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Andy Wolf: «Seit Hakan Yakin hatten wir keinen Star mehr»
  • Sport
Kopfüber: Simon Grether und der FCL sind momentan in Schieflage. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus )

Wie kommt der FCL aus seiner Krise? Andy Wolf: «Seit Hakan Yakin hatten wir keinen Star mehr»

5 min Lesezeit 30.10.2017, 19:38 Uhr

Nach der Niederlage in Lugano findet sich der FC Luzern auf dem letzten Tabellenrang wieder. Nach 13 Spielen haben die Innerschweizer nur 11 Punkte – zu wenig, finden die Fans. Die Diskussion um Trainer Markus Babbel wird lauter. Doch der Deutsche hat noch immer gewichtigen Support.

Der FC Luzern steckt in der Krise. Daran gibt es nichts zu rütteln. Nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Lugano ist der FCL ganz unten angekommen: Die rote Laterne leuchtet zum ersten Mal seit dem 22. Februar 2015 wieder in der Innerschweiz. Während eines ganzen Super-League-Viertels, also einem Spiel gegen jede Mannschaft, konnte der FCL nicht gewinnen – nur gerade vier Punkte holte man. Fünf Mal gingen die Leuchten leer aus.

Immer lauter werden nun die Diskussionen um Trainer Markus Babbel. Der Name Urs Fischer gewinnt bei den Fans immer mehr an Sympathie. Die Verantwortlichen wollen aber keine Panik aufkommen lassen. Präsident Philipp Studhalter beteuerte auf dem Privatsender «Teleclub», der Luzerner Coach stehe nicht zur Diskussion.

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FCL-Präsident Philipp Studhalter stärkt Babbel den Rücken:

 

Die Fanseele hingegen brodelt. Nach der Lugano-Niederlage postete der FCL ein Bild auf Facebook mit der Textzeile: «Wir verlieren in Lugano knapp mit 0:1.» Dies zog eine regelrechte Kommentarflut nach sich, vor allem am Wort «knapp» stiessen sich die meisten Supporter.

Prominenter Unterstützer für Babbel

Trainer Babbel aber hat noch immer seine Zusprecher unter den Fans. Zu ihnen gehört auch Prominenz: Ex-Radio-Moderator und Kommunikationsexperte Andy Wolf lässt über Twitter verlauten, anstatt den Chefcoach zu entlassen, solle man im Gegenteil seinen Vertrag verlängern. Dies würde zeigen, dass man tatsächlich an seine Vision glaube. Wolf ist seit über 30 Jahren immer wieder als Fan, zuerst in der Allmend, heute in der Swissporarena, anzutreffen.


 

Auf Anfrage sagt Wolf: «Für mich ist es nicht überraschend, dass es diese Saison schwer ist. Aber es ist ja noch nichts verloren.» Der FCL müsse Ruhe bewahren. Wenn man den Trainer entlasse, werde dadurch die Mannschaft auch nicht besser. Wolf: «Zumindest bis im Winter muss man Markus Babbel Zeit lassen.»

Den Vorschlag einer Vertragsverlängerung habe er ernst gemeint. Er zieht den Vergleich mit BVB-Torhüter Roman Bürki, dem trotz anhaltender Baisse kürzlich der Vertrag verlängert wurde. «Das zeugt von Vertrauen. Mit einer solchen Geste würde der FCL Grösse zeigen.» Ein Trainerwechsel würde nur Unruhe ins Team bringen und vor allem eines bedeuten: Der FC Luzern müsste erneut Geld in die Hand nehmen. 

Mit seiner Meinung ist Wolf nicht gänzlich alleine. Auch auf Social Media finden sich noch immer Babbel-Supporter. So schreibt einer: «Der FCL kriegt das wieder hin.»

 

Unmut bei den Fans steigt

Anders als Wolf sieht es der Obwaldner CVP-Regierungsrat Niklaus Bleiker. Der bekennende FCL-Fan reagiert auf Wolfs Tweet mit der Antwort: «Nur immer ‹meine Jungs haben alles gegeben› reicht mir nicht (mehr).» Damit kritisiert er Babbels Zweckoptimismus. Nach der Niederlage vom Sonntag liess der Bayer gegenüber den Medien verlauten: «Wenn’s einen Nutzen aus dem Schaden gibt, dann den: Wir sind jetzt die, die überholen können – uns kann keiner mehr überholen.» Ein wahrlich schwacher Trost.

Fans fordern in den sozialen Medien «Bye Bye Babbel», jemand fragt: «Wann ist Babbel fällig?» Der Unmut im Fanlager gegenüber dem Deutschen steigt.

 

Gewisse waren aber einfach enttäuscht von der Mannschaft. «Challenge-League-Niveau!», schreibt ein User, «höchstens 3. Liga», doppelt ein zweiter nach. Ein anderer nimmt die Misere mit einer Prise Galgenhumor:

 

Vorstand mit Sparkurs in der Kritik

Doch nicht nur der Trainer steht zur Diskussion. Die Klubspitze rund um CEO Marcel Kälin und Präsident Philipp Studhalter selber ist bei Fans nicht unumstritten. «Frischen Wind in die Vorstandsetage», fordern verschiedene Fans. Das ist eine Kritik an der Philosophie des Luzerner Vorstands, die da heisst: Kosten sparen und auf eigene, junge Spieler setzen. Entsprechend liess man Leistungsträger wie Marco Schneuwly, Jahmir Hyka oder Markus Neumayr ziehen, alles erfahrene Offensivspieler mit Super-League-Qualität. Ersetzt hat man die Torgaranten mit Zukunftshoffnungen: Daniel Follonier, Francisco Rodriguez oder Shkelqim Demhasaj müssen sich in der obersten Schweizer Liga erst noch zurechtfinden.

 

Das findet auch FCL-Fan Andy Wolf: «Es wäre naiv zu denken, dass man Qualität ziehen lassen kann und trotzdem oben mitspielt.» Zehn Punkte Abstand auf den vierten Platz, das bedeute eben, dass man kleinere Brötchen backen müsse. Wolf zeigt sich ob des Kaders konsterniert: «Seit Hakan Yakin hatten wir keinen Star mehr.» Es gebe keinen Spieler mehr im Team, dessen Trikot man sich noch kaufen wolle, so Wolf. «Man hat ein namenloses Team, der Star in Luzern ist der Trainer.»

Die Verpflichtung eines Stars dürfte aber den Plänen von Hauptinvestor Bernhard Alpstaeg widersprechen. Dieser möchte, dass der FCL auf eigenen finanziellen Beinen steht, eine Verpflichtung eines teuren Starspielers steht also ausser Frage. Für Wolf geht dieser strikte Sparkurs der Luzerner aber nicht ganz auf. «Hauptaktionär Alpstaeg fordert, dass Kosten gespart werden. Der FCL lässt deshalb Qualität gehen und spielt nicht länger vorne mit.» Dies führe zu einem Zuschauer-Rückgang, «dort fehlen dann wieder Einnahmen». 

Zuschauerzahlen tiefer als im Vorjahr

Er hat Recht, glaubt man den Aussagen von FCL-CEO Kälin. Laut dem FCL-Chef bringen 1’000 Zuschauer eine halbe Million Franken im Jahr. Dass ein Team auf dem letzten Tabellenrang vor weniger Zuschauern spielen wird als ein Team, das um Europa mitspielt, zeigt sich auch in den Zahlen: In der Saison 2015/2016 (Rang 3) besuchten mit 11’292 Zuschauern pro Spiel im Schnitt rund 1500 Personen mehr die FCL-Heimspiele als in dieser Saison. Im direkten Vergleich mit der Vorrunde 2016 sind es rund 1300 Zuschauer weniger pro Spiel.

Nächsten Sonntag trifft der FCL zuhause auf St. Gallen. Die Espen sind in Form, haben dieses Wochenende die Positiv-Serie von GC-Trainer Murat Yakin mit einem stürmischen 3:1 beendet. Danach steht der Spielbetrieb während zwei Wochen still. Geht der FCL als Letzter in die Nationalmannschaftspause, dürften es für Markus Babbel unangenehme 14 Tage werden.

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