Arbeiten
Türe zu, Whirlpool an

Bademeister nutzt Lättich-Hallenbad als private Badewanne

Der Bademeister plantschte mit seiner Familie im Hallenbad – als dieses eigentlich geschlossen war. (Bild: Adobe Stock Symbild)

Die Gemeinde Baar hat einem Bademeister gekündigt – unter anderem weil er mit seiner Familie ausserhalb der Öffnungszeiten im Hallenbad Lättich plantschte. Der Mann wehrte sich vergebens gegen die Entlassung.

Der Konflikt hat sich über Jahre angestaut. Erstmals dokumentiert ist er im Protokoll eines Mitarbeitergesprächs 2015. In puncto «Anweisungsbefolgung» gebe es Verbesserungspotenzial, ist da zu lesen. Und auch am Umgangston müsse der Bademeister arbeiten. Dieser war den Gästen des Hallenbads Lättich offenbar als grob aufgefallen.

Fortan war der Mann nicht mehr stellvertretender Chefbadmeister. Er wurde seiner Leitungsfunktion enthoben, arbeitete aber weiterhin im Hallenbad.

Dem Mitarbeiter mit der Faust gedroht?

Es folgte ein weiteres Mitarbeitergespräch 2016, bei dem das persönliche Verhalten als «unbefriedigend» festgehalten wurde. Diese Beurteilung schien zunächst Wirkung zu zeigen. Doch knapp ein Jahr später kam es zum ersten gröberen Eklat.

2017 wurde der Bademeister formell verwarnt. Dies weil er gegenüber seinem Vorgesetzten aggressiv und unfreundlich auftrat – und einem Mitarbeiter sogar mit der Faust gedroht haben soll. Die Vorgesetzten gaben ihm eine letzte Chance. Ein Jahr später passierte ein seltsamer Zwischenfall.

Bademeister und Familie plantschen im geschlossenen Hallenbad

Ein Einwohner meldete der Gemeinde, dass sich im geschlossenen Hallenbad respektive in der Sprungbucht und im Whirlpool Leute aufhalten würden. Als der Chef der Sache auf den Grund ging, stellte sich heraus, dass der Bademeister dort mit seiner Familie plantschte.

«Ich bin schnell nach der Wasserprobe im 25-Meter schwimmen. Okay?!», schrieb er seinem Vorgesetzten. Dieser schrieb zurück: «Nicht ok, machen wir nicht.»

Bilder der Überwachungskamera zeigen, dass der Mann keineswegs alleine eine kurze Runde schwamm – sondern mit der ganzen Familie im Becken plantschte. Doch auch das war noch nicht der Grund für die Kündigung.

Diese folgte einige Monate später, nachdem sich der Bademeister weigerte, Zusatzdienste zu übernehmen. Da war für den Chef klar: Ein Knall ist nur noch eine Frage der Zeit.

Gemeinderat entscheidet sich für einen Schnitt

Die Personalabteilung lud den Bademeister schliesslich schriftlich zu einem Gespräch, weil seine Vorgesetzten die Kündigung erwägen würden. Dazu kam es allerdings nicht mehr, der Mann liess sich krankschreiben. Und so dauerte es geschlagene sechs Monate, bis ihm schliesslich schriftlich das vorgeschriebene rechtliche Gehör gewährt werden konnte, das eine Voraussetzung für eine Kündigung ist.

Der Gemeinderat beschloss daraufhin, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Das akzeptierte der Bademeister aber nicht. Er wandte sich ans Zuger Verwaltungsgericht. Dort machte er geltend, die Kündigung sei missbräuchlich gewesen und ihm sei das rechtliche Gehör nicht gewährt worden. Er forderte eine Entschädigung von acht Monatsgehältern.

Ganz fair lief die Sache nicht

Dieses weist die Beschwerde ab. Allerdings nicht ohne mahnende Worte an die Adresse der Gemeinde. Diese habe nie konkret versucht, die Konfliktsituation zwischen dem Bademeister und seinen Kollegen zu entschärfen. «Dies bemängelt der Beschwerdeführer zu Recht», heisst es im Urteil.

Auch zur Ergründung des Problems scheine die Gemeinde keine Anstalten gemacht zu haben. Vielmehr habe sie einseitig auf die Aussagen eines der Arbeitskollegen abgestellt.

Dies ändert aber nichts daran, dass das Vertrauensverhältnis zwischen dem Mann und seinen Vorgesetzten erschüttert war. Dies sei ein sachlicher Kündigungsgrund, weshalb die Entlassung nicht missbräuchlich sei.

Verwendete Quellen
  • Urteil V 2021 36 des Zuger Verwaltungsgerichts
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