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An Heiligabend arbeiten? «Eigentlich ist es schöner an diesem Tag»
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Viviane Nussbaumer aus Oberwil ist schon seit sechs Jahren Pflegefachfrau im Zuger Kantonsspital. (Bild: woz)

Ein Buschauffeur und eine Pflegefachfrau berichten An Heiligabend arbeiten? «Eigentlich ist es schöner an diesem Tag»

5 min Lesezeit 24.12.2018, 16:01 Uhr

Um Gottes willen – an Weihnachten arbeiten? Diese Aussichten würde für viele den Super-Gau bedeuten. Und doch gibt es viele, die an den Festtagen arbeiten müssen. Im Spital als Pflegefachfrau beispielsweise oder als Busfahrer. zentralplus hat mit Betroffenen gesprochen – die Überraschendes zu erzählen haben.

So wie sie strahlt, merkt man sofort, dass ihr der Beruf viel Freude bereitet. Viviane Nussbaumer aus Oberwil bei Zug ist diplomierte Pflegefachfrau FH im Zuger Kantonsspital in Baar. Seit sechs Jahren. Die 28-Jährige arbeitet in der medizinischen Abteilung – dort, wo man sich um Patienten mit Krankheiten kümmert, die nicht operiert werden.

«Patienten, die beispielsweise eine Lungenentzündung haben. Oder einen Herzinfarkt», erklärt die Zugerin, die ursprünglich aus Menzingen stammt. 17 Betten gibt es in ihrer Abteilung. 20 bis 30 Kolleginnen und Kollegen pflegen mit ihr zusammen die Patienten auf der Station.

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«Wenn man im Spital ganz kalt gegenüber den Schicksalen von Patienten ist, hat man sicher den falschen Beruf gewählt.»

Viviane Nussbaumer, diplomierte Pflegefachfrau, Zuger Kantonsspital

Wie ist es für Sie, in einem Spital zu arbeiten? Nicht wenige haben Angst oder fühlen sich unwohl, wenn sie nur jemanden im Krankenhaus besuchen müssen.

«Angst vor was?», fragt Viviane Nussbaumer und lächelt. Man müsse die Arbeit natürlich ernst nehmen und sich vor Bakterien und Keimen schützen.

Im Team sich über den Alltag und Belastungen austauschen

Was den Umgang mit kranken Menschen betreffe, «gibt es sicher auch so manche psychische Belastung. Aber wenn man im Spital ganz kalt gegenüber den Schicksalen von Patienten ist, hat man sicher den falschen Beruf gewählt», sagt sie einfühlsam. Ausserdem arbeite sie ja in einem Team, in dem sie sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen über den Alltag und die persönlichen Belastungen austauschen könne.

Zudem sei ihr Beruf sehr abwechslungsreich. Jeder Tag bringe etwas Neues. «In meinem Beruf kann ich Menschen helfen», sagt sie. Viele Patienten seien sehr dankbar für die Pflege und Hilfe, die sie im Spital erhalten, so Viviane Nussbaumer, die an der Zürcher Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften ein Bachelorstudium in Pflege absolviert hat.

«Eigentlich ist es schöner, an Heiligabend zu arbeiten», Viviane Nussbaumer.

«Eigentlich ist es schöner, an Heiligabend zu arbeiten», Viviane Nussbaumer.

(Bild: woz)

Trotzdem schluckt man erst mal, wenn die Mitarbeiterin des Zuger Kantonsspitals erzählt, dass sie an zirka 26 Wochenenden im Jahr arbeitet beziehungsweise im Schichtdienst eingespannt ist.

Dieses Jahr an Silvester im Einsatz

«So schlimm ist das nicht», meint sie. Je nach Schicht könne man sich beispielsweise nach der Arbeit noch mit Freunden treffen. Ausserdem erhalte sie für ein Arbeitswochenende an zwei anderen Wochentagen frei. «Es ist schön, immer wieder einmal zwei freie Tage für mich unter der Woche zu haben.» Sie schafft es trotz den vielen Wochenenddiensten auch noch, hin und wieder in der Damenfussballmannschaft des SC Menzingen mitzuspielen – rechts im Mittelfeld.

Das hört sich ja nicht schlecht an. Aber wie ist es an Weihnachten, wenn die meisten zu Hause sitzen im Kreis der Familie, sich beschenken und sich über ein gutes Essen freuen? Die Dienstplanung im Zuger Kantonsspital findet jeweils eineinhalb Monate im Voraus statt. «In diesem Jahr habe ich an Silvester Dienst», sagt die Pflegfachfrau. «Aber ich habe auch schon an Heiligabend gearbeitet – in der Frühschicht», erzählt sie.

«Wir überreichen den Patienten an Weihnachten ein kleines Geschenk und servieren ein besonderes Essen.»

Viviane Nussbaumer

Die Arbeit im Spital sei an solchen Tagen speziell, weil auch die Patienten oft sehr liebenswürdig reagierten. «Manche haben zu mir gesagt: Sie können heute früher nach Hause gehen», erzählt sie. Selbstverständlich musste sie bleiben und ihren Dienst wie vorgesehen erledigen.

«Wir überreichen den Patienten an Weihnachten ein kleines Geschenk und servieren ein besonderes Essen, was zu einer festlichen Atmosphäre beiträgt», so Nussbaumer. Auch viele Angehörige würden zu Besuch kommen und für ein gemütliches Ambiente sorgen. An Silvester habe sie mit Patienten aus einem speziellen Eckzimmer schon das Feuerwerk angeschaut. «Eigentlich ist es an Heiligabend schöner zu arbeiten als an normalen Tagen – weil die Stimmung besonders ist», sagt Viviane Nussbaumer.

Sechs Franken mehr pro Stunde

Das Pflegefachpersonal des Zuger Kantonsspitals erhält für den Dienst an Samstagen, Sonn- und Feiertagen eine finanzielle «Inkonvenienzzulage» von 6 Franken pro Arbeitsstunde.

«An Weihnachten ist es speziell, weil viele Buspassagiere einem schöne Weihnachten wünschen und freundlich grüssen.»

Sepp Nussbaumer, ZVB-Busfahrer, Oberägeri

Auch Sepp Nussbaumer ist einer, der an Heiligabend arbeitet. Der 57-jährige ist Busfahrer bei den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB). «Ich bin von 17 Uhr bis nachts um 1 im Einsatz», sagt der frühere Lastwagenfahrer, der Milch aus dem Gebiet Einsiedeln zur damaligen Grossmolkerei Toni nach Zürich transportierte.

Sepp Nussbaumer fährt auch an Heilgabend Bus: Er mag die vielen Lichter und die festliche Stimmung.

Sepp Nussbaumer fährt auch an Heilgabend Bus: Er mag die vielen Lichter und die festliche Stimmung.

(Bild: woz)

Seit 28 Jahren ist der zweifache Familienvater nun Buschauffeur – mittlerweile ausschliesslich auf den Berglinien zwischen Menzingen und dem Ägerital. Zwischendurch hat er auch als Zimmermann gearbeitet. «Da ich diese Tätigkeit aber nicht gelernt habe, habe ich mich immer ein bisschen als Handlanger auf den Baustellen gefühlt», erklärt der gelernte Briefträger.

Eigentlich hätte der Oberägerer, der in Alosen wohnt, gerne einmal bei der Post hinterm Steuer eines Fahrzeugs gesessen. Aber das habe sich eben nicht ergeben. Inzwischen liebt er das Busfahren und schätzt den Kontakt mit den Fahrgästen, von denen ihn natürlich viele kennen. Im Tal in Zug sei die Beziehung zu den Leuten nicht so eng.

Eher ruhig an den Festtagen

«An Weihnachten ist es speziell, weil viele Buspassagiere einem schöne Weihnachten wünschen und freundlich grüssen», sagt Nussbaumer. Denn an Heiligabend und an den Festtagen gehe es eher ruhig zu. «Ich geniesse es dann, mit dem Bus durch die dunkle Landschaft mit den vielen Lichtern zu fahren. Das ist so eine schöne Stimmung und eine festliche Kulisse.»

Früher hat der zweifache Familienvater mit seinen Kindern an Heiligabend Weihnachten gefeiert. «Ich gönne es heute allen Kollegen, die mit ihren kleinen Kindern an Heiliagabend zuhause sind», sagt Sepp Nussbaumer.

«Raclette kann man ja auch mittags essen.»

Sepp Nussbaumer

Wenn er jetzt  am 24. Dezember Bus fahren muss, werde das Familienfest mit seinen erwachsenen Kindern halt auf den 25. verschoben – dann gibt es die Bescherung beim Mittagessen. «Raclette kann man ja auch mittags essen», sagt er und grinst.

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