Auf der Rothusmatt in Zug sollen 72 Wohnungen an exklusiver Lage gebaut werden
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Mit der Aussicht ist es bald vorbei: Die Baugespanne zeigen die Dimensionen der geplanten Überbauung auf der Rothus-Wiese. (Bild: Beat Holdener)

Bausumme von bis zu 40 Millionen Franken Auf der Rothusmatt in Zug sollen 72 Wohnungen an exklusiver Lage gebaut werden

4 min Lesezeit 2 Kommentare 16.05.2021, 16:00 Uhr

Die Wiese am Rothusweg hinter dem Bergliwald in Zug wird überbaut. Auf der erhöht gelegenen, über 17’000 Quadratmeter grossen Grünfläche mit Blick auf die Stadt Zug sollen acht Wohnhäuser entstehen. Die Besitzerfamilie hat ein entsprechendes Baugesuch eingereicht.

Die Rothusmatt präsentiert sich heute als idyllische Oase im Loreto-Quartier: eine Wiese mit ein paar alten Obstbäumen, durchquert vom privaten Feldweg, der zum Haus Rothusweg 21 führt. Das Areal gehört allerdings gemäss Stadtplanung als Wohnzone W2B zum Baugebiet mit einer Ausnützungsziffer von 0,5. Die Besitzerfamilie hat sich jetzt entschieden, ein Bauprojekt zu realisieren. Das umfangreiche Gesuch, eingereicht von Eigentümerin Margrit Klaus-Hess, liegt zurzeit bei der Stadtverwaltung auf.

Keine maximale Ausnützung

Geplant sind demnach 8 Wohnhäuser mit insgesamt 72 Wohnungen. Vier Einheiten – etwas vertieft am Hang Richtung Bergliwald gelegen (im Volksmund auch Guggiwäldli genannt) – sind mit zwei Vollgeschossen und einem darüberliegenden Attikageschoss entworfen, im oberen Bereich mit zwei Vollgeschossen, einem Attikageschoss und einem Untergeschoss. Dahinter sind grössere dreigeschossige Wohnbauten vorgesehen, längs vor den bestehenden Häusern am Rothusmatt-Weg.

Alle Gebäude sind mit einer unterirdischen Tiefgarage verbunden. Ein Zehntel der Abstellplätze wird für E-Bikes und elektrische Autos mit Ladegeräten ausgestattet, deren Strom teilweise über eine eigene Photovoltaikanlage erzeugt werden soll. Die Heizung wird über das Fernwärmesystem Circulago der WWZ betrieben.

Das Projekt ist nicht als Arealbebauung konzipiert, die eine 20 Prozent höhere Ausnützung ermöglichen würde. Aus Rücksicht auf die Anwohner und die Topografie wurde darauf verzichtet. Gemäss Architekt Erich Leutwyler habe die Eigentümerschaft bewusst keine Gewinnmaximierung durch hohe Verdichtung angestrebt, sondern wolle mit dem Land aus Familienbesitz sensibel und respektvoll umgehen.

«Der Grünraum soll die Gebäude durchdringen, und nicht umgekehrt.»

Erich Leutwyler, Architekt

«Das ausgewählte Projekt lässt zwischen den Gebäuden viel Platz für naturnahen Raum und schafft eine Anbindung an den benachbarten Wald trotz grosszügigem Abstand», sagt der verantwortliche Architekt. «Die exklusive Lage und der Nutzen für die einzelnen Wohneinheiten, welcher durch die Anordnung der Gebäude auf dem Plateau geschaffen wird, ermöglichen trotzdem eine hohe Wertschöpfung.»

Die Philosphie der Architektur fasst Erich Leutwyler so zusammen: «Der Grünraum soll die Gebäude durchdringen, und nicht umgekehrt.» Auch die Strukturierung der Bauten und die vorgesehenen Materialien der Fassaden sollen zur Einpassung in die Umgebung beitragen.

Grosszügiger Gebäudeabstand

Die Zurückhaltung bei der Ausnützung kommt auch den angrenzenden Liegenschaften Richtung Zugerberg zugute. Gemäss den aufgelegten Plänen beträgt der Gebäudeabstand zehn Meter, die geltende Bauordnung würde nur fünf Meter vorschreiben. Allerdings wird den Bewohnerinnen und Bewohnern – vor allem in den unteren Etagen der bestehenden Gebäude – trotzdem künftig die Aussicht auf die Stadt und auf den Sonnenuntergang verbaut. Die Betroffenen wurden von der Bauherrschaft im Vorfeld orientiert. Offenbar zeigten sie sich in ersten Reaktionen erleichtert, dass die Überbauung nicht massiver geplant wird.

Modell der geplanten Überbauung mit den acht Wohnbauten hinter dem Bergliwald. (Bild: Leutwyler Architekten)

Die Bausumme des gesamten Vorhabens dürfte rund 30 bis 40 Millionen Franken betragen. Je nach Fortgang des Bewilligungsverfahrens können die Bagger frühestens 2023 auffahren. Die Bauten werden voraussichtlich in mehreren Etappen realisiert.

Dass das Projekt jetzt in Angriff genommen wird, nachdem die Parzelle lange brachgelegen ist, liegt laut Erich Leutwyler an familieninternen Gründen bei der Eigentümerschaft. Andererseits hat auch die Ablehnung des Stadttunnels eine Rolle gespielt. Wäre die Umfahrung realisiert worden, wären auf der Rothusmatt Installationen für die Lüftung und Abgaskamine geplant worden. Diese Beeinträchtigung für Wohnnutzungen ist jetzt hinfällig geworden.

Überdurchschnittliche Wohnungspreise

Die Grösse der Wohnungen reicht von 2,5 bis 5,5 Zimmer. Angestrebt wird damit eine Durchmischung der Bewohnerinnen und Bewohner. Ob in der Überbauung der Rothusmatt Mietwohnungen entstehen oder ob sie als Eigentumswohnungen verkauft werden sollen, ist derzeit noch offen. Die Bauherrschaft will den Wohnraum zu «quartierüblichen Preisen» anbieten.

Die weitere Entwicklung wird zeigen, wie sich das Projekt auf das Loreto-Quartier auswirkt. Auf politischer Ebene – etwa in Vorstössen im Grossen Gemeinderat – wurde die Befürchtung geäussert, dass Alteingesessene, junge Familien und weniger kaufkräftige Bevölkerungsgruppen immer mehr verdrängt würden und die soziale Durchmischung verloren geht.

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2 Kommentare
  1. herbert, 16.05.2021, 16:44 Uhr

    Alles spricht in der Schweiz von Biodiversität und man soll Sorge tragen mit der Natur aber in 50 Jahren brauchen wir das nicht mehr, weil in der Schweiz alles zubetoniert ist. Ich sehe das in der Schweiz als grössere Gefahr als die 2 Initiativen vom 13 Juni 2021. Zubetoniertes Land nimmt kein Wasser mehr auf und erwärmt die das Klima, gehen sie mal an einem heissen Tag durch die Stadt oder laufen sie über Land den Unterschied merken sie schnell. Zudem wird das Obergewässer meist in die Bäche geleitet egal was für Schadstoffe darin enthalten sind interessiert niemand.
    Die Bauindustrie und die Geldgier sind so mächtig da vergisst man alles.

    1. Vittorio, 16.05.2021, 19:30 Uhr

      Der Kommentar ist völlig daneben. Das Land ist in der Bauzone. Ist in der Stadt Zug, also Verdichtungsgebiet. Genau so wie wir CH-Bürger abgestimmt haben. Fazit: die Bauherrschaft macht vieles richtig! Vernetztes Denken ist leider nicht allen ein Begriff!

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