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Anwohner hinterfragen ESAF kritisch – OK-Chef Tännler bleibt gelassen
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Grosse Sorgen wegen verstopfter Quartierstrassen Anwohner hinterfragen ESAF kritisch – OK-Chef Tännler bleibt gelassen

4 min Lesezeit 2 Kommentare 13.06.2019, 23:00 Uhr

Diesen Donnerstag wurden die Anwohner rund um die Zuger Quartiere Ammannsmatt und Riedmatt informiert, was auf sie beim ESAF zukommen wird. Ängste sind vorhanden, doch das Organisationskomitee beschwichtigt. Dabei verriet OK-Chef Heinz Tännler ein pikantes Detail.

Ein Grossanlass geht immer auch mit Unsicherheiten und Ängsten der lokalen Bevölkerung einher. Wie sehr werde ich eingeschränkt? Worauf muss ich während des Anlasses verzichten? Muss ich leere Bierdosen aus meinem Garten fischen?

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) vom 23. bis 25. August in Zug bildet da keine Ausnahme. Um diese Unsicherheiten möglichst zu reduzieren, lud der Quartierverein Westwind am Donnerstagabend im Schulhaus Riedmatt zum Infoabend. Der Quartierverein Westwind vertritt die Gebiete Rank, Riedpark, Riedmatt und Ammannsmatt – und somit vom ESAF betroffene Quartiere.

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Als Referenten traten in der schmucken Holzaula die beiden SVP-Politiker Heinz Tännler und Gregor Bruhin auf. Tännler fungiert beim ESAF als OK-Präsident. Bruhin übernahm vor wenigen Wochen das Amt des Verkehrskoordinators am Eidgenössischen (zentralplus berichtete).

30 Millionen Franken sollen hierbleiben

Welche Fragen auch immer den Quartierbewohnern in der gut gefüllten Aula unter den Nägeln brannten – zu Beginn wurden sie wohl kaum beantwortet. Denn Tännler erklärte zum Einstieg, wie das ESAF 2019 den Weg nach Zug gefunden hat und zeigte die Dimensionen des Spektakels auf. Mindestens 350’000 Gäste erwartet das OK über die Schwingtage in Zug – vielleicht werden es auch 380’000 sein. Das Budget beträgt inzwischen fast 37 Millionen Franken. 6’000 Helfer werden mit dabei sein. Der Campingplatz ist längst restlos ausgebucht. Rund 30 Millionen Franken der Wertschöpfung sollen in der Region bleiben.

«Wir wollen, dass mindestens 80 Prozent der Leute mit dem ÖV anreisen.»

Gregor Bruhin, Ressortleiter Anwohner beim ESAF

Tännler betonte, was für einen Respekt er davor habe, die Sicherheit für jeden Einzelnen zu gewährleisten. Zudem komme mit Fürst Albert von Monaco und König Tupou VI. von Tonga blaues Blut nach Zug. Trotzdem: «Eingangskontrollen wird es nicht geben», so der Regierungsrat. Dies sei aus Zeitgründen nicht machbar.

Nur drei Stunden Schlaf für die Busse

Gregor Bruhin ging im zweiten Teil spezifisch auf den Verkehrsaspekt ein. Das Ziel ist klar: «Wir wollen, dass mindestens 80 Prozent der Leute mit dem ÖV anreisen», so das GGR-Mitglied. Aus diesem Grund spannt das ESAF mit SBB und ZVB zusammen.

Das ESAF-Ticket wird dabei gleich auch noch die Rolle des GA übernehmen. Und die ZVB-Busse kurven an besagtem Wochenende zwischen 6 und 3 Uhr im Viertelstundentakt durch Zug. Gewisse Abstriche müssen die «Bähnler» während des ESAF trotzdem in Kauf nehmen: Die Haltestelle Schutzengel wird aus Sicherheitsgründen in diesem Zeitraum nicht angefahren.

«Viele Schwingfans wohnen auf dem Land. Die haben nicht alle einen Bahnhof vor der Tür.»

Zuger Anwohner

Anschliessend kam Bruhin auf die Auswirkungen für die «Westwind-Bewohner» zu sprechen. «Ihr habt es gut hier, das Herti-Quartier ist viel stärker betroffen», begann der 25-Jährige. «Einzig der Chamer Veloweg wird nicht benutzbar sein, da dort alle Besucher zum Festgelände laufen werden.»

Was, wenn der Regen zum Spielverderber wird?

Es folgten die Fragen aus dem Publikum. Und schnell wurde klar: Die Bewohner fürchten, in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Kann ich über die Steinhauserstrasse hin- und wegfahren? Wie weit geht der Campingplatz? Wird der Müll auch auf privatem Grund weggeräumt? Ich wohne in der Ammannsmatt – was, wenn jemand kurzfristig zu Besuch kommen möchte und nicht angemeldet ist? Bruhin bezüglich letzterer Frage: «Idealerweise geht der Besuch vorher kurz zum zuständigen Büro, um dort eine temporäre Karte zu holen.»

Interessant wurde es, als die Rede auf die Parkplätze kam. Jemand aus dem Publikum wollte wissen, ob es denn einen Plan B im Falle schlechten Wetters gebe – da es ansonsten im Choller für die Autos und ihre Besitzer besonders bei der Wegfahrt ungemütlich werden könnte.

«Theoretisch bringen wir auch 8’500 Autos unter.»

Heinz Tännler, OK-Präsident ESAF

«Ja, den gibt es», antwortete Tännler. In diesem Falle würden in Rotkreuz an zwei Orten asphaltierte Parkplätze zur Verfügung stehen und ZVB-Shuttles die Besucher zum Festgelände bringen. Für die Camper gebe es allerdings keinen Schlechtwetterplan, so Tännler.

Sind Schwingfans keine Bähnler?

Es wurden weitere Bedenken hinsichtlich Parkplätzen geäussert. Hunderttausende Besucher, nur gut 5’000 Parkplätze – wie kann das aufgehen (zentralplus berichtete)? Tännler beruhigte, verwies auf den ÖV.

«Aber viele Schwingfans wohnen auf dem Land. Die haben nicht alle einen Bahnhof vor der Tür», hielt ein Herr dagegen. Er fürchte, dass die Quartierstrassen mit Autos zugestellt sein werden.

Der Appell an die Besucher

Doch auch dadurch liessen sich Tännler und Bruhin nicht aus der Ruhe bringen. Tännler verriet sogar: «Theoretisch bringen wir auch 8’500 Autos unter.» Nur wolle man dies eigentlich nicht kommunizieren, da im Sinne der Nachhaltigkeit der ÖV doch bitte Trumpf sein soll.

Und Bruhin ergänzte: «Wir werden die Kapazität von 5’000 Parkplätzen bei weitem nicht ausfüllen. Ich habe kürzlich die Zahl der bisher angemeldeten Fahrzeuge gesehen. Es sind so wenige, ich dachte zuerst, die Zahl sei falsch.» Rund 250 bis 300 seien es bislang, ergänzte Tännler.

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2 Kommentare
  1. Otto Sutter, 14.06.2019, 17:31 Uhr

    Auch Parkplätze für 8’500 Autos reichen wohl nicht aus. Bei uns Schwingern ist es so. Damit man um 08:00Uhr auf dem Platz steht muss man unter umständen, inklusive Anreise um 3Uhr morgens aus den Federn. Dann zeigt mir mal einen ÖV morgens um 03:30 irgendwo in Randregionen der Schweiz der sich in Betrieb setzt :-)… deshalb bleibt unter umständen nur das Auto übrig.

  2. Der Zuger, 14.06.2019, 09:24 Uhr

    Verstehe die Anwohner nicht, ein einmaliger Anlass der gerade mal 3 Tage dauert, da wird man auch mal Einschränkungen in Kauf nehmen können oder idealerweise gleich mitfesten!