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Arrogante Medien? Babbel haut’s den Nuggi raus
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Good News für Luzern: Markus Babbels Vertrag wird bis Sommer 2018 verlängert. Hinter Babbel zu sehen sind FCL-Präsident Ruedi Stäger und FCL-Medienchef Max Fischer. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FCL freut und ärgert sich Arrogante Medien? Babbel haut’s den Nuggi raus

8 min Lesezeit 2 Kommentare 12.02.2016, 19:26 Uhr

Das erfreuliche zuerst: Der FCL verlängert mit Trainer Markus Babbel bis Mitte 2018. Das ärgerliche: An der Medienkonferenz zankten sich FCL und ein NLZ-Sportreporter vor der versammelten Journalie. Lesen Sie hier alles zum Thema, inklusive Interviews mit Ruedi Stäger und Babbel.

Eigentlich hätte es an der FCL-Medienkonferenz diesen Freitag um die bereits am Tag zuvor publik gewordene Vertragsverlängerung mit Cheftrainer Markus Babbel gehen sollen. Und um den sonntäglichen Match gegen den FC Zürich.

Doch es kam, wie es kommen musste. Der mit fast 20 Journalisten ausgesprochen gut besuchte Anlass artete in einen rumpeligen Schlagabtausch zwischen der FCL-Führung und dem Sportjournalisten der «Neuen Luzerner Zeitung» aus. Gleich mehrmals grätschten FCL-Präsident Ruedi Stäger sowie Cheftrainer Markus Babbel dem Journalisten in die Beine. Auslöser war die in ihrer überwiegenden Mehrheit als zu kritisch, zu negativ und oftmals inhaltlich falsch empfundene Berichterstattung des Maihofblattes über den FCL (zentral+ berichtete).

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Trainer erhält Zwei-Jahres-Vertrag

Aber die wichtigste Information der Medienkonferenz vorneweg. Zumal es eine gute ist: Der FC Luzern hat den bestehenden Vertrag mit Cheftrainer Markus Babbel um zwei Jahre bis zum 30. Juni 2018 verlängert. Stäger zeigte sich überzeugt, einen Trainer zu haben, der die FCL-Vision vor allem in Bezug auf die Jungen trägt. «Babbel geniesst das vollste Vertrauen und wir sind überzeugt, dass die gesetzten Ziele erreicht werden können.» Und auch Babbel freute sich über das gegenseitige Vertrauen und darauf, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen (siehe Interview unten).

«Ich habe noch selten solch unberechtigte Kritik in dieser Häufigkeit und Schärfe erlebt.»

Markus Babbel, Cheftrainer FCL

Und nun zum Knatsch: Als der besagte Journalist nachfragte, weshalb denn Babbel einen Zwei-Jahres-Vertrag erhalte – in Anspielung auf Carlos Bernegger, den der FCL im Herbst 2014 entliess und bis Juni 2016 bezahlt –, gab Stäger etwas entnervt zur Antwort, da gäbe es keinen speziellen Hintergrund. Dann fügte er an: «Ein Cheftrainer, der derart gute Arbeit leistet, muss belohnt werden. Wir schenken ihm das Vertrauen.»

Babbel: «Wann werde ich rausgeschmissen?»

Da tauchte natürlich postwendend die Nachfrage auf, ob man denn aus dem Fall Bernegger nichts gelernt habe? Und da haute es Trainer Markus Babbel den Nuggi raus. Erst sagte er mit einer grossen Portion Sarkasmus zum NLZ-Journalisten: «Sie müssen mich ja dann nicht bezahlen.» Ehe er zu einem Rundumschlaug ausholte. «Ich habe ein Problem», begann er. «Im Verein ist die Stimmung gut. Aber seit ich hier bin, höre ich nur eines: Wann ich rausgeschmissen werde.»

Babbel begann vieles infrage zu stellen. Warum ist das Verhältnis zwischen NLZ und FCL so schlecht? Warum ist die Berichterstattung so negativ? Warum hat er seit seiner Ankunft in Luzern «nur drei bis vier positive Berichte» gelesen? Das alles sei für ihn nicht nachvollziehbar. «Der FCL spielt eine sehr gute Saison. Aber ich? Ich stehe enorm in der Kritik. Ich habe noch selten solch unberechtigte Kritik in dieser Häufigkeit und Schärfe erlebt. Mit welcher Arroganz wird hier eigentlich an die ganze Sache herangegangen?», fragte er sichtlich verärgert.

FCL zu Aussprache bereit

Danach lobte sich Babbel selbst. «In dieser Winterpause hat der FCL endlich zwei Spieler mit Gewinn verkaufen können und es ist gelungen, junge Spieler in der Mannschaft zu integrieren.» Schaue man auf die nahe Vergangenheit zurück, sei dies doch ein Erfolg. Angesichts des vierten Tabellenplatzes und des Erreichens des Cup-Halbfinals ist Babbel durchaus Recht zu geben.

Die Mimik sagt alles: Im Gespräch mit dem NLZ-Journalisten ist Babbel und Stäger gut anzusehen, was in ihnen vorgeht.

Die Mimik sagt alles: Im Gespräch mit dem NLZ-Journalisten ist Babbel und Stäger gut anzusehen, was in ihnen vorgeht.

Das Ganze war zwar für die Anwesenden einigermassen unterhaltend. Sehr professionell war es allerdings nicht, wie sich die FCL-Mannen vor versammelter Presse den unliebsamen Journalisten zur Brust nahmen. Aus FCL-Sicht aber nachvollziehbar. Ob damit jedoch die Beziehungen zwischen der einzigen bezahlten Tageszeitung in Luzern sowie dem FCL wieder verbessert werden können, sei mal dahingestellt.

Erst auf Intervention eines anderen Journalisten, der sich über den Schlagabtausch wunderte, entspannte sich die Situation etwas. «Wir wollen nun den Dialog erneut suchen», versprach Stäger (das Kurzinterview mit ihm lesen Sie weiter unten).

Seitens NLZ war an diesem Freitagnachmittag keine Stellungnahme zu erhalten.

Kurzer Ausschnitt einer ruppigen Szene aus der FCL-Medienkonferenz:

 

Nach der Medienkonferenz bestand die Möglichkeit, den Anwesenden Fragen zu stellen. zentral+ hat die Gelegenheit genutzt, um sich Markus Babbel und Ruedi Stäger zur Brust zu nehmen.

Zuerst konnten wir mit Markus Babbel sprechen.

Bleibt dem FCL trotz Ärger mit den Medien erhalten: Markus Babbel.

Bleibt dem FCL trotz Ärger mit den Medien erhalten: Markus Babbel.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentral+: Der FCL ist ein Ausbildungsverein, was sind Ihre sportlichen Ziele?

Markus Babbel: Klar, wir sind ein Ausbildungsverein. Mit unseren vielen jungen Spielern stehen wir momentan gut da. Um aber mit dieser Strategie langfristig oben zu bleiben, brauchst du wirklich aussergewöhnliche junge Spieler. Wir müssen es schaffen, Top-Talente hierher zu bringen, und das braucht einfach seine Zeit. Das Ganze ist ein stetiger Prozess.

«Wenn die anderen Teams alles richtig machen, dann können wir eigentlich nur Sechster werden.»

zentral+: Momentan steht der FCL auf Rang vier. Mit weniger geben Sie sich aber nicht zufrieden, oder schon?

Babbel: Rang vier ist sensationell. Wenn man es ganz realistisch anschaut: Mit Basel, GC, Sion, Bern und Zürich haben fünf Teams ein grösseres Budget als wir. Wenn die alles richtig machen, dann können wir eigentlich nur Sechster werden. Aber natürlich haben wir den Ehrgeiz, denen ein Schnippchen zu schlagen. Aber man muss realistisch bleiben und weg von dieser Arroganz, die man hier ganz gerne nach aussen trägt.

zentral+: Also gibt es mit der Vertragsverlängerung keinen Steigerungsplan bis Juni 2018?

Babbel: Nein. Im Moment ist es so, dass wir finanziell nichts machen können. Wir haben, seit ich hier bin, mehr eingenommen als ausgegeben. Man kann von einem ablösefreien Spieler, der für wenig Geld hier spielt, nicht die Leistungen eines Messi erwarten. Man muss auch mal zufrieden sein mit dem, was man erreicht hat – ohne dabei bequem zu werden. Wir versuchen, das Maximum herauszuholen. Und aktuell bewegen wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten.

zentral+: Und damit geben Sie sich zufrieden?

Babbel: Mir macht die Arbeit mit den Jungs und dem Trainerteam Spass. Ich stehe jeden Morgen gerne auf. Und ich habe in der Vergangenheit gelernt, dass wenn du sowas hast, du es schätzen solltest.

zentral+: Was sagen Sie zur Diskussion um die Vertragslänge?

Babbel: Ich kann das nachvollziehen und kenne sowohl die Sicht des Vereins wie auch meine persönliche. Aber um den angesprochenen Weg kontinuierlich weiterzugehen, haben wir entschieden, zwei Jahre weiterzumachen. Dies ist auch für mich eine grosse Herausforderung.

zentral+: Wie gehen Sie mit Kritik um?

Babbel: Kritik ist völlig legitim und normal, solange sie konstruktiv ist. Wenn ich mir aber teilweise Kritik anhöre, obwohl ich den Absender noch nie am Trainingsplatz gesehen habe, dann muss ich eher darüber schmunzeln. Kritik zu geben, die weiterbringt oder zum Denken anregt, ist selten, aber da bin ich sehr offen dafür.

FCL-Präsident Ruedi Stäger gab derweil in einem anderen Raum in der Swissporarena Interview an Interview.

FCL-Präsident Ruedi Stäger gibt den Journalisten nach der Pressekonferenz Interviews.

FCL-Präsident Ruedi Stäger gibt den Journalisten nach der Pressekonferenz Interviews.

(Bild: lwo)

zentral+: Ruedi Stäger, Sie haben nun den Vertrag mit Markus Babbel um zwei Jahre verlängert. Angesichts der vielen Wechsel im Fussballbusiness – wäre ein Jahr für den FCL finanziell nicht risikofreier gewesen?

Ruedi Stäger: Wir sind überzeugt, mit Markus Babbel einen Trainer zu haben, der unsere Philosophie mitträgt. Wir schenken ihm unser vollstes Vertrauen und freuen uns, dass wir dadurch auf Kontinuität setzen können. Zudem geht es manchmal nicht ohne Risiken.

zentral+: Besteht für Babbel eine Ausstiegsklausel?

Stäger: Zu Vertragsdetails äussern wir uns nicht. Aber ich kann sagen, dass keine solche Klausel besteht. Aber wenn Markus von einem anderen Verein kontaktiert wird, müssen wir natürlich nach einer Lösung suchen. Reisende soll man nicht aufhalten, das macht keinen Sinn. Die zweijährige Vertragsdauer war ein Anliegen von beiden Seiten.

«Gewisse Kritik belastet nicht nur mich, sondern auch meine Frau und meine Kinder.»

zentral+: Die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Ex-Trainer Carlos Bernegger ging schief und hat Ihnen viel Kritik eingebracht. Sollte nun auch die Zusammenarbeit mit Babbel nicht fruchten, dürfen Sie sich auf etwas gefasst machen. Macht Ihnen das Angst? Die NLZ schreibt bereits, dass Sie dieses Szenario den Kopf kosten würde.

Stäger: Mich ärgert es, dass alle immer vom Schlimmsten ausgehen. Dabei haben wir hier in Luzern mit dem FCL schon viel erreicht und zum Positiven verändert. Wir wollen, dass nun Ruhe einkehrt und wir uns wieder auf den Sport konzentrieren können.

zentral+: Die geballte mediale Kritik, speziell seitens «Blick» («Alles Nieten») und teilweise NLZ, an Ihrer Person prallt einfach an Ihnen ab?

Stäger: Natürlich beschäftigt auch mich gewisse Kritik länger als gewollt. Dass etwa die gesamte FCL-Führung als Nieten bezeichnet wurde, ist einfach nur schäbig. Das belastet nicht nur mich, sondern auch meine Frau und meine Kinder. Aber ich war schon in anderen exponierten Positionen und bin mir von daher einiges gewohnt. Zudem musste ich damit rechnen, als ich den Job antrat. Wir werden die Antwort auf dem Rasen geben.

zentral+: Trotzdem: Der FCL reagiert in letzter Zeit sehr dünnhäutig auf Kritik. Sich an einer Medienkonferenz einen Schlagabtausch mit einem Journalisten zu liefern etwa, ist doch eher ungewöhnlich. Ihn via öffentliche Medienmitteilung, wie das am Donnerstag geschah, blosszustellen, auch. Sollten Sie nicht etwas souveräner auftreten?

Stäger: Auch das wird sich wieder legen. Wir wollen nun kein weiteres Geschirr mehr zerschlagen und schauen, dass Ruhe einkehrt.

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Hier zeigen wir Ihnen weitere Bilder der FCL-Medienkonferenz:

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2 Kommentare
  1. Mario Senti, 17.02.2016, 14:05 Uhr

    NLZ-Sportredaktor ist eine Marionettenfigur von Chefredaktor Bornhauser.

  2. Christoph Müller, 13.02.2016, 18:26 Uhr

    Luzern hat leider nur noch eine Tageszeitung und bei der schreibt eigentlich nur ein Journalist über den FCL. Ich finde, dass seit Jahren praktisch immer ein negativer Grundton vorherrscht. Der FCL und seine Führung kann tun und lassen was sie will, falsch ist es praktisch immer. Sachliche und fundierte Kritik soll Platz haben, aber leider gibt es genug Beispiele wo es nicht um die Sache ging, sondern sehr persönlich attackiert wurde. Zu weit zurück will ich nicht gehen und Vorfälle mit Zibung und Murat Yakin aufrollen. Erwähnen möchte ich jedoch die Reaktionen zur Entalssung von Rolf Fringer. Aufgrund der Informationen vom Verein kann man nicht genau auf die Gründe der Entlassung schliessen. Aber da wird spekuliert, die Vereinsführungen persönlich angegriffen usw. Der FCL ist ein Unternehmen und Unternehmensentscheide müssen und können auch nicht im Detail von der Firmenleitung kommentiert werden. Ebenso die Gründe für die Vertragsverlängerung. Markus Babbel hat absolut recht wenn er sagt, dass der Journalist nicht sein Gehalt bezahlen müsse. Speziell finde ich, dass man in der heutigen NLZ nicht erwähnt, dass der eigene Journalist es war der den Disput provozierte. Wieso kann man hier nicht transparent und offen kommunizieren? Ich bin überzeugt, dass diese negative Bereichterstattung auch Einfluss auf die Leserkommentare auf der NLZ hat. Dort sind fast ausschliesslich nur negative und auf Personen gezielte Kommentare zu lesen. Oder wird evtl. Auch ihr durch die Redaktion der NLZ entsprechende Vorauswahl getroffen?