Anwohner kämpfen weiter gegen Hundefreilaufzone am Luzerner Churchill-Quai
  • Gesellschaft
Sorgt immer wieder für Knatsch: Die Hundefreilaufzone am Churchill-Quai. (Bild: ida)

Anzeige eingereicht Anwohner kämpfen weiter gegen Hundefreilaufzone am Luzerner Churchill-Quai

3 min Lesezeit 2 Kommentare 06.07.2020, 17:22 Uhr

Weil die Stadt es versäumt hat, ein ordentliches Baubewilligungsverfahren für die Hundefreilaufzone am Churchill-Quai durchzuführen, musste sie das auf Druck hin nachholen. Nun ist eine Einsprache eingegangen. Und obendrein eine Anzeige.

Es ist ein Dauerthema; so schnell werden die erbosten Stimmen wohl auch nicht verstummen. Die Hundefreilaufzone am Churchill-Quai sorgt seit Monaten für Knatsch und Diskussionsstoff.

Worum gehts? Die Stadt hat in unmittelbarer Nähe des Hotels Seeburg eine Freilaufzone für Hunde eingerichtet – ohne zuvor ein Baubewilligungsverfahren durchzuführen. Das musste sie nachholen. Bis am 1. Juli lag das nachträgliche Baugesuch öffentlich auf.

Der Luzerner Jurist Loris Fabrizio Mainardi vertritt neun Einsprecher – die alle nicht unweit der Hundefreilaufzone wohnen.

Jurist übt harsche Kritik

Der «absolute Hauptkritikpunkt» ist das Vorgehen der Behörde, sagt Mainardi gegenüber zentralplus. «Der Stadtrat hat sich nicht an seine eigenen Regeln gehalten, indem er kein ordentliches Baubewilligungsverfahren durchgeführt hat.» Mainardi kritisiert, dass Privaten wegen Kleinigkeiten drakonische Bussen aufgebrummt würden.

«Das Verhalten der Stadt ist selbstherrlich und dreist.»

Loris Fabrizio Mainardi, Jurist

«Das Verhalten der Stadt ist selbstherrlich und dreist», kritisiert Mainardi. Es sei «rechtsstaatlich enorm problematisch.» Er fordert, dass die Behörden dafür einstehen müssten – und hat wegen Verstoss gegen das Planungs- und Baugesetz Strafanzeige eingereicht.

Bewohner sorgen sich weiterhin um Sicherheit

In der Einsprache kommt aber auch bekannte Kritik aufs Tapet. Die Einsprecher bemängeln, dass die Hundefreilaufzone für Spaziergänger und Kinder nicht sicher sei. Da ist der Bereich zum See, der offen ist. Und der Zaun mit einer Höhe von 40 Zentimetern. «Nach Absprache mit dem kantonalen Veterinärdienst weiss ich, dass der Zaun mindestens 1.80 Meter hoch sein sollte, damit kein Hund darüberspringen kann. Davon sind wir beim Churchill-Quai weit entfernt.»

Zudem will die Stadt beim Churchill-Quai einen Kinderspielplatz bauen. Spielende Kinder und herumtollende Hunde – die Anwohner empfinden das als zu gefährlich.

Auch stören sie sich an sogenannten Hundetouristen – also Hundehalter, die mit ihren Hunden von ausserhalb der Stadt anreisen, damit diese sich auf der Wiese austoben können. Ein Augenschein von zentralplus vor Ort zeigte, dass immerhin fast die Hälfte aller parkierten Autos aus anderen Kantonen stammten – in wie vielen von ihnen Hunde zur Wiese gebracht worden waren, lässt sich nicht sagen (zentralplus berichtete).

Auch eine Beschwerde, die von Hundehaltern bei der Polizei gegen eine Anwohnerin eingereicht wurde, zeigt laut Mainardi, dass 43 der 80 Unterzeichnenden ihren Wohnsitz ausserhalb der Stadt Luzern haben.

Stadt bestätigt Eingang einer Einsprache

Die Forderung der Einsprecher aus der Nachbarschaft ist eindeutig: Die Hundefreilaufzone muss weg, beziehungsweise könne das Projekt in dieser Form nicht bewilligt werden. «Wenn die Stadt ein neues Projekt Hundefreilaufzone am besagten Standort lancieren möchte, müsste sie zunächst das geltende Bau- und Zonenreglement ändern und bessere Sicherheitsmassnahmen ergreifen – oder sonst die Freilaufzone an einem anderen Standort umsetzen», sagt Mainardi.

Seiner Meinung nach gebe es in der Umgebung Lido Seeburg andere Standorte, die besser dafür geeignet wären. Plätze, an denen keine Anwohner lebten.

Markus Hofmann, Bereichsleiter Baugesuche, bestätigt, dass eine Einsprache eingegangen ist. Weil es sich aber um ein laufendes Verfahren handelt, kann er keine weiteren Auskünfte erteilen.

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2 Kommentare
  1. Luzia, 14.07.2020, 12:36 Uhr

    Klar das die Hunde die reichen Anwohner stören, und eben diese genug Geld haben Für einen Anwalt. Schön das diese Leute keine anderen Sorgen haben. In der Freizeit sollte doch ein Miteinander möglich sein. Zum Bsp.
    Velofahrer nehmen meist auch keine Rücksicht auf Kinder oder Spaziergänger, die nerven mehr als Hunde. Und Hundehalter zahlen genug Steuern und Versicherung für Ihren Hund, die Veloversicherung wird von der Allgemeinheit bezahlt. Somit ist es nur gerecht, wenn für die Hunde mal ein Platz eingerichtet wird.

  2. Willi Jörg, 07.07.2020, 18:10 Uhr

    Es ist einfach unglaublich, wie gewisse Leute auf Hunde (des Menschen bester Freund!) reagieren! Das Risiko, wegen einem Hund zu Schaden zu kommen, wird von Leuten böswillig übertrieben, die blindlings und telefonierend über die Strasse laufen. Traurig ist auch, dass jeder Quärulant in der Schweiz einen Anwalt findet, der sich für ihn zur Wehr setzt, dies allerdings nicht umsonst!

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