Angriff beim Spaziergang: Hund verbeisst sich in Artgenossen
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Die Frau war mit ihren beiden Hunden beim Spazieren, als ein fremder Hund plötzlich eines ihrer Tiere angriff. (Bild: Symbolbild fotalia)

Zugerin muss 400 Franken Busse zahlen Angriff beim Spaziergang: Hund verbeisst sich in Artgenossen

3 min Lesezeit 2 Kommentare 06.01.2020, 05:00 Uhr

Auf einem Feld in der Nähe der Grienbachstrasse in Baar hat im Sommer ein Hund einen anderen attackiert. Er biss ihn ins Gesäss, das Schulterblatt und den Brustbereich. Hundetrainerin Melanie Fux erklärt, wie man solche Situationen verhindert.

Es war an einem Augustabend gegen 18.30 Uhr, als eine Frau mit ihren zwei Hunden auf der Grienbachstrasse in Baar dem Bach entlang spazierte. Zur gleichen Zeit spielte eine andere Zugerin beim Feld auf der anderen Bachseite mit ihrem Hund.

Das harmlose Spiel endete jäh. Als der Hund auf dem Feld die beiden anderen Tiere wahrnahm, sprang er plötzlich wie wild auf sie zu – und verbiss sich in eines von ihnen. Die Zugerin rannte hinterher. Doch es war schon zu spät. Drei Mal hatte ihr Hund bereits zugebissen. Erst mittels Kieferöffnung gelang es der Zugerin, die Tiere voneinander zu lösen.

Tierarztrechnung beläuft sich auf 1000 Franken

Die Staatsanwaltschaft Zug verurteilt sie nun wegen Verletzung des Tierschutzgesetzes zu einer Busse von 400 Franken. Der gebissene Hund musste zum Tierarzt gebracht und für rund 1000 Franken dort behandelt werden. Schadensersatz dürfte also auch noch fällig werden.

Welche Rasse das angreifende Tier in diesem Fall hatte, geben die Behörden nicht bekannt. Dass Hunde ihre Artgenossen angreifen, kommt aber immer mal wieder vor. Ebenfalls im August ging in Cham ein Berner Sennenhund zwei Mal auf einen kleinen Hund los, der vor einer Metzgerei angebunden war. Auch dieser Hundebesitzer wurde zu einer Busse in der Höhe von 350 Franken verurteilt.

Menschen bekommen die Rivalitäten zu spät mit

Was aber sind die Gründe für derartige Attacken? «Meist sind schon viele Signale unter den Hunden ausgetauscht worden, ohne dass dies die Hundeführer bemerkt haben», erklärt die Baarer Hundertrainerin Melanie Fux.

Wenn ein Hund beispielsweise wiederholt an einem Gartenzaun markiere, wird dies der nächste Hund riechen – und sich mächtig daran stören. «Treffen solche Hunde aufeinander, weiss er schon auf 20 Meter Entfernung aufgrund des Geruchs, dass dies der Hund ist, der immer an ‹seinem› Gartenzaun markiert. Und schon kann er ohne ersichtlichen Grund losgehen.»

Menschen bekommen von solchen «Konflikten» vorgängig kaum was mit – und können entsprechend überrascht werden. «Auch wenn die Hunde noch so toll erzogen sind, findet bei mir deshalb das Kreuzen mit anderen Hunden oder Passanten an der Leine statt», sagt die Hundetrainerin.

Bis der Rückruf sitzt, bleibt der Hund an der Leine

Zudem empfehle sie ihren Kunden, die Hunde immer an der Leine zu halten, solange der Rückruf nicht zu 99,9 Prozent sitzt. «Das heisst der Hundeführer kann seinen Hund in jeder Situation zurückrufen – egal ob gerade ein Jogger, Velofahrer, ein anderer Hund oder eine Katze den Weg kreuzt.» Das gelte es zu üben. Am besten, wenn der Hund noch ein Welpe ist.

Ist ein Hund bereits ausgewachsen und greift immer wieder andere an, ist es gemäss Fux «schwierig, bis fast unmöglich», ihm das wieder abzugewöhnen. Denn das Verhalten eines Hundes festigt sich, wenn ein Hundebesitzer dies durch Inkonsequenz zulässt. «Meist ist der Hundeführer schuld und nicht zwingend der Hund», sagt sie.

Fehlverhalten darf sich nicht festigen

Es gelte nach solchen Vorfällen, das Tier zwingend immer an der Leine zu führen, damit es das falsche Verhalten nicht weiter üben kann. «Zudem sollte man einen Hundetrainer oder eine -trainerin aufsuchen, um das Verhalten des Hundes zu analysieren und einen gemeinsamen Weg zu finden, um den Hund zu therapieren.»

Es könne auch vorkommen, dass das Hund-Halter-Team einfach nicht zusammenpasst. «Es ist keinesfalls eine Schwäche, wenn ein Hundehalter sich eingestehen muss, mit einem Hund überfordert zu sein», findet Fux. Dann sollte man sich ihrer Meinung nach über das Umplatzieren des Hundes Gedanken machen. «Viel Training und sehr konsequentes Führen des Hundes kann vieles verändern, doch oft sind die Hundehalter zu bequem, diesen Aufwand auf sich zu nehmen. Oder schlicht weg nicht fähig dazu.»

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2 Kommentare
  1. Dunning-Kruger, 07.01.2020, 10:01 Uhr

    Solange sich die Hunde nur gegenseitig belästigen resp. angreifen und die Menschen in Ruhe lassen sehe ich persönlich wenig Handlungsbedarf. Das ist dann wohl das Risiko der Hundehaltung und der Hunde untereinander, wenn einer am „falschen“ Ort markiert – ist ja unter uns Menschen auch nicht grundverschieden. Vielleicht wäre also auch aus der Hündeler-Sicht die Leine das probate Argument!

  2. Dörflinger André, 06.01.2020, 12:36 Uhr

    Auch schon mal was von Hundespray gehört? Ich habe welchen immer dabei. Kann ich nur empfehlen!

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