Andritz Hydro pokert: «Umzonung nur eine Frage der Zeit»
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Die Andritz Hydro AG an der Obernauerstrasse in Kriens. (Bild: Andritz)

Kriens: Wie weiter mit dem Andritz-Areal? Andritz Hydro pokert: «Umzonung nur eine Frage der Zeit»

4 min Lesezeit 06.06.2017, 04:45 Uhr

Noch immer weiss die Öffentlichkeit nicht, wer das grosse Andritz-Hydro-Areal Mitten im Zentrum von Kriens kaufen wird. Derweil kritisiert ein Einwohnerrat den Gemeinderat für seine lasche Verhandlungstaktik – während dieser sich zu keinerlei Garantien an die Adresse des zukünftigen Investors hinreissen lässt.

Das Grazer Industrieunternehmen Andritz will seinen Standort in Kriens verkaufen. Für die Verwaltungsfunktionen und die Engineering-Abteilung will sich die Andritz Hydro beim zukünftigen Besitzer einmieten, rund 200 Arbeitsplätze sollten so langfristig in Kriens bleiben. SP-Einwohnerrat Cla Büchi forderte den Gemeinderat im vergangen Herbst auf, mit Andritz Hydro Kontakt aufzunehmen über den möglichen Kauf des Areals. Der Gemeinderat hält nun fest, dass bereits ein privater Investor zugebissen habe, ein Kauf komme deshalb nicht in Frage (siehe Box).

«Wir müssen das Heft in die Hand nehmen, wenn es um die Umzonung geht.»

Cla Büchi, Einwohnerrat SP

Preis sei «marktüblich»

Cla Büchi nimmt die Antwort des Gemeinderates zur Kenntnis und ist mit der Antwort beschränkt zufrieden: «Sie zeigt, dass sich die Gemeinde um das Areal nicht wirklich bemüht hat.» Dass die Exekutive den Verkaufspreis als weit davon entfernt einschätzt, was er dem Parlament vorlegen könne, kann Büchi nicht nachvollziehen. Soweit er gehört habe, entspricht der Preis einem marktüblichen Wert. Ein Kauf des Areals wäre in Büchis Augen eine Investition in die Zukunft gewesen: «Der Wert des Landes wird über die Jahren nur noch zunehmen.»

Wichtig, so Büchi, sei nun, dass die Gemeinde der Andritz klare Signale aussende: «Wir müssen das Heft in die Hand nehmen, wenn es um die Umzonung und Entwicklung des Areals geht.» Kriens müsse den Prozess steuern, das könne sie nicht dem der Andritz oder dem Investor überlassen.

Investor aus der Schweiz

Heinz Duner, Geschäftsführer der Andritz Hydro hält fest: «Der Investor kommt aus der Schweiz und ist im gemeinnützigen Wohnungsbau aktiv.» Verträge seien bis jetzt noch nicht unterschrieben, erklärt Duner. Man werde den Investor voraussichlich im Verlaufe des Sommers oder im Herbst kommunizieren können.

«Der Entscheid fällt der Einwohnerrat.»

Franco Faé, Finanzvorsteher

Fühlt man sich in Kriens überrrumpelt? «Nein», antwortet Finanzvorsteher Franco Faé. Die Gespräche mit den Vertretern von Andritz seien immer konstruktiv verlaufen: «Ganz wichtig ist dem Gemeinderat, dass auf dem Industrieareal etwas entsteht, das sich eingliedert in das Zentrum. Etwa was das Verkehrsaufkommen betrifft oder die städtebaulichen Aspekte der zukünftigen Überbauung.»

Internationaler Wettbewerb im Gange

Auch Duner ist es wichtig, dass die zukünftige Überbauung ein Konzept erhält, das sich harmonisch in das neue Krienser Gemeindezentrum einfügt. Derzeit ist das Mega-Entwicklungsprojekt «Zukunft Kriens – Zukunft im Zentrum» mitten im Gange. Ein Grossteil der Projekte befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Andritz. Es besteht aus den Projekten Schappe Süd (zentralplus berichtete), Eichenspes, dem Pilatus-Verwaltungszentrum, aber auch der Überbauung Teiggi. Das rund 140 Millionen Franken teure Vorhaben soll das Zentrum beleben und aufwerten. 

Man sei grundsätzlich immer bereit, über eine Umzonung zu diskutieren. Doch «wir lassen uns nicht unter Druck setzen», so Faé. Ausserdem müsse sich letztendlich das Parlament äussern: «Der Entscheid fällt der Einwohnerrat.» Derzeit läuft ein internationaler Architekturwettbewerb von «Europan» unter dem Titel «Die produktive Stadt», welcher sich mit dem Areal beschäftigt. Der Gemeinderat erhofft sich dadurch interessante und neue Inputs. Der unbekannte Investor unterstütze laut Andritz das Verfahren.

Umzonung «eine Frage der Zeit»

Faé betont, dass es sich um eine Industrie- und Gewerbezone handelt. Zu einer möglichen Umzonung in eine Gemischte oder eine reine Wohnzone habe man bisher keine Vorentscheidung getroffen. Er stellt klar: «Der Investor kauft beim derzeitigen Stand ein Industrie und  Gewerbegebiet.»

Dass sich der Krienser Gemeinde- oder Einwohnerrat gegen eine Umzonung ausspricht, davon geht Duner nicht aus: «Das Areal wird umgezont, das ist nur eine Frage der Zeit.» Es sei wichtig, dass ein derart zentrales und grosses Gebiet nicht Jahrzehnte brach liegt. Für Cla Büchi ist indess keinesfalls klar, dass die Umzonung im Parlament so reibungslos durchgeht, wie sich das die Andritz Hydro vorstelle. Doch für Duner gehört eine mögliche Verweigerungshaltung oder ein Nein der Krienser Bevölkerung zum Risiko des Investors. 

Doch bevor der politische Prozess ins Rollen kommt, geht nun der Wettbewerb von «Europan» weiter. Die Resultate werden der Öffentlichkeit im Dezember 2017 vorgestellt. Ausserdem hat Kriens zwei Planungsbüro mit einem Entwicklungskonzept beauftragt, dass sich unter anderem mit städtebaulichen und verkehrstechnischen Fragen entlang der Luzerner- sowie der Obernauerstrasse und somit auch des Andritz-Areals beschäftigt. Sie sind Grundlage für die sich anbahnende Grossdebatte.

Was bisher geschah

Ende Oktober überwies der Krienser Einwohnerrat einen dringlichen Vorstoss von Cla Büchi von der SP-Fraktion. Er beauftragte den Gemeinderat damit, Kaufverhandlungen über einen freiwerdenden Arealteil der Andritz Hydro aufzunehmen. Die Gemeinde solle die 12’000 Quadratmeter erwerben und darauf zum Beispiel ein Handwerkszentrum realisieren (zentralplus berichtete).

Weit kam der Gemeinderat jedoch nicht – bereits am 11. November wurde er vor vollendete Tatsachen gestellt, wie aus der Mitte Mai publizierten Antwort auf den Vorstoss Büchi zu entnehmen ist (zentralplus berichtete): «Der Gemeinderat musste feststellen, dass Andritz Hydro bereits weit fortgeschritten ist im Prozess und Angebote von Investoren auf dem Tisch hat, die sich nicht an der Tatsache orientieren, dass es sich um eine Arbeitszone handelt.»

Es sei «kein Interesse an einem Vertragsabschluss mit der Gemeinde vorhanden». Zudem lägen auch die finanziellen Vorstellungen weit von dem entfernt, «was der Gemeinderat mit gutem Gewissen dem Parlament vorlegen könnte», schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort aufs Postulat. Ausserdem will Andritz nicht nur die 12’000 Quadratmeter verkaufen, sondern das gesamte Areal mit einer grösse von beinahe vier Fussballfeldern.

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