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Auch dank ihm wächst der Turm in die Höhe
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Tolle Aussicht: Franz Stadelmann ist Projektleiter des Hochhauses Park-Tower. (Bild: Falco Meyer )

Hochhaus Auch dank ihm wächst der Turm in die Höhe

5 min Lesezeit 17.05.2013, 13:00 Uhr

Im Zentrum der Stadt Zug entsteht das höchste Gebäude des Kantons: 81 Meter hoch wird der Park-Tower. Herr der Grossbaustelle ist Franz Stadelmann. Visionär zu sein gehört zum Job des 58-jährigen Luzerners. 

Die Metalltüre schlägt zu, das Kabel zieht, die Kabine rumpelt nach oben und der Boden verschwindet zwischen den Häusern. Zug wird zur Spielzeugstadt, wenn man die Welt vom Park-Tower aus betrachtet. Der Park-Tower, das ist das Hochhaus, das derzeit gleich neben dem Bahnhof auf dem Siemens-Areal entsteht. Mit 25 Stockwerken und einer Gesamthöhe von 81 Metern wird es das höchste im Kanton Zug.

Keine Höhenangst hat der Mann, der ihn baut, den Rohbau des Wohn- und Geschäftsturms. Franz Stadelmann ist an luftige Höhen gewohnt. Das kommt vielleicht von den Gletschertouren, die er in seiner Freizeit unternimmt. 

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Keine Höhenangst

Die Kabine stoppt, Stadelmann macht zwei Schritte auf dem neuen Betonboden, der keine Woche alt ist und blickt direkt in den Himmel über dem Zugersee, und dann in die Tiefe. Er hat Vertrauen in die Konstruktion des Gebäudes, ganz offensichtlich.

Nur wenn er über der einen Ecke steht, zwischen Schalung und Bau, und die Gummis, die den schmalen Spalt abdecken sollen, zur Seite schiebt, dann wird es auch ihm etwas mulmig: «Sehen Sie», sagt Franz Stadelmann und zieht lachend die Augenbrauen hoch, «wir stehen gerade im 15. Stockwerk direkt über dem Kreisel.»

550 Quadratmeter pro Geschoss

Der 58-Jährige ist Projektleiter des Hoch- und Tiefbaus, angestellt bei der Implenia Schweiz AG. Das Unternehmen errichtet im Auftrag des «Konsortiums Park-Tower», einem Gemeinschaftsprojekt der Zuger Firma Peikert Immobilien AG und der Luzerner Firma Altras Management AG, eben jenen Turm.

Darin werden Wohnungen entstehen, über die man vom Boden aus nur staunen kann: Pro Geschoss stehen rund 550 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, die Aufteilung liegt im Ermessen der Käufer. Ab 110 Quadratmetern und 1,1 Millionen Franken kann gekauft werden. Der Innenausbau wird zusammen mit den Kunden nach deren Wünschen geplant. Wer will, kann auch gleich auf zwei Geschossen einziehen, doch das tangiert Stadelmann alles nur am Rande.

Alle fünf Tage ein Stockwerk

«Eine wunderbare Aussicht, nicht wahr?», sagt er und nickt in Richtung See. Er meint es ohne Neid, Stadelmann ist stolz auf «sein» Gebäude, wie er auf jede seiner Baustellen stolz ist: «Es gibt in jedem Job eine Form der Befriedigung, sonst würde man es gar nicht machen. Wenn ich etwas bewegen, mit einem Team etwas bewirken kann, das begeistert mich.»

Dabei geht es ihm nicht um die Höhe des Baus. Viel interessanter ist das ganze Drumherum, sagt er. Stadelmann geht zwischen den Stockwerken auf und ab und zeigt auf das eindrückliche Verschalungssystem, mit dem alle fünf Tage ein Stockwerk gebaut werden kann. Jedes Brett an seinem Ort. Dann zeigt der Projektleiter auf die intelligenten Systeme des Treppenhausbaus und erklärt die Lösungen, die er und sein Team einsetzen, um ohne Gerüst und mit der neuen Kletterschalung so ein hohes Gebäude zu errichten.

Neues Sicherheitskonzept entwickelt

Jeder einzelne Schritt des Baus musste im Vornherein konkret geplant und für die Unfallversicherung Suva dokumentiert werden, damit überhaupt mit dem Bau begonnen werden durfte. Diese Planung füllt Bücher und schliesslich den Tagesablauf: Früh auf die Baustelle, neue Pläne besorgen, die Akkordanten, Zulieferer und 35 Mitarbeiter koordinieren. Das ist Alltag, nicht nur in der Dimension.

«Für den Park-Tower mussten wir ganz neue Systeme entwickeln, neue Sicherheitskonzepte. Manchmal muss man in diesem Job Visionär sein», ergänzt Stadelmann und lacht. «Weil in der Vision geht das alles sehr einfach.» In der Realität sei die Sache dann etwas komplizierter.

Jeder Bauarbeiter muss eine Sicherheitsschulung absolvieren, kein Mann und keine Frau ist ausserhalb der Absperrung, ohne dass die Person angeseilt ist wie ein Bergsteiger. «Deshalb konnten wir bis jetzt ohne Unfall arbeiten», sagt der Projektleiter.

Noch ein paar Stockwerke, dann ist der Rohbau komplett. Unten liegen schon die ersten Fassadenelemente, aus China eingeschifft. Auch die Handwerker sind schon da. Während oben die letzten Stockwerke gebaut werden, geht es unten an den Innenausbau. «Bis jetzt waren wir von Implenia alleine auf der Baustelle», sagt Stadelmann, «jetzt müssen wir den anderen etwas Platz machen.»

Er ist eigentlich Tiefbauspezialist

Der Luzerner ist nicht zum ersten Mal in Zug tätig, und er hinterlässt auch nicht zum ersten Mal sichtbare Spuren im Kanton: Die roten Haltestellen der Stadtbahn gehen ebenfalls auf sein Konto, zumindest hat er geholfen, sie zu bauen. «Dabei mussten wir direkt neben dem Bahngleis bis zu vier Meter nach unten, daneben ist der Zug drüber gerast. So was fasziniert mich.»

Deshalb ist Stadelmann eigentlich Tiefbauspezialist geworden. Er träumt von Tunnels und Technik; er mag es, gute Lösungen zu finden und steht dabei lieber mit beiden Beinen tief im Boden, statt auf den geplanten 81 Metern Höhe des Park-Towers.

Warum also baut ausgerechnet der Tiefbauspezialist das höchste Gebäude in Zug? Stadelmann lacht und sagt: «Verstehen Sie das nicht falsch, das ist natürlich nicht mein erstes Gebäude.» Im Gegenteil: Stadelmann hat den Beruf von der Pike auf gelernt, war Bauernbub. «Da wollte ich etwas Handwerkliches machen», sagt er. Also wurde er Maurer, dann Vorarbeiter, dann Meister. Jetzt ist er Projektleiter, knapp vierzig Jahre später, er kennt jeden Mitarbeiter auf seiner Baustelle und ist gedanklich schon auf der nächsten. «Das nächste Projekt ist schon aufgegleist, da gibts keine Pause.»

Er wartet noch auf den Besuch seiner Frau

Stadelmanns nächster Bau ist eine Kehrichtverbrennungsanlage. Nach nur einem Turm schon wieder weg von den Hochhäusern? «Wir würden uns freuen, wenn wir das Know-how, das wir hier gewonnen haben, weiter einbringen können. Da kommt es aber auf den Markt an.»

Nur eines muss hier noch erledigt werden, bis das letzte Stockwerk erstellt ist. «Meine Frau kommt mich auf jeder Baustelle besuchen», sagt Stadelmann und lacht, «nur hier war sie bis jetzt noch nicht.»

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