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Auf der Suche nach Comic-Abenteuern
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Zeichner Conradin Wahl bei der Entstehung seiner Fumetto-Ausstellung. (Bild: Jana Jakoubek)

Das 25. Comix-Festival Fumetto ist eröffnet Auf der Suche nach Comic-Abenteuern

3 min Lesezeit 1 Kommentar 17.04.2016, 18:30 Uhr

Stadt Luzern, 16. April 2016: flux hinein und nie mehr raus. Das Fumetto hat am Samstag begonnen und hat wieder einmal einiges zu bieten. Aber was denn genau? Wir haben uns umgesehen.

Schon 25 Jahre ist es her, seit das Fumetto zum ersten Mal seine Türen öffnete. Inzwischen ist es aus der Stadt Luzern nicht mehr wegzudenken. Wo normalerweise der Konsumtrieb regiert, herrscht an diesen Tagen die Neugierde auf Geschichten und Bilder vor. Eine sehr willkommene und notwendige Abwechslung. Plötzlich fühlen wir uns selbst als Touristen, da wir auf Englisch angesprochen werden, denn das Festival ist ja ziemlich international. Von überall kommen sie her, um in Luzern die Comics zu feiern. Und Comics kommen verschieden daher. Da lässt sich einiges erforschen. Die elf Hauptausstellungen führen die Besucher je in einen anderen Kopf hinein. Einige von ihnen werden hier genauer unter die Lupe genommen.

Seid ihr Kinder, die an jeder Ecke ihren Spieltrieb befriedigen wollen? Oh, was passiert wohl, wenn ich auf diesen Knopf drücke? Dann seid willkommen in der absurden, motörlibetriebenen Kartonwelt des psychopathischen Spielzeugherstellers Seico. Wer eintritt, wird gleich von einem fahrenden Roboter verfolgt, was einigen Besuchern unangenehm zu sein scheint. Andere sind peinlich berührt von diesem nach Liebe suchenden Kartonwesen. Weiter geht die Reise vorbei an kleinen sich bewegenden Figürchen, einem Schrank voller Valium, einem Hamsterkäfig mit rotierendem Hamster und vielem mehr. Natürlich alles aus Karton. In diesem Raum sind alle begeistert. Die Erschaffung einer eigenen Welt, in der man schnell alles andere vergisst, ist gelungen.

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Eine der psychedelischen Kartonwesen von Seico im historischen Museum (Bild: Jutta Galizia).

Eine der psychedelischen Kartonwesen von Seico im historischen Museum (Bild: Jutta Galizia).

Ein grauhaariger alter Grimmkopf steckt im Fernseher. «Laaaaaangweilig», blökt er. Ein Staubsauger rückt ins Bild, saugt sein Gesicht flux weg, ein spassiger Hase spickt aus seinem Hemd hervor und beginnt schallend zu lachen. So wurde das Festival früher im Fernseher gezeigt. Wirkung: definitiv spassfördernd. Dies der Höhepunkt in der Jubiläumsausstellung im Historischen Museum. Wer in die Geschichte des Festivals eintauchen will, sollte hier Halt machen.

242 Künstlerinnen und Künstler

Das 25. Fumetto Comix-Festival findet zwischen 16. und 24. April statt. Wie jedes Jahr gibt es über die ganze Stadt verteilt viel zu erleben: 11 Hauptausstellungen, 55 Satelliten und 242 Kunstschaffende. Zu den Highlights gehören die Ausstellungen von Lorenzo Mattotti (Kunstmuseum), Joe Sacco (Tunnel Bahnhof) oder Max (Atelier Neustahl).

Wollen wir im Huckepack weitergehen, so passen wir schon gut in Conradin Wahls (Galerie theQ) Kopf. Er ist die diesjährige Fumettoschleuder. Da bewegen sich alle Zweierteams als zweiköpfige Riesen durch die Welt. Die Figuren sind mit schwungvollen Strichen an die Wand gezeichnet und umgeben uns, wenn wir im Raum stehen. Sie haben trotz einfacher Gestaltung eine grosse Kraft. Sodass es uns in die Höhe schleudert, vielleicht auf die Schultern eines anderen Menschen?

Schon genug? Oder darf’s noch mehr sein? Ja, am Fumetto trinkt man tausend Geschichten, isst man Millionen Bilder. Am Ende: abgefüllt und etwas übersättigt. Bei Lorenzo Mattotti (Kunstmuseum Luzern) darf man in beruhigenden rieselnden Hintergrundklängen schwelgen und in düstere Welten voller interessanten Wesen eintauchen. Das tut gut.

Bei Frémok (Maskenliebhabersaal) geht’s farbiger zu und her. Das bunte Kollektiv besteht aus zwanzig Künstlern. So entsteht im Raum ein reiches Sammelsurium aus verschiedenen Stilen, das sehr inspirierend wirkt. Also wenn zu Hause die Stifte warten, nichts wie drauflos!

Oder sich noch verführen lassen, das kann man in der Kunsthalle. Tausend verschiedene Interpretationen der Verführung lassen sich hier sehen. Und im Kleintheater lassen sie sich erleben. Die Verführung des Alkohols, der Zigaretten, des Tanzens, des anderen Geschlechts oder des gleichen, man könnte ewig aufzählen. Die Verführung des Spasses. Des Feierns. Auf weitere Comic-Abenteuer in Luzern!

Von Jutta Galizia

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit kulturteil.ch entstanden und kann auch dort gelesen werden.

Lesen Sie auch unser Jubiläumsinterview mit den beiden Fumetto-Mitgründern Niklaus Zeier und Kurt Weber: «Die Zeit war reif für ein solches Festival».

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1 Kommentare
  1. Felice Bruno, 18.04.2016, 13:40 Uhr

    … die sehr gelungene kartonwelt wird an der rössligasse gezeigt, in der Kabel, nicht im hist.museum.
    dank felice b