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Andrea Gmür: «Der Frust hat uns motiviert»
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Die neue Nationalrätin Priska Wismer (links) und die neue Ständerätin Andrea Gmür freuen sich gemeinsam mit Parteipräsident Christian Ineichen. (Bild: jal)

Die Luzerner Ständerätin über ihre stille Wahl Andrea Gmür: «Der Frust hat uns motiviert»

4 min Lesezeit 1 Kommentar 24.10.2019, 18:27 Uhr

Die frischgebackene Luzerner Ständerätin heisst erwartungsgemäss Andrea Gmür. Nachdem sich alle Konkurrenten zurückgezogen haben, wurde die CVP-Kandidatin in stiller Wahl gewählt. Die 55-Jährige ist erleichtert und erklärt, wieso ihre Partei bei den Wahlen allen düsteren Prognosen zum Trotz siegte.

Die Erleichterung steht der 55-Jährigen ins Gesicht geschrieben: Am Donnerstagsmittag ist Andrea Gmür-Schönenberger als Ständerätin gewählt. Nachdem sich Franz Grüter (SVP), Monique Frey (Grüne) und David Roth (SP), Michèle Graber (GLP) und Florian Studer (parteilos) zurückgezogen haben, kam es im Kanton Luzern zu einer stillen Wahl (zentralplus berichtete).

Nach Josi Meier und Helen Leumann wird Andrea Gmür als dritte Frau den Kanton Luzern im «Stöckli» vertreten. Bei einer kurzfristig organisierten Feier im Restaurant Ente in Luzern stiess die CVP am Donnerstag gemeinsam mit dem Präsidenten der FDP auf die neue Ständerätin an.

«Irgendwie kann ich es immer noch nicht richtig fassen.»

zentralplus: Andrea Gmür, wann haben Sie den Champagner kühlgestellt?

Andrea Gmür: Gar nicht (lacht). Auch die Feier heute Mittag kam sehr kurzfristig zustande, weil wir immer wussten, dass erst am Donnerstagmittag klar wird, ob es tatsächlich zu einer stillen Wahl kommt. Obwohl mir manche Menschen auf der Strasse bereits gratulierten und ich rührende Reaktionen erleben durfte. Irgendwie kann ich es immer noch nicht richtig fassen.

zentralplus: Wie haben Sie die letzten vier Tage seit dem Wahlsonntag erlebt?

Gmür: Es war ein Wechselbad der Gefühle. Ich habe mich sehr gefreut über mein Resultat im ersten Wahlgang und über die Tatsache, dass wir unsere drei Nationalratssitze halten konnten. Es war seit langem wieder mal ein wirklich erfolgreicher Tag für die CVP.

«Überall hat man uns den Verliererstempel aufgedrückt.»

zentralplus: War für Sie nach dem Ergebnis am Sonntag klar, dass es auf eine stille Wahl hinausläuft?

Gmür: Es hat niemand – auch ich nicht – erwartet, dass ich bei den Ständeratswahlen ein so gutes Resultat erzielen werde. Obwohl ich viel unterwegs war und viele positive Rückmeldungen erhielt. Nach dem Wahlsonntag habe ich schon gehofft, dass eine stille Wahl möglich sein könnte.

Die neue Nationalrätin

Priska Wismer-Felder aus Rickenbach wird anstelle von Andrea Gmür in den Nationalrat nachrücken. Die Bäuerin und fünffache Mutter sitzt seit acht Jahren für die CVP im Luzerner Kantonsrat. Noch vor vier Jahren landete die 49-Jährige nur knapp 140 Stimmen hinter Andrea Gmür und verpasste damit den Einzug in die Grosse Kammer in Bundesbern haarscharf. «Die Ausgangslage war dieses Jahr schwieriger», sagt Wismer und spielt auf die Prognosen vor den Wahlen an. «Bei einer Wette auf die CVP hätte man wohl ziemlich viel Geld verdienen können.» Umso überraschender komme die Wahl nach Bundesbern nun für sie. «Doch die Freude ist riesig.»

zentralplus: Mussten Sie die anderen zum Rückzug überreden?

Gmür: Es sind natürlich viele Gespräche gelaufen, aber ich habe niemandem ein Versprechen abgegeben. Das Resultat nach dem ersten Wahlgang war ja auch relativ klar. Alle Kandidatinnen und Kandidaten haben mit ihrem Rückzug Grösse gezeigt und es ist mir deshalb auch ein Anliegen, ihnen dafür zu danken. Und ich werde mich sicher bemühen, den Kanton Luzern für alle zu vertreten.

zentralplus: Die Luzerner CVP hat im Nationalrat ihre drei Sitze halten können – obwohl kaum jemand daran glaubte. Was war Ihrer Meinung nach ausschlaggebend dafür?

Gmür: Uns ist permanent von allen Seiten gesagt worden, der dritte Sitz sei verloren: Überall hat man uns den Verliererstempel aufgedrückt. In der Vergangenheit war es manchmal frustrierend, so viel Knochenarbeit zu leisten, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Doch genau das hat uns alle motiviert, am selben Strick zu ziehen – von den Bisherigen bis zu den Kandidaten auf allen Unterlisten.

zentralplus: Da der zweite Wahlgang entfällt, haben Sie nun unerwartet freie Zeit.

Gmür: Ja, um zuhause im Büro mal Ordnung zu machen (lacht). Viel Zeit habe ich zwar nicht, es stehen noch Kommissionssitzungen im Nationalrat an. Aber die stille Wahl verschafft etwas Luft und Erleichterung – vor allem auch emotional.

zentralplus: Haben Sie bereits ein paar Insidertipps von Konrad Graber erhalten?

Gmür: Als Nationalrätin kann ich natürlich schon etwas abschätzen, wie der Ständerat tickt. Ich habe schon ein paar Mal mit einigen Ständeräten – es waren bislang ja vor allem Herren – gesprochen. Aber natürlich bin ich froh, zu wissen, dass ich auf Konrad Graber zurückkommen kann, wenn ich Unterstützung brauchen sollte. Mir ist bewusst: Ich werde in grosse Fussstapfen treten, entsprechend sind die Erwartungen. Aber ich freue mich auch sehr auf die Arbeit – notabene 40 Jahre nachdem mein Vater in den Ständerat gewählt wurde.

Im ersten Wahlgang erreichte Damian Müller als Einziger das absolute Mehr, dahinter folgte Andrea Gmür, die Franz Grüter deutlich distanzierte:


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1 Kommentare
  1. Roland Grüter, 25.10.2019, 18:08 Uhr

    Kein Grund zum feiern. Ueber die Hälfte der Wahlberechtigten gingen nicht zur Urne. Und jetzt noch eine stille Wahl. Als Ständerätin wurde ein sogenannte „Bildungs-Politikerin“ für unseren Kanton gewählt, die damals an vorderster Front gegen die Erneuerung unserer Zentral- und Hochschulbibliothek agierte. Toll!

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