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Atemlos durch die Rütligasse
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Philipp Hüsler (links) und Saemi Honegger führen neu mit Simon Märki den «Jodlerwirt» in Luzern. (Bild: jal)

Luzerns erste Schlagerbeiz geht auf Atemlos durch die Rütligasse

5 min Lesezeit 19.10.2016, 18:13 Uhr

Party total: Am Donnerstag öffnet in Luzern die neue Schlagerbeiz Jodlerwirt. Damit nicht genug: Im ehemaligen Unicum gibt es nach wie vor Güggeli und Fondue, neu wird dazu geschunkelt und gefeiert. Hat Luzern auf Après-Ski-Partys und Heile-Welt-Konzerte gewartet?

«Atemlos durch die Nacht» geht es ab diesem Donnerstag an der Rütligasse in Luzern. Im Lokal des vormaligen «Unicum» eröffnet eine Schlagerbeiz (zentralplus berichtete). Der «Jodlerwirt» setzt auf Skihütten-Atmosphäre und Geselligkeit, auf Kafi Schnaps und Masse Bier, auf Servierpersonal in Dirndl und Lederhosen. 

Los geht es gleich mit einem Überraschungsgast. Um wen es sich handelt, verraten die Betreiber noch nicht. «Es ist jemand aus der Schweizer Schlagerszene», sagt Saemi Honegger, der den «Jodlerwirt» zusammen mit Philipp Hüsler und Simon Märki betreibt. «Wir hoffen auf ein volles Haus und einen unvergesslichen Abend, damit die Gäste gleich einen guten ersten Eindruck haben», sagt Philipp Hüsler.

Es ist ein bemerkenswertes Trio, das den neuen Laden führt. Philipp Hüsler kennt man von der Bruch Brothers Bar und auch Simon Märki ist in der Luzerner Clubszene bestens bekannt. Als Einziger etwas mit Schlager am Hut hat Saemi Honegger, der bisher das Unicum führte und seit Jahren die Luzerner Schlager-Nacht organisiert. 

Der Helene-Fischer-Effekt

Auf die Idee gekommen seien sie bei einem gemeinsamen Nachtessen. «Es soll ein Ort sein, an dem man in eine andere Welt abtauchen kann», sagt Philipp Hüsler. Eine Verbindung zwischen Restaurant und Eventlokal. «Wir haben alle gerne einen lustigen Abend und waren uns schnell einig, dass wir das probieren müssen.»

Aus dem Restaurant Unicum an der Rütligasse wird die Schlagerbeiz Jodlerwirt.

Aus dem Restaurant Unicum an der Rütligasse wird die Schlagerbeiz Jodlerwirt.

(Bild: Luca Wolf)

Ein Besuch zwei Tage vor der Eröffnung zeigt: Die angehende Skihütte ist erst am Aufwärmen. Ein Dutzend Leute werken an Lampen, füllen den Kühlschrank auf, überall liegen Sägespäne und lose Kabel, am Boden steht eine Schachtel mit Geweihen. Man sei aber im Zeitplan, sagt Honegger.

Mitten im urbanen Raum ein Schlagertempel – funktioniert das? «Wir hoffen, dass wir eine Marktlücke treffen», sagt Philipp Hüsler. Das Zielpublikum jedenfalls sei gross. «Wir sprechen nicht nur Leute zwischen 18 und 25 Jahren an.» Ein solches Lokal in der Stadt «mag es leiden», findet er. Natürlich profitiert der «Jodlerwirt» auch vom «Helene-Fischer-Effekt»: Schlager ist seit einigen Jahren wieder im Trend.

Spagat zur Bruch Brothers Bar

Das beobachtet auch Saemi Honegger, der nächsten Frühling die 17. Schlager-Nacht organisiert. Inzwischen finde praktisch in jeder Turnhalle auf dem Land ein Oktoberfest statt. «Es gibt zwar nicht mehr Schlagerstars, aber immer mehr Schlagerveranstaltungen», sagt Honegger. Was auch damit zu tun hat, dass sich die Musik gewandelt hat. «Schlager steht heute kaum mehr in der Tradition von Karel Gott oder Mireille Mathieu, bei denen manche nach dem zweiten Stück eingeschlafen sind, sondern es geht Richtung Pop – sinnbildlich dafür stehen Helene Fischer und Andreas Gabalier.»

«Schlager gehört nicht zu meinem Haupt-CD-Sortiment zu Hause.»

Philipp Hüsler, Inhaber «Jodlerwirt»

Doch die Musik ist nicht jedermanns Sache. Bis vor Kurzem auch nicht jene von Philipp Hüsler. «Es gehört nicht zu meinem Haupt-CD-Sortiment zu Hause», sagt er und lacht. Er sei sich bewusst, dass seine neue Arbeit zur Bruch Brothers Bar einen «gewissen Spagat» bedeute. Aber er möge lustige Abende. «Und Schlagerpartys sind oft Anlässe, die in Erinnerung bleiben.»

Die Bar wird schon aufgefüllt, ist aber noch nicht ganz fertig.

Die Bar wird schon aufgefüllt, ist aber noch nicht ganz fertig.

(Bild: jal)

Haben sie keine Sorge, dass den Gästen die Musik und das Gaudi über längere Zeit verleidet? «Es gibt sicher Leute, die nur hin und wieder Schlager hören möchten», sagt Honegger, der sich darüber noch nicht den Kopf zerbrechen mag. «Aber voraussehen, wie der ‹Jodlerwirt› ankommt, kann man sowieso nicht.»

Betrunkene Jugendliche will man nicht

Für manche bedeutet Schlager aber auch kitschige Songs über eine heile Welt, zu der sich viele betrinken. Sei es auf der Skipiste oder am Oktoberfest – zu Schlager wird oft gerne und ausgiebig Alkohol getrunken.

«Wassertrinkende Veganer sind genauso willkommen wie drei Maas trinkende Bergbauern.»

Saemi Honegger, Inhaber Jodlerwirt

«Sicher hat bei Schlager-Nächten mancher mal ein Glas zu viel getrunken», sagt Honegger. «Aber das hält sich meist im Rahmen.» Schlager sei nun mal eine Musikrichtung, die Fröhlichkeit und Lebensfreude vermittle, und das meist erfolgreich. Aber im «Jodlerwirt» würden auch alkoholfreie Cocktails angeboten – auch wenn das weniger gefragt sein dürfte. Saemi Honegger formuliert es so: «Wassertrinkende Veganer sind genauso willkommen wie drei Maas trinkende Bergbauern.»

Der leicht erhöhte Teil wird bei Live-Konzerten zur Bühne umfunktioniert.

Der leicht erhöhte Teil wird bei Live-Konzerten zur Bühne umfunktioniert.

(Bild: jal)

Jeder ist willkommen, so das Motto. Zumindest fast jeder. Denn das Mindestalter liegt für die Partys bei 21 Jahren. Und das hat seinen Grund. «Wir wollen keine Ballermann-Partys, sondern ein gewisses Niveau», sagt Honegger. Man sehe am Luzerner Fest oft genug, wie exzessiv manche Jugendliche dem Alkohol frönen. «Der ‹Jodlerwirt› soll auch ältere Leute ansprechen, die gerne ausgehen, aber nicht in eine kleine Bar oder einen Jugendtreffpunkt möchten», ergänzt Hüsler.

Mit zur Hemmschwelle beitragen wird auch die Eintrittspolitik. Abgesehen vom Eröffnungsabend, der gratis ist, werden Gäste an Wochenenden oder bei Konzerten nämlich künftig zur Kasse gebeten. 10 Franken Eintritt werden jeweils ab 22 Uhr fällig, wobei man dafür ein Getränk erhält. Bei Konzerten liegt der Preis höher. 

Schlitten, Kuhglocke, Kessel – und viel, viel Holz. So sieht es im «Jodlerwirt» aus.

Schlitten, Kuhglocke, Kessel – und viel, viel Holz. So sieht es im «Jodlerwirt» aus.

(Bild: jal)

Am Freitag und Samstag, wenn jeweils ein DJ oder Livemusik auf dem Programm steht, hat der «Jodlerwirt» – anders als vorher das «Unicum» – bis um 2.30 Uhr geöffnet. Probleme mit Nachbarn erwarten die Betreiber aber nicht. Das Haus sei gut isoliert, sagt Saemi Honegger. Zudem werden Security-Mitarbeiter im Einsatz stehen. «Im Gegensatz zu anderen Lokalen an dieser Strasse gehen wir nicht davon aus, dass unsere Gäste das ganze Quartier unsicher machen.»

Güggeli und Fondue bleiben

Wer bislang ins «Unicum» kam, um Pouletflügeli zu essen, kann beruhigt sein. Die Speisekarte bleibt grundsätzlich dieselbe, mit Fokus auf bodenständige Schweizer Küche. Im Sommer wolle man sich vermehrt auf Touristen ausrichten. «Das ist die Zeit, in der die Schweizer sowieso lieber ans Wasser gehen», sagt Honegger. Reisende hingegen fänden weniger Orte, um in Luzern die Schweizer Küche zu probieren.

Das DJ-Pult wird jeweils freitags und samstags bedient sein.

Das DJ-Pult wird jeweils freitags und samstags bedient sein.

(Bild: jal)

Das Lokal hat auch mittags geöffnet. Wirtin bleibt Ramona Bircher, die bereits im «Unicum» Gastgeberin war. Die Wände, die Böden und das Mobiliar sind neu gemacht, das Lokal wirkt heller. Wie viel die Schlagerfreunde in den Umbau investiert haben, wollen sie aber nicht verraten. «Wir haben einiges Schweizer Holz gebraucht», ist das Einzige, was sich Saemi Honegger entlocken lässt.   

Ob auch der kürzlich zurückgetretene Stadtpräsident Stefan Roth, ein bekennender Schlagerfan, zur Eröffnungsparty kommt? «Ich habe ihn noch nicht erreicht», sagt Saemi Honegger, der Roth von den Schlagerpartys kennt. «Aber es wäre schön.»

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