach dem anderen. Was ist übrig geblieben von der Luzerner Kifferszene?

«Ein voller Erfolg» sei sie gewesen, die Aktion «Greenfire». Das verkündete die Polizei jedenfalls im Jahr 2007, nachdem es während rund drei Jahren Aufräumarbeit in mehreren Kantonen – so auch in Luzern – den Freunden des Cannabis an den Kragen ging.

In der Stadt Luzern ging die Polizei unter anderem gegen diverse Hanfläden vor, die sogenannte «Duftsäckli» zum Verkauf anboten. Bis vor einigen Jahren konnte man nämlich in der Stadt Luzern in rund 20 «Lädeli» Cannabis kaufen. Legal war es auch dann nicht – und trotzdem bemühten sich diese Shops nicht wirklich um Geheimhaltung. In der Kifferszene waren diese weitgehend bekannt und boten unter dem Ladentisch diverse Sorten zum Verkauf an. Im Namen der Aktion «Greenfire» merzte die Polizei schliesslich die Läden und eine Vielzahl an Indoor-Hanfanlagen schrittweise aus.

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Alles, ausser Gras

Heute sind in der Stadt nur noch kleine «Überbleibsel» zu finden. In den Läden «Artemis» nahe Pilatusplatz und im «Mindblowers» an der Zürichstrasse werden zahlreiche Kifferutensilien zum Verkauf angeboten. Auch an der Ruopigenstrasse in Luzern gibt es seit Juli 2014 den «Green Skunk Hed – Growshop». Das ganze Do-it-yourself Material, um zu Hause Cannabis-Pflanzen anzubauen, gibt’s zu kaufen. Die Hanfsamen bestellt sich der Hobbygärtner bequem per Post diskret nach Hause. Allerdings Blüten der Hanfpflanze, also der rauchbare Teil der Pflanze, sucht man dort vergebens.

Eine schrittweise Liberalisierung ist trotzdem im Gange. Seit Oktober 2013 müssen im Kanton Luzern erwachsene Kiffer nicht mehr mit einer Anzeige rechnen, wenn sie beim Konsum von Cannabis erwischt werden. Es wird lediglich eine Ordnungsbusse von 100 Franken fällig. Das System gilt auch für Personen, die nicht mehr als zehn Gramm der Droge auf sich tragen.

Was ist erlaubt?

Sowohl der Konsum von Cannabis als auch dessen Anbau ist rechtlich strafbar. Seit Oktober 2013 wird Kiffen bei Erwachsenen noch mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft. Ebenso, wer nicht mehr als zehn Gramm der Droge auf sich trägt, hat mit einer Busse und nicht mehr mit einer Anzeige zu rechnen. Der Anbau von Hanf, der weniger als 1 Prozent THC (siehe untere Box) enthält, ist in der Schweiz erlaubt. Mit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes wurde diese Schwelle von 0,3 auf ein Prozent für Industriehanf angehoben. Zum Vergleich: Drogenhanf kann heute gut und gerne einen THC-Gehalt von bis zu 35 Prozent aufweisen. Dies wird erreicht durch stetige Züchtung.

610 Bussen in einem Jahr

Der Verkauf der Utensilien ist rechtlich gesehen nicht illegal, deren konkreter Gebrauch schon. Sowohl der Konsum von Cannabis als auch das Aufziehen von Hanfpflanzen ohne Bewilligung des BAG unterliegt der Illegalität. Und dies verfolgt die Luzerner Polizei noch immer vehement: Seit der Einführung der Ordnungsbussen im Oktober 2013 sind im Kanton Luzern deren 610 ausgestellt worden. «Davon wurden die meisten in der Stadt Luzern und deren Agglomeration ausgestellt», erklärt Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei.

Vermehrt kleine Hanfanlagen

Auch werden immer wieder Personen zur Anzeige gebracht, die Drogenhanf anbauen. «Im vergangen Jahr haben wir ein knappes Dutzend an Indoor- und Outdoor-Hanfanlagen aus dem Verkehr gezogen», sagt Graf. Es sei hierbei eine Tendenz festzustellen: «Vermehrt wird Drogenhanf in kleinen, privaten Räumen angebaut.» Grosse Anlagen lägen nicht mehr im Trend.

Dies dürfte stark damit zusammenhängen, mit welchen Methoden die Polizei diesen Hanfanlagen auf die Schliche kommt. Denn bei Verdacht verschafft oftmals der Blick auf den Stromzähler Klarheit. Bei auffällig hohem Stromverbrauch, eben beispielsweise aufgrund von Lampen, die zur Aufzucht von Drogenhanf zum Einsatz kommen, kann sich dieser Verdacht erhärten.

Folglich wird auf kleinere Anlagen gesetzt, die weniger Strom verbrauchen. Besonders während der kalten Jahreszeit kann so ein höherer Stromverbrauch genauso gut auf einen 2000-Watt-Heizradiator geschoben werden.

Verkauf findet nun verdeckt statt

Und obwohl die Läden weitgehend von der Bildfläche verschwunden sind, ist der Kauf von Cannabis keine grosse Herausforderung. Denn die Droge ist nach wie vor sehr präsent in Luzern. «Der Konsum von Cannabis ist immer noch hoch», sagt Graf. Anstatt in den Läden finde der Verkauf nun einfach verdeckt statt. «Die Leute kennen sich, treffen sich beispielsweise in einer Wohnung und wickeln dort den Deal ab.»

Was also übrig geblieben ist, ist ein nach wie vor hoher Konsum von Cannabis in Luzern, eine stete Liberalisierung der Droge (Ordnungsbussen), ein paar wenige Shops, die Utensilien rund um Cannabis verkaufen und ein verdeckter Handel, der sich nun von den Verkaufsläden in die Stadtluzerner Hinterzimmer verschoben hat. Ob man von «Erfolg» sprechen kann, wenn der Handel von halböffentlichen Läden ins Geheime verschoben wird, ist fraglich. Denn konsumiert wird Cannabis ohnehin in hohem Masse – mit oder ohne Shops.

THC – der Wirkstoff der Hanfpflanze
THC, also Tetrahydrocannabinol, zählt zu den psychoaktiven Cannabinoiden und ist der rauschbewirkende Bestandteil der Hanfpflanze. Vornehmlich kommt dieser in der Blüte der weiblichen Hanfpflanze vor. THC ist ein Produkt, das die Pflanze vor UV-Licht schützt. Entwickelt hat sie dies, da die Pflanze angeblich ursprünglich aus den Kasachischen Gebirgen stammt und in dieser Höhe diesen Strahlen stark ausgesetzt ist.

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