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Argumente des Gemeinderates halten nicht Stand
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Der Gemeinderat von Baar schützt die Leiterin des Pflegezentrums weiterhin. Ob und was wirklich falsch läuft, bleibt vermutlich für immer unklar. (Bild: dog)

Pflegezentrum Baar Argumente des Gemeinderates halten nicht Stand

3 min Lesezeit 01.07.2014, 05:31 Uhr

Ob die Krise im Pflegezentrum Baar nach der Diskussion an der Gemeindeversammlung ausgestanden ist, bleibt offen. Die Beantwortung der Interpellation des Gemeinderates wirft derweil neue Fragen auf, denn die Auslegung des angeführten Gerichtsurteils ist falsch.

Für den Baarer Gemeinderat ist der Fall klar. Im Pflegezentrum soll endlich Ruhe einkehren. Stiftungsrats-Mitglied Damian Hotz sagte an der Gemeindeversammlung: «Die Mitarbeitenden sollen endlich in Ruhe weiterarbeiten können.» Die mediale Berichterstattung hatte dort grosse Emotionen ausgelöst. Mitarbeitende sollen öffentlich beschimpft worden sein.

zentral+ löste die Diskussionen mit einem Artikel letzten August aus. Eine ehemalige Mitarbeiterin des Pflegezentrums Baar (PZB) kritisierte öffentlich den fragwürdigen Führungsstil der Geschäftsleiterin Stephanie Schär und sprach von einem vergifteten Arbeitsklima und diversen Kündigungen. Im angesprochenen Artikel äusserte sich auch Fritz Krähenbühl zu Schär. Krähenbühl ist der ehemalige Präsident der Trägerschaft desjenigen Alterszentrums in Fislisbach (AG), in dem die aktuelle Geschäftsleiterin von Baar zuvor arbeitete.

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Krähenbühl wurde in der Zwischenzeit und infolge des publizierten Artikels von der Staatsanwaltschaft Baden wegen übler Nachrede zu einer Busse von 300 Franken verurteilt. Dieses Urteil bezog sich lediglich auf ein juristisch fragwürdiges Wort, mit dem er Stephanie Schär bezeichnete. zentral+ hat die entsprechende Bezeichnung auf Antrag des Rechtsanwalts von Fritz Krähenbühl aus der früheren Berichterstattung gestrichen.

Gerichtsurteil wird unterschiedlich ausgelegt

Der Gemeinderat versuchte anlässlich der Gemeindeversammlung, Zweifel an der umstrittenen Situation im PZB zu zerstreuen. Dazu stützte er sich zu einem grossen Teil auf jene Verurteilung und wollte damit aufzeigen, dass es niemals zu einer Krise kam. Der Gemeinderat interpretierte das Urteil so, dass Krähenbühl für seine angeblich unwahren Aussagen verurteilt worden sei, womit er Krähenbühls Aussagen inhaltlich als falsch darstellte. In der Antwort des Gemeinderates auf die Interpellation heisst es entsprechend: «Betreffend die Zitate eines Herrn Fritz Krähenbühl hält der Gemeinderat fest, dass diese erwiesenermassen falsch sind.»

Aus dem Urteil geht jedoch eindeutig hervor, dass Krähenbühl nicht wegen falschem Wahrheitsgehalt seiner Aussagen verurteilt wurde, sondern für eine einzelne verletzende Bezeichnung. Ob die weiteren Aussagen des Angeklagten korrekt waren oder nicht, ist offen und war weder Gegenstand der Untersuchung noch unserer Berichterstattung. Es stellt sich die Frage, weshalb der Gemeinderat die Antwort auf die Interpellation auf dieses Urteil abstützt. Stiftungsrats-Mitglied Damian Hotz schloss sich seinerseits der Argumentation des Gemeinderats an.

Mit der Beantwortung der Interpellation wollte der Gemeinderat dem Vorwurf entgegen wirken, er hätte etwas zu verbergen. Bei der Beantwortung der Fragen stützte er sich auf das Urteil gegen Fritz Krähenbühl und ein ihm vorliegender Protokollauszug der Vorstandssitzung des Alterszentrums Rohrdorferberg-Reusstal in Fislisbach. Stephanie Schär ihrerseits äusserte sich an der Gemeindeversammlung nicht zum Thema.

Zwischenmenschliche Probleme und Ressentiments?

An der Versammlung kritisierten Gemeinderat und Stiftungsrat nicht nur den Wahrheitsgehalt der Aussagen von Fritz Krähenbühl. Auch ein «guter Teil» der in den Medien publizierten Sachverhalte sei «irreführend und falsch», sagte Damian Hotz, Vizepräsident der Bürgergemeinde Baar und ebenfalls Mitglied im Stiftungsrat des Pflegezentrums. Und zur Interpellation von Malaika Hug meinte er, diese sei dramatisierend und basiere auf Presseberichten, «die in wesentlichen Teilen unwahr sind».

Paul Langenegger, Baarer Gemeinderat und Stiftungsratspräsident des Pflegezentrums, sagt auf Anfrage von zentral+: «Krähenbühl wurde für seine Falschaussagen verurteilt.» Langenegger fügt an, dass er beim Vorstand des Alterszentrums in Fislisbach nachgefragt habe, was damals unter Stephanie Schär falsch gelaufen sei. «Der Vorstand sagte mir, dass es eine zwischenmenschliche Problematik gewesen sei.»

Stiftungsrat habe auf Kritik reagiert

Doch nicht nur der frühere Chef von Stephanie Schär übte Kritik. Auch 20 Mitarbeitende des PZB reagierten mit einem Beschwerdebrief an den Stiftungsrat. Ob diesen Vorwürfen nachgegangen wurde, war an der Gemeindeversammlung nicht zu erfahren.

Paul Langenegger lässt das nicht gelten. «Wir hielten eine Aussprache mit einer Delegation. Der Vorwurf, es sei nichts gegangen, stimmt nicht.» Er fügt an, dass unter der Geschäftsleitung vor Stephanie Schär eine sehr familiäre Atmosphäre geherrscht habe. «Als der Kanton ausstieg, entstand ein massiver Kostendruck.»

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