Luzerner Theater am See statt an der Reuss: Architekten bringen neuen Standort ins Spiel
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Bruno Achermann will zusammen mit Max Germann die Debatte über die Zukunft des Luzerner Theaters neu anstossen. (Bild: jru)

Pläne für Neubau am Kurplatz Luzerner Theater am See statt an der Reuss: Architekten bringen neuen Standort ins Spiel

4 min Lesezeit 12 Kommentare 15.04.2021, 10:21 Uhr

Wieso am alten Standort festhalten? Zwei Luzerner Architekten hinterfragen die Strategie für das neue Luzerner Theater und bringen den Kurplatz am Nationalquai als mögliche Stätte ins Gespräch. Damit wollen sie eine ganz neu orientierte Vision ins Rollen bringen – und den Theaterplatz retten.

Die Projektierungsgesellschaft unter der Leitung der Stadt Luzern hat im November vergangenen Jahres beschlossen, das Luzerner Theater abzureissen und stattdessen einen Neubau auf den Theaterplatz zu pflanzen. Das hat damals der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission überhaupt nicht gefallen, sie hatte das Projekt aufgrund von Sorgen bezüglich des Denkmalschutzes bereits zuvor entschlossen negiert (zentralplus berichtete).

Zwei Architekten – ein Ziel

Jetzt bringen die beiden Architekten Max Germann und Bruno Achermann eine Alternative ins Gespräch. Denn sie hinterfragen die Strategie, am alten Standort festzuhalten. Auf dem Kurplatz präsentierten sie am Donnerstagmorgen ihre Vision des neuen Luzerner Theaters. Konkret: Den neuen, ihrer Meinung nach viel besseren Standort für einen Neubau des Luzerner Theaters. «In Luzern ist der Aufbruchsgeist verloren gegangen», so Germann während der Präsentation. «Eine Stadt ist immer so stark, wie es ihre Substanz ist. Und Luzern ist eine kleine Stadt, die beispielsweise aufgrund des damals innovativen Nationalquais zur Weltmarke wurde.»

«Das neue Theater könnte beim Pavillon gebaut werden», meinen Max Germann und Bruno Achermann.

Um diesem Standard auch heute wieder gerecht werden zu können, müsse die Stadt Luzern wieder etwas weiter zu denken beginnen. Wenn das alte Luzerner Theater neben der Jesuitenkirche abgerissen und durch einen grösseren Neubau ersetzt wird, der dort eigentlich gar nicht Platz hat, entsteht dann ein Mehrwert? Das fragt sich Bruno Achermann, der zweite Architekt im Team.

Aufwertung des Luzerner Stadtraums

Wohl eher nicht, so seine Antwort. Dies, weil der Theaterplatz, der einem geplanten Neubau weichen müsste, der grösste freie Platz mit direktem Zugang zur Reuss im historischen Teil Luzerns darstellt. «Würde dieser Platz zugebaut, hätte das einen starken Verlust der Qualität des Stadtraums zur Folge», meint Germann. Vielmehr solle man diesen Platz weiter ausgestalten und als Aussenfläche nutzen. Und auch das alte Theater muss ihrer Ansicht nach nicht abgerissen werden – eine alternative Nutzung soll neuen Wind in das Gebäude bringen.

«Die Qualität des Ortes mit Blick auf den See würde dadurch nicht verloren gehen.»

Max Germann, Architekt

Der Nationalquai besteht aus einer langen Häuserzeile, geprägt von Hotels, die den Tourismus seit eh und je ankurbeln. Der Kurplatz als daran angehängter Ort würde sich daher eignen, um die Häuserzeile mit einem Theater abzuschliessen, finden die beiden Architekten. «Der durchgehende Fussgängerweg und die Qualität des Ortes mit dem Blick auf den See würde dadurch jedoch nicht verloren gehen.» Im Gegenteil: «Diese Fläche ist ein Kraftort im Raumgefüge der Innenstadt und des Seebeckens», begründen die beiden.

Das «Kulturdreieck»

Zusammen mit dem KKL und dem alten Stadttheater würde ein seeübergreifendes Kulturdreieck entstehen. Und: Luzern hätte nicht mehr länger nur ein Kultur- und ein Hotelufer.

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Der neue Standort beim Pavillon hätte laut den Initianten zudem den Vorteil, dass Provisorien während der Bauzeit entfallen würden. Die Alternative sehen sie als Chance für einen Sprung nach vorne, für ein neues Theater, das nicht von Sachzwängen geprägt sei, sondern grossen Mehrwert verspreche.

Bislang fehlte das Interesse

Doch was wollen die Architekten nun als Nächstes erreichen? Und: Ist die Stadt überhaupt in das Projekt eingeweiht? «Ja! Auf jeden Fall», hiess es am Donnerstag. «Doch leider zeigte sie bis anhin kein Interesse an unserem Vorhaben», erklären die Initianten des Kurplatz-Theaters.

Das Kulturdreieck mit dem KKL, dem alten und dem neuen Theater. (Visualisierung: zvg)

Nebst der überraschenden Frische und dem Über-den-Tellerrand-hinaus-Denken ist aber auch noch viel Ungewissheit im Spiel. Das zeigt sich, wenn man das Team auf das weitere Vorgehen anspricht.

Mit ihrer öffentlichen Präsentation des Projekts möchten die Architekten jetzt die Diskussion innerhalb der Luzerner Bevölkerung ankurbeln. «Wir sind gespannt, wie die Reaktionen darauf sein werden», meint Yves Herger, ebenfalls Mitinitiant und Entwickler der neuen Idee. Gespannt sein darf man auch, wie die Verantwortlichen auf den Vorschlag reagieren.

Klar ist so viel: «Wir möchten gerne Folgeveranstaltungen machen, bei denen wir verschiedene Interessensgruppen miteinbeziehen wollen, um eine gutes und vor allem für weitere Generationen wertvolles neues Luzerner Theater zu schaffen.»

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12 Kommentare
  1. Lizzy, 29.04.2021, 13:48 Uhr

    Der vorgeschlagene Standort für das neue Theater beim Pavillon wäre nicht meine Wahl. Warum nicht folgende Variante als Standort prüfen: Umbau des zentral liegenden Bourbaki, das jetzt schon eine Begegnungsstätte ist: Neues Theater, Museum, Kino, Bibliothek, Restaurant und Café. Keine weiteren Geschäfte.

  2. Phi, 16.04.2021, 18:24 Uhr

    Ich finde die Idee diskutierbar. Mit einer Umsichtigen Planung wäre ein neues Bauwerk möglich ohne den Kurplatz gänzlich aufzulösen. Ich habs gerade mal kurz aufskizziert, es hat wohl genügend Platz um ein verträgliched Nebeneinander zu ermöglichen. Auch städtebaulich sehe ich einiges an Potenzial an diesem Ort. Der Pavillon müsste meines Erachtens jedoch in irgend einer Form (im Neubau integriert) erhalten bzw. ersetzt werden.

  3. Michel von der Schwand, 16.04.2021, 10:47 Uhr

    Salle Modulable 2.0 nenne ich solche Ideen, welche grundsätzlich nicht falsch sind. Daraus liessen sich weitere kreative Ideen entwickeln, wäre man in Luzern nicht so stur und verbohrt. Es macht durchaus Sinn, dass sich die Stadt einen anderen Standort für das Luzerner Theater überlegen würde. Angesichts der Tatsache, dass man fast schon dilettantisch die Idee des Sale Modulable buchstäblich im See versenkt hat, macht es Sinn sich den See in Zukunft zu nutze zu machen. Bleibt zu hoffen, dass es tatsächlich mal etwas kreativer in dieser Stadt zu und her geht.

  4. paul, 15.04.2021, 19:03 Uhr

    ojeee ojeee ojee! geltungsdrang? grössenwahn? sicher kein luzerner.

  5. Ab in die Agglo, 15.04.2021, 18:26 Uhr

    Kurplatz nicht überbauen! Theater soll auf den Seetalplatz.

    1. Michel von der Schwand, 16.04.2021, 13:25 Uhr

      Schon mal auf den Seetalplatz geguckt? Oder irgendwann mal eine Zeitung gelesen oder sich informiert? Wo wollen Sie ein Theater auf dem Seetalplatz bauen? Auf dem neuen Verwaltungsgebäude des Kanton Luzern? Kann man machen, muss man aber nicht.

  6. Céline Brändli, 15.04.2021, 14:02 Uhr

    Natürlich zeigt die Stadt kein Interesse. Es wäre eine Sünde und politischer Selbstmord, den historischer Freiraum am See mit einem Theaterneubau verschandeln zu wollen. Diesen Architekten scheint wohl nichts heilig zu sein.

  7. Peter Bitterli, 15.04.2021, 12:43 Uhr

    Ich habe erst meine Zweifel gehabt, ob es sich bei den zwei Herren überhaupt um Architekten handelt, fehlen doch in ihren Aussagen die zwei Kickbegriffe „urban“ und „städtebaulich“. Als ich dann aber das tolle „Kraftort im Raumgefüge“ las, war ich überzeugt.

  8. B Suter, 15.04.2021, 10:41 Uhr

    Der Kurplatz ist einer der schönsten Luzerner Orte. Da gehört kein Theater hin. Warum hält man nicht am Motorbootshafen fest?

  9. Stadt Luzerner, 15.04.2021, 10:40 Uhr

    Die wohl dämlichste Idee ever! Lasst das Quai wie es ist und sündigt nicht auch noch an der einzigen Perle von Luzern!

    1. Jörg, 15.04.2021, 13:54 Uhr

      Eben Architekten, da hat nicht viel platz ,der schöne Platz zubetonieren, ab damit auf die Lido Wiese Gross und Pompös wie es für ein Theater gehört alleine die drehbaren umkleide Garderobe all das braucht viel Platz die Touristen lachen uns ja aus alleine das Kunst haus und der Bahnhof eine Schande der Planung

  10. Martin von Rotz, 15.04.2021, 10:37 Uhr

    Ideen haben ist toll und fördert immer die Diskussion. Aber eine der wenigen grösseren offenen Flächen direkt am See zu verbauen ist meiner Meinung nach absoluter Schwachsinn.

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