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Billette gibt es bald nicht mehr beim Chauffeur

Bargeldlose Postautos? Luzern findets gut

Insbesondere Seniorinnen, die weder Handy noch Karte zum Bezahlen besitzen, hätten das Nachsehen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Postauto will das Geld aus den gelben Bussen verbannen: Künftig sollen die Passagiere bei der Chauffeurin im Bus kein Ticket mehr kaufen können. Dafür soll es bargeldlose Automaten im Postauto geben. Der Verkehrsverbund Luzern (VVL) findet die Idee gut.

Es sei zu teuer und für Chauffeure belastend, deswegen will Postauto-Chef Christian Plüss den Ticketverkauf im Bus streichen. Damit würde auch das Bezahlen mit Bargeld aus den Postautos verschwinden. Denn was Plüss vorschwebt: Mini-Automaten in den Postautos, die bargeldlos funktionieren. Ab 2025 sollen diese Automaten bereitstehen, berichtete «Saldo» letzte Woche.

Ob das Bargeld wirklich aus den gelben Bussen verschwindet, dabei können die Kantone ein Wort mitreden. Sie könnten die Bargeldzahlung von Postauto einfordern. Dies, weil sie Aufträge im öffentlichen Verkehr vergeben und somit auch Vorgaben zu Bezahlmöglichkeiten machen können.

Idee stösst bei VVL auf Anklang

Also fragen wir beim Kanton Luzern nach, was der von dieser Idee hält. Antworten erhalten wir vom Verkehrsverbund Luzern (VVL). Dieser ist für die Planung und Finanzierung des öffentlichen Verkehrs im Kanton Luzern zuständig.

Mediensprecherin Luzia Frei betont, dass der Vertrieb grundsätzlich Sache der Transportunternehmen sei. So gebe es beispielsweise auch in den Trolleybussen in der Stadt Luzern seit vielen Jahren keinen Ticketverkauf mehr.

«Uns ist die Zuverlässigkeit des öV ein wichtiges Anliegen, ein Verzicht auf das Bezahlen mit Bargeld beim Chauffeur oder der Chaffeuse kann dazu beitragen, Verspätungen zu vermeiden.»

Luzia Frei, VVL-Sprecherin

«Der Verkauf von Billetts mit Bargeld im Bus ist im Betrieb teuer und aufwendig, der Anteil Bargeldzahlungen hat seit der Corona-Pandemie deutlich abgenommen», so Frei weiter. Und sie ist gar überzeugt, dass ein bargeldloser Ticketkauf auch der Pünktlichkeit der Busse entgegenkommt. «Zudem ist uns die Zuverlässigkeit des öV ein wichtiges Anliegen, ein Verzicht auf das Bezahlen mit Bargeld beim Chauffeur oder der Chauffeuse kann dazu beitragen, Verspätungen zu vermeiden.»

Wichtig sei jedoch, dass bei einem Verzicht auf den Billettkauf mit Bargeld niederschwellige Alternativen angeboten würden, zum Beispiel für Kinder oder Touristinnen.

Denn wird das Bargeld aus den Postautos verbannt, so werden insbesondere Kinder und Seniorinnen betroffen, die weder Handy noch eine Karte haben, mit der sie bezahlen können.

Auch andere Kantone können sich bargeldlosen Ticketverkauf vorstellen

Auch andere Deutschschweizer Kantone sind der Idee nicht abgeneigt, wie eine Befragung des «Saldo» zeigte. Neben dem Kanton Luzern können sich auch die Kantone Aargau, Appenzell, Freiburg, Nid- und Obwalden, Schaffhausen, Thurgau und Zürich «mittelfristig einen bargeldlosen Ticketverkauf im öffentlichen Verkehr» vorstellen.

Anders der Kanton Baselland: «Postauto kann diese Änderung nicht in Eigenregie umsetzen», wird Sprecherin Andrea Bürki zitiert. «Wir bestehen darauf, dass Bargeld zumindest in den nächsten drei bis fünf Jahren im öffentlichen Verkehr akzeptiert wird.»

Verwendete Quellen
  • Medienbericht im Saldo
  • Schriftlicher Austausch mit Luzia Frei, VVL
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